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04. August 2010
17 Etagen Hochtechnologie
Das weltweit erste Passivhochhaus in Weingarten-West: Ende dieses Jahres soll es fertig sein.
Freiburgs Vorzeigeprojekt in Sachen Passivhausbauweise nimmt Form an: Ende des Jahres soll das erste Passivhochhaus der Welt, das inzwischen 17-stöckige Gebäude der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Stadtbau in Weingarten-West, fertig saniert sein. Im Januar oder Februar 2011 werden dann die ersten Mieter einziehen können.
Sieht doch ganz normal aus hier: Drei Zimmer, Küche, Bad, alles bereits hell geweißelt, Linoleumboden, und an der Wand hängt der noch nicht ausgepackte Heizkörper. Moment mal, Heizkörper? Braucht man in einem Passivhaus doch gar nicht. Stimmt eigentlich. "Aber bei 139 Wohnungen haben die Mieter völlig unterschiedliche Bedürfnisse" erklärt Thomas Senrich, der für die Haustechnik zuständig ist. Das heißt: Zwar wird es in den Wohnungen auch ohne Heizung warm, aber wenn jemand zum Wohlfühlen mehr Hitze braucht, soll er die Heizung aufdrehen können. Nur ein kleines Beispiel von vielen, was bei so einem Pilotprojekt bedacht werden muss.Seit August 2009 wird das Hochhaus aus den 1960er Jahren für 13,4 Millionen Euro auf den neuesten technischen Stand gebracht. Rund 1 Million Euro schießt das Bundeswirtschaftsministerium zu. "Das geht nur mit solchen Zuschüssen", sagt Stadtbau-Geschäftsführer Ralf Klausmann. Das Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme (ISE) steuert eine wissenschaftliche Analyse bei: Weingarten-West als Beispiel dafür, wie man alte und vor allem hohe Gebäude energetisch sanieren kann – ein Thema, das auch in anderen Städten auf Interesse stoßen dürfte.
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Wärmegedämmt und luftdicht mit dreifach verglasten Fenstern wird das sanierte Hochhaus sein. Auf den ursprünglich 16 Stockwerken sitzt jetzt eine weitere Etage voll mit Haustechnik. Dort ist auch ein Wärmetauscher eingebaut, der im Winter minus zehn Grad kalte Luft einsaugt, diese mit der warmen Abluft des Hauses vorerwärmt und mit dann 16 Grad in die Wohnungen leitet – hier wird dann der Rest zugeheizt. Und natürlich hat das neue Passivhochhaus keine "Wärmebrücken" mehr, also Teile am Haus, durch die Energie ungenutzt entfliehen kann. Bauleiter Josef Adriani zeigt zur Illustration ein weißes Stück Filz, das hinter den Rolladenkästen angebracht wird und diese heikle Stelle dämmt: "Nanotechnologie aus der Raumfahrt, acht mal so teuer wie herkömmliche Materialien."
Die künftigen Mieter muss das nicht erschrecken. Es ist nicht kompliziert, in einem Passivhaus zu wohnen, das werden ihnen die "Sparfüchsinnen", die 15 extra ausgebildeten Beraterinnen der Stadtbau schon erklären. Weil die Wohnungen kleiner werden und der Energieverbrauch drastisch sinkt, liegt die Kaltmiete bei 4,82 Euro pro Quadratmeter, dazu kommen 1,85 Euro Mietzuschlag abzüglich 51 Cent Einsparung bei Heizkosten. Interessenten gebe es bereits viele, sagt Stadtbau-Projektleiterin Renate Bräu, allerdings wollen nur sieben der 96 ehemaligen Mieter wieder einziehen – zwei Umzüge innerhalb kurzer Zeit, das war den meisten Mietern wohl zu viel. Die neuen Mieter werden eine Concierge sowie Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss haben, auch drei soziale Institutionen sind dort zu finden. Das nächste Groß-Sanierungsprojekt wartet um die Ecke: Im Binzengrün 9 soll das Hochhaus zum Mehrgenerationenhaus werden – sofern das Bundeswirtschaftsministerium weiterhin Zuschüsse bewilligt.
Autor: Simone Lutz


