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11. Mai 2015

Auszeichnung

Berndt-Koberstein-Preis geht an Projekte für Solidarität und Zusammenleben

Der Berndt-Koberstein-Preis geht in diesem Jahr an Projekte der Feministischen Geschichtswerkstatt und des Forums Weingarten.

  1. Stifter Hendrijk Guzzoni (Bildmitte im weißen Hemd) mit den diesjährigen Preisträgern Foto: michael bamberger

Den diesjährigen, mit 10 000 Euro dotierten Berndt-Koberstein haben die Feministische Geschichtswerkstatt und das Forum Weingarten erhalten. Die Verleihung fand jüngst in den Kellergewölben des "Weinschlössle" in der Wilhelmstraße statt.

Stadtrat Hendrijk Guzzoni (Linke Liste) ist ein Jugendfreund von Berndt Koberstein. Vor vier Jahren hat er aus seinem persönlichen Vermögen die Auszeichnung "für Zusammenleben und Solidarität" gestiftet. Er wollte damit seinen am 31. August 1956 geborenen einstigen Weggenossen ehren, der sich schon früh in der Gewerkschaftsjugend und der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend engagiert hatte. 1985 war Koberstein zum ersten Mal nach Wiwili in Nicaragua geflogen, um beim Bau einer Wasserleitung zu helfen. In der 80 000-Einwohner-Stadt war zuvor am 30. April 1983 der Freiburger Arzt Tonio Pflaum mit 13 anderen Menschen bei einem Überfall von Contra-Rebellen umgebracht worden. Bei seinem zweiten Arbeitseinsatz in Nicaragua am 28. Juli 1986 ereilte Koberstein dann das gleiche Schicksal. Auch er wurde ermordet.

Der mit 10 000 Euro dotierte Koberstein-Preis ging dieses Jahr zu gleichen Teilen an die Feministische Geschichtswerkstatt für das Projekt "Protagonistas" und an das Forum Weingarten für das Projekt "Wohnverwandschaften plus". Die Jury würdigte damit die vielfältigen Aktivitäten von über zwanzig Frauen, die sich als Mitglieder der "Feministischen Geschichtswerkstatt" auf die Spurensuche von besonderen Frauen begeben haben. Diese – darunter sind auch viele Migrantinnen – haben in ihrem Umfeld sozial und kulturell gewirkt, sind aber in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt geblieben.

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Mit dem von Hauptamtlichen des Forums Weingarten und der städtischen Baugesellschaft Freiburger Stadtbau begleiteten Projekt "Wohnverwandtschaften plus" sind in zwei Stockwerken eines sanierten Hochhauses in Weingarten Menschen in 15 Wohnungen vernetzt worden, die ihr Zusammenwohnen als generationenübergreifende Aufgabe gestalten. Durch gegenseitige nachbarschaftliche Hilfe, gemeinsame Unternehmungen und vieles mehr will man die Lebensqualität aller Bewohner steigern. Die Laudatio für die Feministische Geschichtswerkstatt hielt die städtische Frauenbeauftragte Simone Thomas. Das Projekt des Forums Weingarten stellte Dennis Voss, Abteilungsleiter bei der Stadtbau, vor. Für die Stadt bedankte sich OB Dieter Salomon, der selbst schon zweimal die Gräber von Pflaum und Koberstein in Nicaragua besucht hat, bei dem Preisstifter. Auch die Leiterin des Wiwili-Vereins, Marlu Würmell-Klauss, erzählte in bewegenden Worten von ihren "indirekten Begegnungen" mit Berndt Koberstein.

Autor: Hans Sigmund