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03. Juli 2017

Benefizveranstaltung

24-Stunden-Rennen in Freiburg: Das Wetter trübt den Laufspaß

24 Stunden lang liefen 38 Teams im Seepark für den guten Zweck: Wie ist das eigentlich? – ein Selbstversuch im Nieselregen.

  1. Der Staffelstab wird präzise weitergegeben. Foto: Rita Eggstein

  2. Runde um Runde für Kinderrechte (linkes Foto): bei schlechtem Wetter kein leichtes Unterfangen. Für die SPD schnürte Familienministerin Katarina Barley (links, mit Bürgermeisterin Gerda Stuchlik und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Gernot Erler) die Laufschuhe. Foto: Fotos: Rita Eggstein

  3. Foto: Rita Eggstein

Der Rekord aus dem Vorjahr konnte beim 24-Stunden-Lauf für Kinderrechte an diesem Wochenende nicht geknackt werden. Zum einen waren zehn Teams weniger am Start, zum anderen dezimierte das Regenwetter einige Gruppen, die dadurch nicht ganz so viele Runden laufen konnten. Insgesamt kamen die 38 Teams auf 24 723 Runden, das bedeutet mehr als 35 000 Euro Spenden für Kinder- und Jugendprojekte. BZ-Mitarbeiterin Daniela Frahm ist am Sonntag einige Runden mitgelaufen.

Als ich auf das Seeparkgelände komme, nieselt es noch. Das ist aber nichts im Vergleich zu den Regenfällen der vergangenen Nacht, die einigen den Spaß am 24-Stunden-Lauf etwas getrübt haben. Dazu zählt auch Extremläuferin Brigid Wefelnberg, die ich bei einer Kaffeepause treffe. Sie ist wie üblich allein auf der 400 Meter langen Tartanbahn unterwegs. 250 Runden hat sie seit Samstag, 16 Uhr, schon hinter sich, auf 300 will sie insgesamt kommen. "Das Sommerfeeling fehlt, alle hocken in ihren Zelten", bedauert Wefelnberg, die ein bisschen gehandicapt ist, weil sie sich vor ein paar Wochen bei einem Lauf in Australien eine Rippe angebrochen hat. Trotzdem geht es für sie immer weiter. "Bloß nicht zu lange Pause machen, sonst fällt es noch schwerer."

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Ich treffe mich um 10 Uhr mit Volker Schneider. Der Wirt vom Gasthaus Goldener Anker hat seinen Nachbarn vom Vollrath-Hermisson-Haus (VHH), einer Anlaufstelle für Haftentlassene, läuferische Unterstützung zugesagt. Nachts haben Kellner das Team unterstützt, jetzt sind wir dran. Schneider geht seit einigen Wochen regelmäßig laufen und hat schon etliche Kilo dadurch verloren. Nach der ersten Runde merkt er allerdings, dass er vielleicht mit zu großem Ehrgeiz gestartet ist und wir drosseln das Tempo. Bei einigen, die hier ordentlich Runden und Spenden sammeln, könnten wir sowieso nicht mithalten. Das Albert-Schweitzer-Gymnasium, die "Leistungsdiagnostik.de" und das Polizeipräsidium Freiburg sind ehrgeizig und nehmen ihren Einsatz für die gute Sache ernst. Sie führen in der Rundenstatistik.

Sportlich im Mittelfeld, dafür stimmungsmäßig an der Spitzenposition ist eindeutig die Breisgauer Narrenzunft (BNZ), aus deren Zelt laute Musik dröhnt. Gleich bei der ersten Teilnahme dürften die 17 Zünfte das größte Team gestellt haben. "Die waren auch nachts nicht kaputt zu kriegen", erzählt Thomas Barth von der "Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe" (FWTM), die wie im Vorjahr Hauptorganisator ist. "Die haben einen Regentanz gemacht und eine Polonäse." Am Samstagnachmittag hatten sie zudem prominenten Besuch. Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) lieh sich bei einer Läuferin Schuhe und beim Fraunhofer Institut ein Trikot und lief damit eine Runde. Darunter schaute ihre schicke schwarze Kleidung hervor, da sie direkt von der Trauerfeier für Altkanzler Helmut Kohl nach Freiburg gekommen war.

Mit der Wetterbesserung am Sonntagvormittag hebt sich auch wieder die Laune. Ich habe mir meinen Einsatz optimal ausgesucht. Es ist trocken und die Temperaturen sind angenehm zum Laufen. Nachdem ich mit dem Staffelstab einige Runden zurückgelegt habe, gebe ich ihn weiter. Das VHH-Team hat genügend motivierte Läuferinnen und Läufer. Volker Schneider und ich machen uns deshalb auf die Suche nach einer Gruppe, die noch Hilfe gebrauchen kann. Und wir werden schnell fündig.

Im Zelt der FDP herrscht Leere. Erik Gundlach dreht seit morgens einsam seine Runden und ist froh, dass er mal eine Pause machen, etwas trinken und eine Banane essen kann. Die Nachtschicht haben sich – wie bei manchem anderen Team – zwei Personen geteilt. "Die sind dann aber auch mehr gegangen als gelaufen", erzählt Gundlach. "Respekt, dass sie trotzdem immer dabei sind, das hat die CDU diesmal gar nicht geschafft", sagt Joachim Fritz von der Freiburger SPD, die ihre Wechselstation genau gegenüber hat. Inzwischen ist aber auch die FDP wieder breiter aufgestellt in Form von Bundestagskandidat Felix Fischer und zwei weiteren Unterstützern.

Deshalb drehen wir zum Abschluss doch noch ein paar Runden für das VHH-Team, gönnen damit anderen Zeit zum Durchschnaufen. Volker Schneider ist jetzt geradezu infiziert: "Das macht richtig Spaß." Doch er muss zurück in sein Restaurant und ich an den Schreibtisch.

Autor: laf