Austausch in vielen Varianten

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 26. November 2014

Freiburg

VEREINT IM VEREIN: Die Freiburg-Madison-Gesellschaft.

INNENSTADT. Bei den meisten fing’s mit einem Besuch in Freiburgs amerikanischer Partnerstadt Madison an: Die Begeisterung hinterließ Spuren. Darum treffen sich die Mitglieder der Freiburg-Madison-Gesellschaft regelmäßig. Und einige sind schon seit 25 Jahren dabei – im Jahr 1989 war der Verein entstanden, kurz nachdem die Städtepartnerschaft besiegelt worden war. Im Sommer wurde das Jubiläum gefeier

t.

Beim Stammtisch im Greifeneggschlössle wird Deutsch gesprochen, auch wenn – wie diesmal – zwei Amerikanerinnen dabei sind. Beide sind Studentinnen aus Madison, seit September für ein Jahr in Freiburg und fühlen sich hier sehr wohl: "Die Menschen sind offen und das Studium ist eigenständiger als bei uns", sagt Sophia Callahan (20), die Deutsch, Ökologie und Geschichte studiert. Vor allem aber ist Studieren hier deutlich erschwinglicher auch für diejenigen, die nicht aus materiell gutgestellten Familien stammen: In Madison bezahlt Sophia Callahan rund 16 000 Euro Studiengebühren im Jahr – und das, sagt sie, sei der reduzierte Betrag, regulär sei es noch deutlich teurer.

Doch solche strittigen Punkte schmälern die Begeisterung der Madison-Fans nicht: Es gebe Stipendien und spezielle Unterstützung für diejenigen, die als "Randgruppen" gelten, argumentieren sie. "In einem Elite-System zu leben heißt nicht, dass man keine Chancen hat", findet der Gastronom Toni Schlegel, der 1986 für ein Jahr zum Business-Studium nach Madison ging – mit Stipendium. Seine Bilanz: "Es war die schönste Zeit meines Lebens." Das "positive amerikanische Denken" faszinierte ihn, er war knapp davor, dauerhaft zu bleiben. Seit 1997 ist er Vorsitzender der Freiburg-Madison-Gesellschaft, alle zwei bis drei Jahre besucht er Madison, oft hat er Besuch von Freunden von dort.

Die Partnerstädte ähneln sich in vielem, finden alle: Madison im Bundesstatt Wisconsin mit seinen 220000 Einwohnern – darunter 50 000 Studierende – sei bekannt für Umweltbewusstsein, viele Radwege und nachhaltiges Bauen. Darum sei der Austausch mit Freiburg in ökologischen Fragen besonders rege. Der Austausch hat aber auch viele andere Formen – fest dazu gehören die Zusammenarbeit mit dem Carl-Schurz-Haus und immer wieder Musikalisches. Georg von Savigny stieß 1991 nach einem Auftritt mit seiner Band "Les sensibles de Schallstadt" in Madison dazu und macht manchmal Musikprojekte mit Madison-Studierenden in Freiburg. Dass vor 25 Jahren alles anfing, hatte ebenfalls mit Studierenden zu tun: Irmgard Feix hatte damals Germanistik an amerikanischen Unis unterrichtet und fand, dass viele junge Amerikaner Vorurteile und veraltete Vorstellungen gegenüber Deutschland hatten. Das habe sich im Germanistik-Programm der Unis gezeigt: "Damals gab’s nur ältere Literatur, man kam nicht über Thomas Mann hinaus." Sie wollte das ändern und gründete die Freiburg-Madison-Gesellschaft, später war sie von 1991 bis 1997 Vorsitzende. Auch die Lehrerin Dorothee Jäger war von Anfang an dabei und kümmerte sich um den Austausch von Schülern, der mittlerweile ins Stocken geraten ist.

In Madison waren die Bürger früher aktiv als in Freiburg: Dort tat sich bereits 1986 ein Verein zusammen, der die Partnerschaft vorantrieb. Die Kontakte zwischen den Unis begannen schon 1961.