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15. Januar 2011
Plötzlich war das Geld weg
Vermieterin Gagfah hat weit überhöhte Nachzahlungen abgebucht, obwohl Fehler bekannt war.
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Die erste Version der Nebenkostenabrechung (oben) und die zweite Version (unten) unterschieden sich zum Teil erheblich, weil Vorauszahlungen vergessen worden waren. Foto: Thomas Kunz
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Falsche Nebenkostenabrechnungen haben bei den Mietern im Auggener Weg für Unruhe gesorgt. Foto: Kunz
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Foto: Thomas Kunz
WEINGARTEN. Kurz vor Weihnachten ging’s los: Da haben sich die Mieterinnen und Mieter von 120 Wohnungen im Auggener Weg 2 bis 6 über falsche Nebenkosten-Abrechnungen ihres Vermieters, des Immobilienkonzerns Gagfah, geärgert. Richtig ärgerlich wurde es dann im neuen Jahr – zumindest für diejenigen, die ihre Miete per Einzugsermächtigung abbuchen lassen: Obwohl die Gagfah den Fehler eingeräumt und sich dafür entschuldigt hat, wurden die überhöhten Summen abgebucht. Meist geht es um 200 bis 400 Euro, in einzelnen Fällen sogar um bis zu 1500 Euro.
Für Tatjana L. (Name geändert) war’s ein großer Schreck: Anfang Januar war sie mit ihrem Konto plötzlich mit 250 Euro im Minus. Eigentlich hätte die Gagfah ihr für die Nebenkosten-Nachzahlung für 2009 nur 362 Euro abbuchen dürfen. Doch weil die Gagfah bei Tatjana L. und allen anderen Mietern der 120 Wohnungen Vorauszahlungen "vergessen" hatte, fehlten zusätzlich 372 Euro. Für sie war das eine mittlere Katastrophe: Sie muss mit ihrem Sohn mit Arbeitslosengeld II und einem Taschengeld von ihrem Zwei-Euro-Job über die Runden kommen.Werbung
Ähnlich knapp ist die finanzielle Situation bei den meisten anderen Mietern im Auggener Weg, von denen viele arbeitslos sind oder ein geringes Einkommen oder eine kleine Rente haben. Da war gut dran, wer, wie Agathe H., der Gagfah keine Einzugsermächtigung gegeben hat, sondern lieber überweist. Sonst hätte es auch bei ihr böse ausgesehen: Bei ihr hatte die Gagfah sogar ein Guthaben von 816 Euro nicht berücksichtigt und insgesamt 1669 Euro Nachzahlung gefordert. Ein Batzen Geld, für den die Arge so oder so nicht aufkommt, obwohl Agathe H. mit ihrem Mann und Sohn von Arbeitslosengeld II lebt. Doch bei den Nebenkosten gelten Pauschalen. Was drüber liegt, müssen die Mieter aus ihren eigentlich zum sonstigen Leben gedachten Regelsätzen selbst finanzieren. Agathe H. knabbert noch an den Folgen der Nebenkosten-Nachzahlung von 2008 und zahlt jeden Monat mit 100 Euro aus ihrem Regelsatz einen Kredit bei der Arge ab. Als Mitte Dezember die neue hohe Nachzahlungs-Forderung kam, war sie zunächst schockiert. Nachdem die Mieter mit Unterstützung der Quartiersarbeit den Fehler feststellten und der Immobilienkonzern nach einem Anruf der Sozialarbeiter am 21. Dezember korrigierte Briefe an alle Mieter verschickte, war die Sache für sie allerdings vom Tisch. Doch wo eine Einzugsermächtigung vorlag, wurden zum 1. Januar trotzdem die überhöhten Summen abgebucht.
Der Computer habe die Stornierung nicht angenommen, erklärt die Gagfah-Sprecherin Bettina Benner auf Anfrage der BZ. Sie verweist – wie ihre Kollegen im Gespräch mit den Quartiersarbeitern – darauf, dass die Mieter die fehlerhafte Abbuchung per Rücklastschrift bei ihrer Bank zurückbuchen lassen können. Die Bitte der Sozialarbeiterin Gerlind Heckmann an die Gagfah, die überhöhten Beträge sofort selbst zurückzuerstatten, kommt der Konzern nicht nach. Ohne Rücklastschrift soll erst im Februar bei der nächsten Abbuchung der Ausgleich erfolgen. Tatjana L. hat sich ihr Geld zurückgeholt, doch laut einiger Mieter haben das nicht alle getan. Sie erzählen unter anderem von einer Rentnerin, die schlecht Deutsch spricht und vor dem Gang zur Bank zurückschreckt. Sie habe nichts mehr auf dem Konto und wisse nicht, wie sie durch die nächsten Wochen komme.
Der Abrechnungsfehler ist nur einer von vielen Punkten, über den sich die Mieter der Gagfah im Auggener Weg ärgern. Sie kritisieren generell hohe Nebenkosten – die auch Folge von seit Jahren kaputten Fenstern sind – und für sie nicht nachvollziehbare Abrechnungen, insbesondere bei den großen Summen für zusätzliche Müllentsorgung.
Autor: Anja Bochtler


