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25. Juni 2010
Das Gemeinsame suchen
Ausstellung "Wir alle" zeigt, wie junge Menschen sich interkulturelle Kommunikation wünschen.
HASLACH. Vom heutigen Freitag an zeigen Jugendliche und junge Erwachsene in der Stadtteilbibliothek Haslach unter dem Titel "Wir alle" Bilder, Plakate und Comics zum Thema "Interkulturelle Kommunikation". Mit diesem Thema haben sie sich, begleitet von der Freiburger Künstlerin und Kunstdozentin Carmen Luna, monatelang auseinandergesetzt – als Teil einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme in der Trägerschaft des Verbands "In Via – Katholische Mädchensozialarbeit".
"Vorbehalte und auch Ängste gegenüber Fremden sind menschlich. Man muss sich das aber bewusst machen und lernen, aufeinander zuzugehen. Wer das nicht schafft, begrenzt sich selbst und fügt anderen Unrecht zu", sagt Carmen Luna. Sie kooperiert seit vier Jahren mit dem Verband "In Via" und hat in dieser Zeit rund 150 jungen Menschen Denkanstöße vermittelt. Die gebürtige Peruanerin weiß, wovon sie spricht. Vor vielen Jahren hat sie ihre Heimat verlassen, seither an verschiedenen Orten in Europa gelebt und sich immer wieder neu auf eine Umgebung eingestellt.Derart herausgefordert war und ist auch die Afghanin Mariam Sediqi (20). Sie ist in Bad Krozingen geboren und dann im Alter von sieben Jahren mit ihrer Familie nach Pakistan gezogen. Dort erlebte sie unter den Gleichaltrigen Ausgrenzung. Nach der Rückkehr in den Breisgau hatte sie es vor allem in der Schule ebenfalls schwer, anerkannt zu werden. Was sie sich damals gewünscht hat, drückt sie nun in einer Bildergeschichte aus. Ein afghanisches und ein deutsches Mädchen begegnen sich und sind zunächst voller Vorurteile. "Die Deutsche denkt, die Afghanin sei primitiv und unterdrückt, und die Afghanin denkt, die Deutsche habe nur materielle Wünsche. Dann aber kommen sie ins Gespräch und werden die besten Freundinnen", sagt Mariam Sediqi.
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Katrin Knobelspies (24) hingegen hat eine Kette von 23 Menschen aus verschiedenen Ländern vor himmelblauem Hintergrund gemalt. Ein Peruaner geht darauf zu und streckt die Hand aus, eine Afrikanerin zögert noch. "Gemeinsam sind wir stark", hat die junge Frau ihr Werk benannt. Melanie Gass hat mit Dennis Köster "Liebe" und den Satz "Ich liebe dich" in ungezählten Sprachen, deutschen Dialekten und Schriftbildern ausgedrückt. Auch etliche andere der Arbeiten sind beeindruckend.
Carmen Luna freut sich über die Vielfalt der Arbeiten, der Farben, der Techniken und der Motive – und darüber, dass es ihr gelungen ist, die jungen Menschen anzuregen, sich künstlerisch-kreativ mit ihren Gefühlen und ihren Erkenntnissen aus den Gesprächen im Unterricht auseinanderzusetzen. Als besonders prägende Erfahrung nennt Melanie Gass: "Dass ich Vorbehalte gegenüber Menschen muslimischen Glaubens abbauen konnte."
Offen auf Menschen zugehen zu können, zähle ebenso wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit zu den Schlüsselqualifikationen, die von Arbeitgebern verlangt werden, erläutert "In Via"-Projektleiterin Sabine Albrecht. Denn es sei heute Realität, am Arbeitsplatz Menschen aus anderen Kulturen als Kollegen, Vorgesetzte oder als Kunden anzutreffen. Finanziert wird der berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) von der Agentur für Arbeit. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer streben nach Berufen in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Lager, Handel, Wirtschaft und Logistik. Mit dem Stadtcaritasverband, dem Internationalen Bund, der Volkshochschule und der Fördergesellschaft der Handwerkskammer bildet der Verband das "BvB-Netzwerk Freiburg".
Autor: Siliva Faller
