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08. Mai 2015 17:38 Uhr

Justizvollzugsanstalt

70 Häftlinge in Freiburg im Hungerstreik

Rund 70 Insassen der Justizvollzugsanstalt Freiburg verweigern die Nahrungsaufnahme. Angeblich, weil in der Gefängnisküche ein Homosexueller arbeitet. Das Justizministerium sucht fieberhaft nach einer Lösung.

  1. Die JVA Freiburg, Schauplatz eines Machtkampfes zwischen Insassen und der Gefängnisleitung. Foto: dpa

  2. In der JVA-Küche – das Bild entstand während eines Theaterprojekts im Freiburger Gefängnis. Foto: kunz

Rund 70 Häftlinge in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Freiburg verweigern seit einigen Tagen die Essensaufnahme. Dies hat das baden-württembergische Justizministerium am Freitagnachmittag der Badischen Zeitung bestätigt. Genau definieren lässt sich die Gruppe der Hungerstreikenden nicht, einziges gemeinsames Merkmal ist offenbar, dass es sich überwiegend um Russlanddeutsche handelt.

"Wir behalten das natürlich ganz genau im Auge, auch die gesundheitliche Verfassung der Gefangenen", sagte Steffen Ganninger, Sprecher des Justizministeriums. Es gebe eine intensive Kontrolle des Zustandes jedes einzelnen Häftlings, auch durch Anstaltsärzte. Die Essensverweigerung werde für jeden einzelnen Gefangenen nach allen drei Tagesmahlzeiten erfasst. Einen Grund zur Besorgnis gebe es derzeit nicht.

Von einem Hungerstreik will das Justizministerium explizit nicht sprechen. Die JVA-Leitung schließe nicht aus, dass die Häftlinge Nahrung zu sich nehmen, indem sie heimlich im Anstaltsverkauf Essen einkauften. Ob dies tatsächlich der Fall ist, konnte der Ministeriumssprecher jedoch nicht sagen.

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Mit dem Hungerstreik begonnen hatten am 1. Mai zunächst 40 Häftlinge. Nach und nach wuchs die Gruppe an. Die Gründe für die Verweigerung der Nahrungsaufnahme liegen im Dunkeln. "Nach unserer vorläufigen Einschätzung könnte es sich um eine Machtdemonstration handeln", sagte Ministeriumssprecher Ganninger. Gegenüber der JVA-Leitung habe die Gruppe angegeben, sie protestiere dagegen, dass ein Homosexueller in der Anstaltsküche arbeite. Ein sicherungsverwahrter Häftling teilte der BZ indes mit, dass es ein Insasse in der Gefängnisküche mit der Hygiene nicht so genau nehme.

Angeblich drohten die Gefangenen mit Aufstand

Man überlege eine Lösung, es gebe aber keinen akuten Handlungsbedarf, so Ganninger. Nachgedacht werde darüber, ob Mitwirkende des Hungerstreiks in den nächsten Tagen in andere Anstalten verlegt werden."Es ist aber noch keine Entscheidung gefallen."

Ein Häftling behauptete gegenüber der BZ, dass zahlreiche Gefangene am vergangenen Dienstag gedroht hätten, nach der Hofstunde nicht mehr ins Gebäude zurückzukehren. Daraufhin seien alle Häftlinge nach der Arbeit am Vormittag in ihre Zellen gesperrt, die Arbeitsbetriebe für den Nachmittag geschlossen und alle Sport- und Freizeitgruppen ersatzlos gestrichen worden, auch am Mittwoch. Die Sicherungsverwahrten durften nicht in den Hof. Weder JVA-Leiter Harald Egerer noch sein Stellvertreter Gerhard Maurer-Hellstern waren am Freitag für eine Stellungnahme zu haben.

Im November hatte ein 51 Jahre alter Häftling einen Hungerstreik nach einer Woche beendet. In der JVA Bruchsal war im vergangenen Jahr ein Häftling verhungert. Dies führte zu heftigen Debatten und Kritik an der Anstaltsleitung.

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Autor: Frank Zimmermann