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23. Dezember 2008

Viel zu still ruht der See

Der Reutemattensee bei Tiengen ist kaum noch lebensfähig – das soll sich ändern

TIENGEN. Ortsvorsteherin Ruthild Surber und die Ortschaftsräte freuen sich über dieses Vorhaben: Die Mitglieder des Freiburger Angelsportvereins (ASV) wollen dafür sorgen, dass sich die Wasserqualität des Reutemattensees verbessert. "Der See ist das wichtigste Naherholungsgebiet für unser Dorf, weshalb wir die Vorschläge des ASV begrüßen", sagt Ruthild Surber. Der Verein ist seit 15 Jahren Pächter des Sees, fischen lassen sich darin unter anderem Karpfen, Weißfische und Aale.

Der ASV will in Zukunft die so genannte "Wasserpest" wirksamer als bisher zurückdrängen. Die Wasserpest ist eine eingeschleppte Wasserpflanze, die den See im Sommer zuwuchert. Nun hat der ASV bei der Stadt Freiburg beantragt, einen kleinen Bach namens Kuhlagerbächle am Nordufer zu öffnen, damit wieder fließendes Wasser den See durchströmt. Das Kuhlagerbächle war vor 15 Jahren zugeschüttet worden, um das Naturschutzgebiet "Gaisenmoos" im Mooswald zu sichern.

Dort existiert Baden-Württembergs größtes Vorkommen des seltenen Königsfarns, der auf durchweichten Boden angewiesen ist. "Am besten ist, wenn das Wasser so hoch steht, dass man darin waten muss", erklärt Markus Müller, der als Förster im Revier Opfingen nach dem Königsfarn schaut. Wo es derart nass ist, fühlt sich auch der Dohlenkrebs wohl und das ist die zweite Art, wegen der im Tiengener Mooswald niemand ohne behördliche Genehmigung in den Wasserhaushalt eingreifen darf.

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Der Dohlenkrebs ist eine von drei Flusskrebsarten, die in Mitteleuropa vorkommen. In Deutschland ist er nur in Südbaden vertreten, 23 Lebensstätten sind registriert, werden aber geheim gehalten, weil diese Art extrem gefährdet ist. Markus Müller weiß, dass der Reiz des Seltenen auf so manchen vorgeblichen Naturfreund eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausübt.

Durch das Zuschütten des Kuhlagerbächles hatte der Reutemattensee seinen einzigen Zufluss verloren. Die Folgen waren gravierend. Der See, der an seiner tiefsten Stelle eineinhalb Meter misst, ist zwar in seinem Bestand nicht gefährdet, weil er vom Grundwasser gespeist wird, mangels Zufluss findet jedoch kein Wasseraustausch statt. "Es gibt zwar am Westufer einen schmalen Graben, weil aber kein Wasser zufließt, hat dieser Bach seine Funktion als Abfluss verloren", erklärt der ASV-Vorsitzende Hanspeter Beil.

Der Verein ist seit 15 Jahren Pächter des Sees. Mangels Durchfluss ist der Sauerstoffgehalt des Wassers relativ niedrig, weshalb die Tiere im Reutemattensee einen schweren Stand haben, zumal im Sommer die gesamte Wasserfläche von der Wasserpest zugewuchert ist. "Sogar Enten und andere Wasservögel kommen kaum noch vorwärts", sagt Beil. Mitarbeiter des Garten- und Tiefbauamtes haben die Pflanzen zwar jedes Jahr gemäht, weil die Stengel dann aber abgesunken waren, hat sich auf dem Boden eine dicke Schlammschicht gebildet. Dieses Übermaß an Biomasse zehrt am ohnehin geringen Sauerstoffgehalt. Im Hochsommer steigen üble Gerüche von dem einst beliebten Badesee auf. "Wir befürchten, dass der See kippt, wenn das so weitergeht ", sagt Hanspeter Beil. Schon im vergangenen Sommer haben ASV-Mitglieder mit einem selbst gebauten Rechen eine neue Methode angewandt, die Wasserpestpflanzen wirksamer als bisher durch die Mahd einzudämmen. "Mit diesem Rechen lassen sich Stengel mit der Wurzel ausreißen und auch große Mengen Schlamm aus dem See ziehen", schildert Beil. "Wir werden das jetzt Jahr für Jahr wiederholen."

Ob das Kuhlagerbächle wieder Wasser einleiten kann, ist noch offen. Das städtische Umweltamt hat ein Wasserrechtsverfahren eingeleitet. "Wir begrüßen die Initiative des Vereins, der Schutz des Königsfarns und der Krebse hat jedoch oberste Priorität", erklärt Ralf Zähringer, stellvertretender Leiter des Umweltamts. Denkbar ist eine Schwelle im Graben einzubauen, die das Wasser zwar zurückhält, bei sehr hohem Wasserstand aber, etwa zur Zeit der Schneeschmelze, einen Überlauf gewährt. Der Tiengener Ortschaftsrat hat dem Antrag jedenfalls zugestimmt.

Autor: Silvia Faller