Verein im Verein

Der Verein "Bauernhoftiere für Stadtkinder" bietet Stadtkindern spannende Abenteuer wie auf dem Dorf

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 18. Mai 2016

Freiburg West

Hinter der Anne-Frank-Schule ist ein Idyll: Da blühen Butterblumen und zwitschern Vögel, vor allem aber gibt’s neben bunten Bauwägen auch etliche Tiere. Die Schwestern Cora und Kerstin Geigenbauer verwirklichen hier mit ihrem Verein „Bauernhoftiere für Stadtkinder“ ihren Traum – und den vieler Kinder und Erwachsener. Mitten in der Stadt lässt sich erahnen, wie es früher auf dem Dorf zuging und wie sinnvoll alles zusammenhängt, wenn Natur und Tiere in ihrem Rhythmus bleiben können.

Morgens war der Scherer da. Jetzt liegt die frisch geschorene Wolle der fünf Schafe, die hier leben, in einer Kiste mit Wasser, das sich bräunlich färbt. Charlotte (7) und Christian (10) spritzen aus einem Schlauch Wasser nach. Auch nebenan auf dem Tisch türmen sich Wollberge, vom Scheren vor einem Jahr. Cora Geigenbauer bringt einem Rudel Kinder Filzen bei: Alle kneten Wolle in Seifenwasser. "Nicht fest drücken", rät Cora Geigenbauer, "ganz sanft, als ob es Federn wären."

Acht kuschelige Küken wuseln in der Frühlingssonne herum

Clara (9) wischt sich Seifenschaum vom Ärmel. Sie und ihre Freundin Helena (8) sind öfter hier. Nicht nur, weil sie in die benachbarte Anne-Frank-Grundschule gehen, die mit dem Verein kooperiert: Die Mädchen nehmen auch, so wie diesmal, an den "offenen Samstagen" teil, die einmal im Monat für Fördermitglieder angeboten werden. "Da kommen meist so viele, dass die Gruppe aufgeteilt werden muss", erzählt Kerstin Geigenbauer. Meist bleiben die Kleinen auf dem Stammgelände bei den Kaninchen und Hühnern, während die Größeren die Esel, Schweine und Kühe besuchen, die ein Stück entfernt ihre Weide haben. An diesem Vormittag aber gibt’s besonders spannende Neuigkeiten bei den Hühnern: Acht kleine Küken, sechs gelbe und zwei schwarze, wuseln in ihrem kleinen Gehege in der Frühlingssonne herum.

Sie sind zwischen einer und drei Wochen alt, erzählt Kerstin Geigenbauer – und der Verein hat sie gekauft. Eigentlich wären sie in ihrem Alter am besten bei ihren Müttern aufgehoben, doch den Glucken sei das Glucken in der Massentierhaltung weggezüchtet worden: "Sie legen ein Ei, stehen auf und gehen weg."

Stattdessen kümmern sich nun die Kinder um die kleinen Federknäuel, alle wollen eines in der Hand halten. Kerstin Geigenbauer gibt ihnen Mehlwürmer, die Küken picken sie begeistert aus den Händen der Kinder. Früher, in ihrer eigenen Kindheit, haben die Biologin Kerstin Geigenbauer und ihre Schwester Cora, die Erzieherin mit Zusatzausbildung in tiergestützter Pädagogik ist, selbst das damals teils brachliegende Gelände erforscht. Inzwischen haben sie eigene Familien, sind aber nach wie vor hier verwurzelt. In den vergangenen Jahren haben sie ein Paradies geschaffen, das sie zu einem naturnahen Park erweitern wollen.

Hier grasen Schafe und Ziegen und halten die Fläche in Schuss. Bei Heuaktionen wird Winterfutter für die Tiere gewonnen, während Stadtkinder ein bisschen Landwirtschaft erleben. Bedroht sind die Park-Pläne durch weitere Planungen des Baugebiets Obergrün. Die Vereinsmitglieder wollen möglichst viel bewahren: Zum Beispiel die Wiese, die nie gedüngt wurde, so dass dort der seltene Knollige Hahnenfuß wachsen kann. Und viele andere rar gewordene Pflanzen und Tiere.