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04. Oktober 2010

Alles im Blick beim Sehtag im Seepark

Von der Live-OP bis zum Sockensortierer: Die Augenklinik hat rund ums Thema Sehen informiert.

  1. Viele Besucher nutzten den Infotag für einen Test. Foto: Michael Bamberger

Ob mit leichter Lesebrille oder Blindenabzeichen: Geschätzte 1000 Augenpaare guckten sich um am Samstag beim Sehtag im Seepark. Eingeladen hatte die Universitäts-Augenklinik. An 23 Ständen klärten Ärzte und Vereine, Krankenkassen und Selbsthilfegruppen über Volkskrankheiten, neue Behandlungsmethoden und kuriose Sehphänomene auf. Zu den Höhepunkten gehörten die Live-Operationen an Schweineaugen aus dem Schlachthof.

Augenarzt Thomas Neß (46) zeigt live, wie die Augenkrankheit Grauer Star operiert wird. "Die eigene Linse wird durch eine Kunststofflinse ausgetauscht", erklärt er. Die Gefahr einer Abstoßung liege unter einem Prozent. Solch ein Eingriff dauert maximal 15 Minuten pro Auge. In der Augenklinik in Freiburg werden pro Jahr rund 4000 solcher Eingriffe vorgenommen, viele betreut von Thomas Neß. "Toll an der Operation ist, dass der Patient in der Regel keine Schmerzen hat und bereits am nächsten Tag wieder klar sehen kann." Die Besucher des Sehtags sind von der Live-OP begeistert, der siebenjährige Dominik assistiert Thomas Neß sogar.

Dessen Stand ist für Marianne Moll, eine Frau mit graumeliertem Haar und Lachfältchen um die Augen, die richtige Anlaufstelle. Seit drei Jahren war die 69-Jährige nicht mehr beim Augenarzt. Dabei wäre das dringend notwendig, sie leidet unter Grauem Star und sieht oft verschwommen. "Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, dann grüße ich jeden freundlich, auch wenn ich nicht jeden gleich erkenne", scherzt sie. Doch der Alltag ist nicht leicht und Moll weiß, dass sie sich früher oder später operieren lassen muss. Beim Sehtag hat sie jedes Gerät ausprobiert, auch das Spiegelmikroskop, das Aufschluss über den Zustand der Hornhaut gibt. Ihre ist gesund. "Das ist sehr beruhigend zu wissen."

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Professor Michael Bach (60) leitet in der Augenklinik die Sektion Funktionelle Sehforschung und hat den Sehtag organisiert – weil die Klinik renoviert wird, diesmal im Seepark. Bach präsentiert Sehphänomene und optische Täuschungen. Die Idee sei, dass jeder sein eigenes Sehen besser kennenlernt. Insgesamt 15 Phänomene stellt er vor, sein liebstes ist das der Schachbrettschattentäuschung. "Ein Junge war von den Demonstrationen so begeistert, dass er sie nach kurzer Zeit selbst vorzeigte und anderen erklärte."

Mischa Knebel (38) ist Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehinderten-Vereins Südbaden und stellt an seinem Stand große und kleine Alltagshelfer vor. Dazu gehören sprechende Uhren, die auf Knopfdruck die Zeit ansagen, ebenso wie Fieberthermometer oder Personenwaagen. "Das funktioniert im Prinzip bei jedem Gerät, das ein Display hat." Kurios klingt es, wenn Knebel vom Sockensortiergerät spricht: "Die Socken werden paarweise daran aufgehängt, so dass sie beim Waschen nicht durcheinandergeraten."

Mischa Knebel ist selbst blind. Als Frühchen bekam er im Brutkasten zu viel Sauerstoff, was seine Netzhaut schwer beschädigte. Ihm hilft im Alltag am meisten der weiße Stock: "Er ist das A und O, um mobil zu sein. Ohne ihn wäre ich draußen völlig orientierungslos."

In den Seepark sind auch Frank und Sabine Lindinger gekommen – gezielt: Ihre 15 Monate alte Tochter Maren hat Probleme mit den Augen, sie ist weitsichtig und muss seit zwei Monaten eine 6,5 Dioptrien starke Brille tragen. Kein Zuckerschlecken für die Kleine. "Maren trägt sie vor allem, wenn es was zu schauen gibt," sagt ihre 33-jährige Mutter. Ansonsten reißt Maren sich die Brille auch gerne mal von der Nase. Die Familie will sich über unentdeckte Sehfehler bei Kindern informieren. "Vielleicht gibt es ja eine Alternative zur Brille," hofft Sabine Lindinger.

Autor: Judith Köhler