Gedenken

"Alexis Sorbas"-Autor starb vor 60 Jahren in Freiburg

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Do, 26. Oktober 2017

Freiburg

In Kreta wird dieser Tage mit diversen Feierlichkeiten des größten neuzeitlichen griechischen Schriftstellers Nikos Kazantzakis gedacht: Er starb am 26. Oktober 1957 - in Freiburg. Hier aber hält sich das Erinnern in Grenzen.

Anders als in seinem Geburtsort auf Kreta ist der Schriftsteller Nikos Kazantzakis in Freiburg fast nur noch mit seinem weltweit größten Erfolg präsent: "Alexis Sorbas", der lebenskluge Roman, der mit Anthony Quinn verfilmt und Oscar-gekürt wurde. Dass Alexis Sorbas’ Schöpfer Nikos Kazantzakis am 26. Oktober 1957 ausgerechnet in Freiburg gestorben ist, taugt fast nur zur Randnotiz. Und während der bis heute populäre Schriftsteller 60 Jahre nach seinem Tod auf Kreta geehrt wird, zuckt man an seinem Sterbeort die Schultern.

Auf Nachfrage bei der Stadt, ob und wie Nikos Kazantzakis’ Aufenthalt und Ableben in Freiburg recherchiert und dokumentiert sei, ist nur zu erfahren, beides sei bekannt, aber mehr auch nicht. Seitens der Stadt ist die Einschätzung: Jemand, der einige Tage lang todkrank in Freiburg war und dann hier starb, muss nicht speziell Erwähnung, gar Gedenken finden, zumal dann, wenn sein literarischer Ruhm in Deutschland nur auf den einen Roman beschränkt ist.

Tatsächlich muss Kazantzakis mehrfach in Freiburg gewesen sein. Er litt unter Leukämie und wurde vom Hämatologen Max-Hermann Hörder an der Uniklinik behandelt. Warum in Freiburg? Er war gut vernetzt in Berlin und Heidelberg, hier wie dort hätte er gute Fachärzte gefunden. Die Antwort aus der Uniklinik: Zu Nikos Kazantzakis langer Erkrankung und zu der Erkrankung, an der vermutlich im Oktober 1957 starb, lässt sich nichts mehr herausfinden. Stadt und Uniklinik scheinen ähnlich uninteressiert an weiteren Nachforschungen.

In Kazantzakis-Biografien wird berichtet, der griechische Autor habe sich auf einer längeren Chinareise mit einer asiatischen Grippe infiziert, von der er nicht habe kuriert werden können. Dass er – schwer krank – nach seiner Rückkehr aus China von Berlin kommend den Freiburger Max-Hermann Hörder aufsuchte, macht doppelt Sinn: Hörder war nicht nur Hämatologe, sondern auch Tropenmediziner. Und es muss ein enges Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient bestanden haben: Auf einer Postkarte aus China versichert Kazantzakis dem "verehrten lieben Doktor Hörder", "ich denke an Sie mit tiefer Freundschaft".

Von Liebe und inniger Freundschaft erzählt auch der Roman "Alexis Sorbas", den Kazantzakis 1946 schrieb – und der seit 1965 auch als Film zu den ganz großen Klassikern zählt. Auch Freiburger Buchhandlungen führen folglich den Longseller "Alexis Sorbas" im Sortiment, erklärt Lena Frey, Buchhändlerin bei Rombach, auch die DVD werde oft verlangt. Dass der großartige Film bis heute volle Kinos bringt, weiß auch Ludwig Ammann, Kinobetreiber in den Friedrichsbau und Harmonie-Kinos: Erst im August sorgte "Alexis Sorbas" im Sommernachtskino für eine ausverkaufte Vorführung.

1957 hat übrigens ein Freiburger Archäologiestudent sehr eindrücklich mitbekommen, dass der griechische Schriftsteller in Freiburg gestorben war: Christian Strahm, Archäologe im Ruhestand, reiste zufällig nach Ausgrabungen Ende Oktober 1957 mit der "Angelika" von Athen nach Chania auf Kreta. Auf dieser Fahrt wurde Nikos Kazantzakis Leichnam in seine Heimat überführt.

Dort – auf Kreta – schaut man aufmerksam nach Freiburg, berichtet Rita Brüggen, die lange auf Kreta gelebt hat: "Ich werde oft gefragt, wie wird wohl in Freiburg unseres größten Autors gedacht?"