Über die Dreisam würde es teuer

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Do, 13. Dezember 2018

Freiburg

Bislang ist vorgesehen, dass der Straßenbahnanschluss von Dietenbach eine Sackgasse bleibt – ohne Verbindung zur Linie 1.

FREIBURG-RIESELFELD. Wenn Oberbürgermeister Martin Horn heute ab 19 Uhr in seiner Reihe "OB vor Ort" im Rieselfelder Stadtteiltreff "Glashaus" zu Gast ist, wird es auch um die Straßenbahnverlängerung in den geplanten Stadtteil Dietenbach gehen – und um die Frage, ob nicht ein Ringschluss über die Dreisam möglich wäre. Im Wahlkampf hatte sich Horn dafür offen gezeigt, inzwischen ist er deutlich zurückhaltender. Denn es würde teuer: Laut Verkehrs-AG (VAG) würde allein die nötige Brücke 30 bis 35 Millionen Euro kosten.

Aktuell machen sich die Rieselfelder vor allem Gedanken über den nächsten Fahrplanwechsel im März 2019 – die letzte Hoffnung für eine Veränderung hat die VAG inzwischen vom Tisch gewischt (siehe Text unten). Doch auch die zukünftige Verkehrsanbindung ist ein großes Thema. Wenn der Stadtteil Dietenbach gebaut wird, soll die Straßenbahnlinie von Rieselfeld ins neue Quartier verlängert werden. Dabei seien die Bahnen jetzt schon übervoll, sagen die Bewohner. Die VAG will die Taktzeiten verdichten und längere Fahrzeuge einsetzen.

Viel attraktiver wäre jedoch ein Ringschluss zur Haltestelle "Paduaallee" der Linie 1 im Stadtteil Betzenhausen, meint der Vorsitzende des "BürgerInnenvereins Rieselfeld", Andreas Roessler. Davon könnten nicht nur die Bewohner von Rieselfeld und Dietenbach profitieren, sondern zum Beispiel auch der Ortsteil Lehen, wo mit Zinklern ein weiteres großes Baugebiet geplant ist.

Im Wahlkampf hatte sich Oberbürgermeister Martin Horn für eine Prüfung dieser Alternative stark gemacht und von "einer historischen Chance" gesprochen. Auf eine aktuelle Anfrage der BZ äußert sich Horn nur vage. Er lässt lediglich über seinen Sprecher mitteilen, dass ihm "eine attraktive, leistungsfähige und zukunftsorientierte Anbindung für den neuen Stadtteil Dietenbach" am Herzen liege: "Das werden wir anpacken."

Auf weitere Fragen – etwa ob und wann bereits Varianten geprüft wurden oder wie teuer der Lückenschluss wäre – gibt es aus dem Rathaus keine konkreten Antworten, sondern nur die Aussage, dass die Kosten zu hoch seien. Zuletzt hieß es bei einer Infoveranstaltung zum Stadtteil Dietenbach, dass acht Alternativen untersucht worden seien. Die VAG berichtet, dass es bereits 2014 Prüfungen gegeben habe – verantwortlich für den Prozess und die politische Bewertung sei jedoch die Stadtverwaltung, betonen die Vorstände Oliver Benz und Stephan Bartosch. Sie halten den Lückenschluss aus betrieblicher Sicht für nicht ganz einfach. Bestehende Linien müssten aufgespalten werden, zudem sei die Linie 1 an ihrer Kapazitätsgrenze. Ein großes Problem sei das Überqueren von Dreisam und B 31. "Das ist kein Brückle", betont Bartosch: Nötig sei ein riesiges Bauwerk, das 30 bis 35 Millionen Euro kosten würde – währenddessen für die Tramverlängerung von Rieselfeld nach Dietenbach 20 bis 24 Millionen Euro im Raum stünden. Die Tramtrasse über die bestehenden Brücken an Paduaallee oder Breisgauer Straße zu führen, scheidet laut Benz aus Platzgründen aus. Um sich die Chance für den Lückenschluss nicht komplett zu verbauen, will die Stadtverwaltung prüfen, ob eine Vorhaltetrasse im Stadtteil Dietenbach freigehalten werden kann.

Und wie geht es insgesamt mit dem ÖPNV in Freiburg weiter? Nach dem Abschluss des aktuellen Großprojekts Rotteckring wollen Stadtverwaltung und VAG im Sommer 2019 einen Zeit- und Finanzierungsplan für die nächsten geplanten Straßenbahntrassen vorlegen.