Provisorium

An Freiburgs Synagogenbrunnen stehen jetzt neue Hinweistafeln

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Mi, 22. August 2018 um 17:57 Uhr

Freiburg

Die Freiburger Stadtverwaltung fordert die Besucher des Brunnens zu respektvollem Verhalten auf. Eine geplante digitale Infostele soll später kommen – und die analogen Provisorien ersetzen.

Die Stadtverwaltung hat am Mittwoch drei Hinweistafeln beim Gedenkbrunnen am Platz der Alten Synagoge aufstellen lassen. Darauf ist ein Foto der 1938 von den Nazis zerstörten Synagoge zu sehen, die dort stand, wo jetzt der Gedenkbrunnen ist. Außerdem ist auf den Tafeln zu lesen: "Dieser Brunnen ist ein Ort der Erinnerung. Der Grundriss der niedergebrannten Synagoge erinnert an die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten Freiburgerinnen und Freiburger jüdischen Glaubens. Wie danken Ihnen für einen respektvollen Umgang und das Nichtbetreten des Brunnens."

"Mit diesen Informationen möchten wir die Bedeutung des Brunnens als Ort der Erinnerung bewusster machen", sagt Rathaussprecherin Martina Schickle. Der neu gestaltete Platz der Alten Synagoge wird seit seiner Eröffnung vor einem Jahr sehr gut angenommen. Viele Leute nehmen allerdings die Wasserfläche, deren Form nach dem Grundriss der zerstörten Synagoge gestaltet wurde, nicht als Erinnerungsort wahr, sondern als Planschbecken.

Hitzige Debatte

An schönen Sommertagen waten dort Kinder, aber auch Erwachsene durch das knöchelhohe Wasser, Hunde tollen im Becken, manche Leute haben auch schon Badetücher mitgebracht und sich neben dem Erinnerungsort gesonnt.

Daraufhin war eine hitzige öffentliche Diskussion über die Bedeutung von Mahnmalen und die Gestaltung des Platzes entbrannt. Auch die jüdischen Gemeinden monieren den respektlosen Umgang mit der Gedenkstätte. Ein Verbot, den Brunnen zu betreten, will die Stadtverwaltung jedoch nicht aussprechen, das betonte Schickle am Mittwoch noch einmal. "Wir setzen auf den Diskurs über den Umgang am Brunnen."

Wie angekündigt werde die Stadtverwaltung noch eine digitale Infostele aufstellen. Die drei jetzt montierten Hinweistafeln sowie zwei provisorische Infostelen, die bereits am Brunnen stehen, kommen dann wieder weg. Schickle: "Wir prüfen derzeit weitere Maßnahmen, um den Brunnen als Erinnerungsort stärker hervorzuheben. Zudem ist der Vollzugsdienst sehr oft auf dem Platz und informiert die Menschen am Brunnen über den Ort."