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18. Januar 2017 09:04 Uhr

Urteil

Amtsgericht verurteilt 27-Jährigen wegen schwerer sexueller Nötigung auf Club-Toilette

Ein 27-Jähriger hat sich in einem Freiburger Club gegenüber einer jungen Frau als Drogenfahnder ausgegeben und sie sexuell belästigt. Das Amtsgericht Freiburg sprach den Mann der schweren sexuellen Nötigung für schuldig.

  1. Auf der Toilette eines Clubs belästigte der Mann die junge Frau schwer (Symbolbild). Foto: VRD - Fotolia

Ein 27-Jähriger gab sich als Kriminalbeamter aus und durchsuchte eine junge Frau in der Toilettenkabine eines Freiburger Clubs. Dabei hat er sich sexuell an ihr vergangen. Das Amtsgericht verurteilte den Mann nun zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung – wegen Amtsanmaßung und sexueller Nötigung in einem besonders schweren Fall. Während die Staatsanwaltschaft ihm Vergewaltigung vorgeworfen hatte, sah die Kammer unter Richter Andreas Leipold das nicht als erwiesen an.

Auf der Clubtoilette gab der Mann vor, Kriminalbeamter zu sein

Der Vorfall liegt bereits zwei Jahre zurück. In der Verhandlung am Montag hat der Kosovare, der in Freiburg aufgewachsen ist und als Berufskraftfahrer arbeitet, ein Teilgeständnis abgelegt. Seine Version: Die gleichaltrige Frau hat ihm auf der Männertoilette eines Clubs, der mittlerweile geschlossen hat, Drogen angeboten. Die beiden kannten sich nicht. Daraufhin ging er mit ihr in eine Kabine und gab sich als Kriminalbeamter von der Drogenfahndung aus. Sie ließ das zu, öffnete ihre Handtasche, später sogar ihre Hose – und er fasste ihr in die Unterhose. Kurz darauf soll ein Bekannter die junge Frau gesucht haben, die es schaffte, die Kabine zu verlassen und einen Türsteher zu informieren. Drogen hatte die Frau nicht dabei.

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"Ich wollte ihr einfach Angst machen."Der Angeklagte
Bei der Aussage der 27-Jährigen, die von der Beratungsstelle Frauenhorizonte begleitet wurde, war die Öffentlichkeit ausgeschlossen, ebenso bei den Plädoyers. Gegenüber der Polizei hatte die Frau laut Richter Andreas Leipold angegeben, dass sie sich in der Männertoilette befand, weil sie sich mit einem Bekannten ungestört unterhalten wollte. Der bestätigte ihre Aussage vor Gericht und berichtete – wie auch einige Polizeibeamte –, dass die 27-Jährige nach dem Vorfall "sehr aufgelöst" gewesen sei.

Die Version des Opfers geht noch weiter: Der Mann soll – nachdem er sie im Intimbereich abgetastet hatte – gedroht haben, wenn sie nicht mit ihm Sex habe, würde er sie mit aufs Polizeirevier nehmen. Da soll sie um Hilfe gerufen haben.

Leipolds Frage, ob er das alles aus sexuellen Beweggründen gemacht habe, verneinte der Angeklagte. "Ich wollte ihr einfach Angst machen." Beim Richter hinterließ er keinen guten Eindruck, wie dieser in seiner Urteilsverkündung sagte. "Sie haben nur das zugegeben, an dem eh nicht mehr zu rütteln ist." Seine Angaben seien "wechselhaft". Das Opfer hingegen stufte Leipold als sehr glaubwürdig ein.

"Was Sie gemacht haben, ähnelt einer Vergewaltigung." Richter Andreas Leipold
Strittig blieb die Frage, wie genau die sexuellen Handlungen abgelaufen sind. Da konnte auch eine forensische Untersuchung des Vaginalsekrets der Frau und der Haut des Angeklagten nicht weiterhelfen. "Was Sie gemacht haben, ähnelt einer Vergewaltigung", sagte Leipold zum Angeklagten. "Sie haben auf schwerwiegende Art und Weise in das Leben eines anderen Menschen eingegriffen." Das Schöffengericht verurteilte den 27-Jährigen, der 2000 Euro Schmerzensgeld an sein Opfer zahlen muss, schließlich wegen sexueller Nötigung in besonders schwerem Fall. Anhaltspunkte für Gewalt sah das Gericht nicht. Vielmehr habe der Angeklagte das Überraschungsmoment genutzt und die Frau getäuscht, indem er vorgab, Polizist zu sein.

Strafmildernd, so Leipold, wirke sich das Teilgeständnis aus – selbst wenn der Mann es nur aus prozesstaktischen Gründen abgegeben haben sollte. Ebenso habe er von der Frau abgelassen, als sie die Kabine verlassen wollte. "Es wäre ein Leichtes für Sie gewesen, sie aufzuhalten", sagte der Richter. Das Urteil werde zur Bewährung ausgesetzt, weil "wir nicht glauben, dass sie eine weitere Straftat begehen werden". Der Mann war zwar wegen Körperverletzung und einem Fahrverbot schon polizeilich aufgefallen, nicht aber wegen Sexualdelikten.

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Autor: Sina Gesell