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24. Januar 2012

Opfingern wird warm ums Herz

Bei der Holzversteigerung wird große Skulptur eingeweiht.

  1. Mit Applaus bedachten die Opfinger ihre neue Holzskulptur im Wald. Foto: Rita Eggstein

OPFINGEN. Es ist ein stürmischer Samstag mit grauen Wolken, die nichts Gutes verheißen. Eigentlich ein Tag, an dem man es sich auf dem Sofa vor einem Feuer so richtig gemütlich machen könnte. Die Idee mit dem wärmenden Feuer finden auch zahlreiche Opfinger gut. Ihr Holz brennt allerdings nicht im Wohnzimmer-Kamin, sondern im Lagerfeuer im Opfinger Wald. Beim Waldfest gibt es außer der jährlichen Holzversteigerung noch etwas einmaliges: Eine Holzskulptur des Künstlers Thomas Rees wird feierlich enthüllt.

Kuschelig ist es auch ohne ein Dach über dem Kopf. Auf dem Festplatz, der von hohen Bäumen umrandet ist, brennen an mehreren Stellen die besagten Lagerfeuer, an denen Stockbrot geröstet wird, die Feuerwehr versorgt die Gäste mit wärmender Suppe und Opfinger Wein, und der Musikverein steuert die passende Unterhaltung bei.

Hier hat es sich auch Klaus Dörflinger in geselliger Runde bequem gemacht. Gesprächsthema ist die Holzversteigerung, die am Mittag stattgefunden hatte. "Wir steigern schon seit 25 Jahren mit und haben alle Epochen, ob günstig oder teuer, miterlebt. In diesem Jahr war das Holz relativ teuer", erzählt Dörflinger. "Rund zehn Euro teurer als im vergangenen Jahr." Dennoch, alles Holz wurde an den Mann gebracht. Das sei nicht immer der Fall, wie Revierförster Markus Müller berichtet. "Die Holzschöpfe sind wegen des milden Winters voll, aber die Versteigerung ist wider Erwarten sehr gut gelaufen." Bei 70 Euro lag der Spitzenpreis pro Ster (Kubikmeter) Scheitholz, bei 45 Euro fürs Rundholz. Müller zeigt sich durchaus zufrieden mit den Ergebnissen.

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Teil eins der Veranstaltung ist also erfolgreich abgehakt. Um 16 Uhr folgt Teil zwei: Die 5,30 Meter hohe und zwei bis drei Tonnen schwere Skulptur des Kappler Holzbildhauers Thomas Rees soll enthüllt werden. Aus diesem Anlass hat sich auch Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik auf den Weg nach Opfingen gemacht. Eine Traube von Menschen sammelt sich kurz vor vier um die Skulptur, die ein weißes Tuch mit roter Schleife verhüllt. Nicht nur bei den Gästen macht sich langsam Neugierde breit: "Ich bin gespannt, wie die Skulptur ankommen wird", verrät auch Thomas Rees.

Und dann, als das Tuch endlich fällt, kämpfen sich wie auf Kommando einige Sonnenstrahlen durch die Wolken und tauchen die Holzskulptur in ein wärmendes Licht. Zu sehen ist eine barbusige Frau mit zornigem Gesicht an der Spitze der Skulptur. Rees erklärt: "Sie steht für die Mutter Natur in all ihrer Vielfalt und Schönheit, aber auch ihrer Verletzlichkeit und ihrem Zorn." An ihrem Körper rankt ein langer Blitz herab, an dessen Ende zwei Waldarbeiter zu sehen sind. "Sie bearbeiten das Holz auf traditionelle Weise und stehen für das Streben der Mensch und deren Bedarf an natürlichen Ressourcen", erklärt Rees. An der Rückseite der Figur ist eine Fällkerbe zu sehen (eine Einbuchtung, mit der man die Fallrichtung eines Baumes bestimmt), vorne ein Keil, den die Waldarbeiter in das Holz gerammt haben. "Das steht für das Eindringen in die Natur und stellt ein gewisses Spannungsfeld dar."

Rees möchte auf ein Ungleichgewicht aufmerksam machen, das die Menschen durch Naturgewalten, wie beispielsweise den Orkan Lothar von 1999, immer mehr zu spüren bekämen.

"Des Waldmanns Freud" nennt der Künstler seine Skulptur, die er in zweiwöchiger Akkordarbeit hergestellt hat. Die Eiche, aus der das Kunstwerk geschnitzt ist, stammt aus dem Opfinger Wald und wurde vor zwei Jahren von ehemaligen Ortsvorstehern und Revierförstern auf traditionelle Art und Weise gefällt.

Nach einigem Staunen und Deuten zeigen die Opfinger sich denn erfreut über die Holzskulptur. Mehr und mehr Gäste kommen auf Rees zu und loben ihn für sein Werk. So endet auch der zweite Teil des Festes rundum positiv. Gefeiert wird dann noch bis zum Abend.

Autor: Nikola Vogt