Ein Plädoyer gegen neue Bausünden im Westen der Stadt

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 15. August 2011

Freiburg West

Der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde meldet sich mit einem Zwölf-Punkte-Katalog zur Bebauung von "Tränkematten Süd" zu Wort.

BETZENHAUSEN-BISCHOFSLINDE (BZ). Der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde spricht sich nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung der "Tränkematten Süd" aus. "Wir setzen uns aber dafür ein, dass sich das Maß der baulichen Nutzung an dem des unmittelbaren Nachbarbebauungsplanes "Tränkematten" orientiert, und wir legen Wert darauf, dass die Stadtteil- und Lebensqualität nicht negativ beeinträchtigt wird", so Nicolai Bischler, Vorsitzender des Bürgervereins.

"Wir müssen eine weitere ,Bausünde’ in Betzenhausen-Bischofslinde verhindern", vertritt Bischler die Meinung des Bürgervereins. "Tränkematten Süd" und "Obergrün" hätten sich in den vergangenen Jahren zu einem Naherholungsgebiet für Betzenhausen-Bischofslinde entwickelt. Eine Baustraße durch das parkartige Gebiet "Obergrün" beeinträchtige nicht nur Flora und Fauna sondern auch die Nutzung des Gebietes und der anliegenden Kleingärten. Hier haben sich Aktivitäten wie Bachpatenschaften, der Verein "Bauernhoftiere für Stadtkinder" und das Mühlbachbiotop entwickelt, die es unbedingt zu fördern und unterstützen gelte. Der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde fordert die Stadtverwaltung deshalb auf, neben den Interessen des Investors auch die der betroffenen Bürger zu berücksichtigen und einen tragbaren Kompromiss aller Belange zu suchen.

Der Bürgerverein will, dass die Stadtverwaltung bei 12 Punkten nachbessert. So fordert er im Interesse der Gleichbehandlung und einer maßvollen Bebauung auf die aktuelle Geschossfläche einen Abschlag von mindestens 15 bis 19 Prozent vorzunehmen. Nach dem baden-württembergischen Landeswassergesetz sei ein Gewässerschutzstreifen von mindestens zehn Meter Breite vorzusehen. Durch die unzulässige Rodung des Erschließungsgebietes sei die vorhandene Ufervegetation zerstört worden. Der Bürgerverein fordert deshalb, den Mühlbach naturnah auszubauen. Und: mit Realisierung des Baugebietes eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf dem Zubringer Mitte auf Tempo 80 – wegen Lärmschutzes.

Ein neuer Kindergarten wäre Pflicht

Die für dieses Baugebiet erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen sollten in unmittelbarer Nähe im Bereich Obergrün, etwa durch eine weitergehende Renaturierung des Mühlbachs umgesetzt werden. Die geplanten sieben öffentlichen Parkplätze für Besucher reichten bei weitem nicht aus. Hier müssten innerhalb des Baugebietes entlang der inneren Wohnwege weitere öffentliche Parkplätze ausgewiesen werden. Ungeklärt ist für den Bürgerverein die Frage der Müllentsorgung, vor allem, wo 200 Mülltonnen und gelbe Säcke abgestellt werden.

Probleme wirft nach Auffassung des Vereins auch die geplante Baustellenzufahrt von der Bissierstraße zum Vogelnest durch das "Obergrün" auf. Das nämlich sei für den Stadtteil ein fußläufiges, stark besuchtes Naherholungsgebiet. Die Baustraße schaffe eine vielfältige Gefahrenlage. Der Bürgerverein legt Wert darauf, dass entsprechend einem Schreiben von Oberbürgermeister Dieter Salomon vom Februar der Grünstreifen an der Grenze zur vorhandenen Bebauung in vollem Umfang wieder hergestellt und ein ausreichender Abstand zur Neubebauung gewährleistet wird.

Der Bürgerverein hält zum Schutz von Schulkindern Verbesserungen im Bereich von Ricarda-Huch- und Kußmaulstraße für erforderlich, wo Gehwege fehlten.

Im "Obergrün" und in "Tränkematten Süd" kommen laut dem Verein die seltene Zauneidechse, Blindschleichen, Gottesanbeterinnen und auch geschützte Greifvögel vor. Die sich daraus ergebenden Schutz- und Ausgleichsmaßnahmen müssten im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung geklärt werden.

Und auf noch einen weiteren Tatbestand weist der Bürgerverein hin: Das Gelände des "Abreitplatzes" wurde von Rolf Pleuger der Stadt mit der Maßgabe geschenkt, dort einen Kindergarten zu errichten. Bei Kindergartenplätzen bestehe im Stadtteil ein großes Defizit. Entweder einen Kindergarten oder mindestens einen Mehrgenerationenspielplatz zu errichten, lautet die Forderung. Dies würde den Bewohnern des Max-Maier-Hauses zugute kommen ebenso wie älteren Bewohnern und den inzwischen wieder zahlreichen Kindern im Stadtteil.