Skepsis gegenüber Dietenbach-Plänen

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Sa, 17. März 2018

Freiburg West

Vor allem wegen wegfallender landwirtschaftlicher Flächen stimmt nur die Hälfte von Lehens Rat zu.

FREIBURG-LEHEN. Bei den Planungen für den neuen Stadtteil Dietenbach stehen die nächsten Schritte an, über die der Gemeinderat entscheiden muss. Auch der Lehener Ortschaftsrat darf mitreden, weil ein Teil der Fläche auf Lehener Gemarkung liegt. Das Gremium sieht die Bebauung durchaus kritisch – bei den Abstimmungen in der jüngsten Sitzung votierte die Hälfte der Ortschaftsräte mit Nein oder enthielt sich. Weitere Themen waren ein Fitnessgerät für Senioren, ein Kunstobjekt an der Haltestelle Paduaallee und die Verschiebung der Gemarkungsgrenze.

Beim neuen Stadtteil Dietenbach musste der Ortschaftsrat über zwei Informationsvorlagen der Stadtverwaltung abstimmen: über den nächsten Schritt im städtebaulichen Wettbewerb sowie über den Sachstand beim Kooperationsmodell mit der Sparkasse (die BZ berichtete) und beim Ersatzland für die Landwirte. Für die Bebauung von Dietenbach fallen knapp 80 Hektar landwirtschaftliche Fläche weg – für rund die Hälfte habe die Stadtverwaltung inzwischen Ersatz gefunden, berichtete Rüdiger Engel, der Leiter der städtischen Projektgruppe Dietenbach. Während Sigrun Löwisch (Freier Wählerbund Lehen, FWL) lobte, dass das Rathaus auch für die Pächter alternative Flächen suche, kritisierte Martin Gnädinger (Zukunft Lehen) den "Verdrängungswettbewerb für die Landwirte", den die Bebauung von Dietenbach auslöse. Wenn das Ackerland erst einmal vernichtet sei, könne es nicht mehr zurückgewonnen werden. Auch ansonsten seien viele Punkte von der Infrastruktur bis zur Lärmproblematik noch ungeklärt: "Ich kann mich mit den Planungen nicht anfreunden." Ähnlich äußerten sich Sabine Lutz-Bonengel (Freie Bürgervereinigung Lehen, FBL) und Thomas Braun (FWL). Gerda Strecker (FBL) und Walter Kamenzin (FWL) fragten zudem kritisch nach, ob in dem neuen Baugebiet tatsächlich bezahlbarer Wohnraum entstehen wird.

Bis zum Baubeginn für den neuen Stadtteil dauert es noch mindestens bis zum Jahr 2022. Aber schon jetzt gibt es vorbereitende Arbeiten. Von Mitte März bis Mitte April werde ein Vermessungsteam auf dem Gelände unterwegs sein, kündigte Ortsvorsteher Bernhard Schätzle (FWL) an. Und im kommenden Jahr werde der Ausbau des Dietenbachs beginnen, sagte Rüdiger Engel. Der Bach muss wegen des Hochwasserschutzes ein breiteres Gewässerbett bekommen.

Beschlossen hat der Ortschaftsrat in der Sitzung zudem, dass er für knapp 6000 Euro ein Fitnessgerät für Senioren anschafft. Der "Beintrainer", den zwei Menschen gleichzeitig nutzen können, wird im Umfeld der Bundschuhhalle aufgestellt. Er soll den Auftakt bilden für den dort geplanten kleinen Senioren-Fitness-Parcours. Außerdem sind im Etat des Ortschaftsrates wiederum 200 Euro Zuschüsse für private Obstbaumpflanzungen vorgesehen – auch wenn in den vergangenen Jahren die Mittel nie ausgeschöpft wurden.

Ortsvorsteher Schätzle informierte die Räte zudem darüber, dass an der Straßenbahnhaltestelle an der Paduaallee ein Kunstobjekt aufgestellt wird. Er habe diesen Standort für die drei Meter hohe Plastik vorgeschlagen, da es sich um ein Geschenk aus Freiburgs Partnerstadt Padua handle, da biete sich die Paduaallee an, meinte Schätzle. Die Straße bildet zukünftig übrigens auch juristisch die Grenze zum Nachbarstadtteil Betzenhausen-Bischofslinde, so wie dies in der Realität schon der Fall ist. Die offizielle Grenze lag bislang jedoch mal östlich und mal westlich der Straße. Dies sei nun im Grundbuch angepasst worden, berichtete Schätzle. Verzögerungen gibt es bei den neuen unterirdischen Glascontainern an der Bundschuhhalle: Diese sollten bereits im Februar eingebaut werden, nun wird es April.
Dauer: 95 Minuten.
Teilnehmer: alle zwölf Räte.
Zuhörer: vier.