Vereint im Verein

Im Männergesangsverein Lehen sind Männer noch unter sich

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 08. März 2017

Freiburg West

Solche wie sie sind rar geworden: Der Männergesangverein Lehen hält sich zwar noch wacker, doch der Dirigent Maki Kobayashi ist mit seinen 54 Jahren mit Abstand der Jüngste.

LEHEN. Auch wenn sich viele einstige Männergesangvereine durch ihre Öffnung für Frauen gerettet haben, wollen die Lehener Männer lieber weiter unter sich bleiben – in der Hoffnung, dass das neue Baugebiet Zinklern ihnen vi

elleicht neue, jüngere Mitglieder bringt.

Ein bisschen wirken sie wie aus einer anderen, versunkenen Welt, wenn sie über "Frauen und Wein" singen oder einstimmen in das Volkslied "Du Mädchen vom Lande, wie bist du so schön". Doch den Männern, von denen die meisten über 70 sind, gefällt’s. Sie scharen sich um den Dirigenten und Pianisten Maki Kobayashi, der japanische Wurzeln hat, und ab und zu Anweisungen gibt: "Jetzt bitte ganz weich werden." Ihr Repertoire reicht weit über die alten Männerlieder mit nicht mehr zeitgemäßen Texten hinaus: Auf dem Programm stehen auch Swing, Musicals, lateinische Messen oder Schlager von Udo Jürgens bis Herbert Grönemeyer, sagt Bernhard Schätzle. Er ist Lehens Ortsvorsteher, kam 1968 als 14-Jähriger zum Männergesangverein und blieb. Er betont: Besonders beliebt seien Ohrwürmer und deutsche Texte.

Bernhard Schätzle und sein Bruder Martin Schätzle können sich an Zeiten erinnern, als es altersmäßig noch ganz anders aussah: "Anfang der 1970er lag das Durchschnittsalter um die 30", sagt Bernhard Schätzle. Für die Schätzles gehörte der Eintritt in den Männergesangverein zur Familientradition, auch ihr Vater und Großvater hatten mitgesungen. Martin Schätzle wurde vom Vater gelockt, erzählt er: "Ich war damals 16 und wollte einen Tanzkurs machen. Der Vater wollte mir das nur bezahlen, wenn ich gleichzeitig mit dem Singen beginne."

Sein jüngerer Bruder dagegen kam freiwillig – als 14-Jähriger fand er es toll, von den älteren Sängern als "erwachsen" behandelt zu werden. Dazu kamen und kommen die anderen Vorteile eines Chors: "Singen macht Spaß, hier gibt’s Geselligkeit und Freundschaften und ein soziales Netz, das trägt", sagt Bernhard Schätzle. Das sei vor allem für die inzwischen vielen Älteren wichtig, derzeit ist der Älteste 91 Jahre alt. Nach der Probe gehen immer noch einige etwas Trinken, erzählt der Vorsitzende Günter Meny. Er ist seit 1990 dabei, damals hatte er in Lehen gebaut und kannte höchstens seine Nachbarn. Das hat sich mit dem Männergesangverein grundlegend geändert.

Singen "erleichtert, macht fröhlich und ist sozial"

Rund die Hälfte von ihnen sind Lehener, einige wohnen woanders, so wie Uwe Thomas in Denzlingen oder Rolf Bürgin in Zähringen. Und Walter Kamenzin hat es geschafft, nach 40 Jahren Mitgliedschaft Ehrenmitglied zu werden, ohne jemals mitgesungen zu haben – er war 1969 als 22-Jähriger eingetreten, aber lange passives Mitglied geblieben.

Erst als er vor fünf Jahren in Rente kam, fing er mit dem Singen an und ist begeistert: "Es erleichtert, macht fröhlich und ist sozial." Das Eingebundensein ist den Sängern weit über ihren Verein hinaus wichtig, sie laden zu Konzerten ein, treffen Gastchöre, gestalten das Cyriakfest der katholischen Gemeinde St. Cyriak mit, und alle zwei Jahre die Christmette in der evangelischen Matthäuspfarrei.

Und sie machen Ausflüge – vergangenes Jahr ging’s nach Straßburg, dieses Jahr ist Padua geplant. Oft tun sie sich bei ihren Aktivitäten mit dem Lehener Montagschor – der nur aus Frauen besteht – zusammen, auch beim am 20. Mai geplanten Konzert ist das vorgesehen. Die Zusammenarbeit mit den Frauen klappt prima, trotzdem bleiben sie lieber für sich: unter Männern. Die Schätzle-Brüder hoffen auf Zinklern, darauf, dass aus Neu-Lehenern neue Mitglieder werden.