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28. April 2015

Bunte Wände werden weiß

Die 11. Anti-Graffiti-Aktion des Vereins "Sicheres Freiburg" fand am Samstag in Haslach statt.

  1. Weißer geht’s nicht: Die angehende Malerin Anne-Cathrine Braun und ein jugendlicher Helfer waren ehrenamtlich im Einsatz. Foto: Michael Bamberger

HASLACH. Alles schneeweiß: Die Garagenmauer in der Carl-Kistner-Straße 25 ist seit Samstagmittag strahlend sauber, ebenso die Garage gegenüber. Wie war es früher? Das weiß Anne-Cathrine Braun (19), die im zweiten Ausbildungsjahr zur Malerin ist, nur von Handyfotos: Die sind von Kollegen, die in den Tagen vor Samstag hier waren – und erste Arbeiten übernahmen. Darum mussten die Samstags-Helferinnen und -Helfer bei der 11. Anti-Graffiti-Aktion des Vereins "Sicheres Freiburg", die diesmal in Haslach stattfand, nur noch streichen.

Früher war vom Weiß der Garagenmauer nicht mehr viel übrig. Stattdessen gab’s große bunte Graffiti. Wenn Anne-Cathrine Braun auf die Handyfotos schaut, sieht sie den Erfolg ihrer Arbeit. Zusammen mit einem Jugendlichen, der über die Jugendgerichtshilfe Sozialstunden ableisten muss, war sie seit Samstagmorgen im Einsatz. Anfangs hat es genieselt, dann wurde das Wetter vorübergehend trockener. Alle, die mittun, machen das ehrenamtlich. Für die beteiligten Malerbetriebe Ehrlich, Schwenninger, Herre, Kiefer und Ullrich ist ihr Engagement auch eine Form von Werbung, sagt Malermeisterin Susanne Schwenninger, die Chefin von Anne-Cathrine Braun.

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Der Jugendliche, der Anne-Cathrine Braun an diesem Vormittag geholfen hat, ist für Malerarbeit begabt, sagt Anne-Cathrine Braun: "Er hat sich gut angestellt!" Insgesamt sind vier Jugendliche von der Jugendgerichtshilfe dabei. Einer sei selbst mal wegen Graffiti verurteilt worden, erzählt einer der Maler. Die Maler haben den Abschlusstag, an dem ein Infostand am Scherrerplatz über die Aktion informiert, die ganze Woche über vorbereitet. Auch die Malerklasse des Lehrers Daniel Ay von der Friedrich-Weinbrenner-Gewerbeschule hat mitgeholfen. Die Maler haben die 21 Gebäude, an denen Schäden gemeldet wurden, genau begutachtet und mit Isolierfarbe vorbehandelt. Wenn mit Graffiti besprühte Wände nicht als Erstes mit Isolierfarbe bestrichen werden, sei die Gefahr groß, dass die Graffiti nach dem Streichen mit "normaler" Farbe wieder durchschimmern, erklärt Susanne Schwenninger.

Der Lokalverein Haslach hat die 21 Graffiti-Meldungen an den Verein "Sicheres Freiburg" weitergeleitet. Die meisten Gebäude waren an der Carl-Kistner-Straße. Mitarbeiter der Freiburger Verkehrs-AG (VAG) haben die Bushaltestellen am Scherrerplatz frisch gestrichen.

Der Verein "Sicheres Freiburg" ruft jedes Jahr im Herbst die Freiburger Bürgervereine auf, sich für die Anti-Graffiti-Aktion zu bewerben, sagt dessen Geschäftsführerin Sabine Burkhardt. Im vergangenen Herbst hatte sich Hubert Nixdorf, der damalige Vorsitzende des Lokalvereins Haslach, gemeldet. Dessen Nachfolger Markus Schupp beobachtet einen sehr unterschiedlichen Umgang mit Graffiti in Haslach: An den Häusern der Genossenschaft "Bauverein" würden sie immer sofort wieder entfernt, für die Gebäude der "Bundesanstalt für Immobilienaufgaben" (Bima) sei es dagegen sogar schwierig gewesen, zumindest eine Erlaubnis zur ehrenamtlichen Entfernung zu bekommen. In Haslach gebe es immer wieder einiges an Graffiti, sagt Markus Schupp: "Aber ich sehe da keine Tendenz nach oben."

Die Anti-Graffiti-Aktion fand zum ersten Mal in Haslach statt, in den Jahren davor waren unter anderem die Wiehre, ein Teil der Innenstadt und Weingarten dran, sagt Sabine Burkhardt. Jedes Mal sind die von Graffiti betroffenen Hausbesitzer zu Spenden aufgerufen, um das Material – vor allem die Farbe – zu finanzieren.

Autor: Anja Bochtler