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23. Juli 2015

Berufschancen

Das Projekt „Arbeit inklusive – Inklusion beginnt in den Köpfen“ vermittelt Menschen mit Schwerbehinderung

Bessere Chancen für Bewerber mit Handicap - das ist das Ziel des Projekt "Arbeit inklusive - Inklusion beginnt in den Köpfen" der Arbeitsagentur.

Unternehmen suchen Fachkräfte – und 60 Prozent der 935 arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung, die von der Arbeitsagentur Freiburg betreut werden, sind qualifiziert. Sie haben ein Studium oder eine duale Ausbildung abgeschlossen. Hier setzt das Projekt "Arbeit inklusive – Inklusion beginnt in den Köpfen" der Jobcenter Emmendingen, Freiburg und Breisgau-Hochschwarzwald an. Der Bildungsträger "Berufliche Bildung" (BBQ) soll jährlich 30 Menschen mit Schwerbehinderung in Arbeit vermitteln. Am Dienstag informierten sich 40 Unternehmen bei einer Tagung im Waldhaus.

Es geht um Menschen wie die Frau mit Rollstuhl, die eine Ausbildung in einem technischen Beruf hat und außerdem sehr kommunikativ ist. Oder um die Frau mit chronischen Depressionen und einer Autismus-Diagnose, die als ausgebildete Bürokauffrau im Bewerbungsverfahren zwar oft zuerst erfolgreich war, aber nie im letzten Schritt die Stelle bekam.

Für beide hat sich der Pädagoge Norbert Cüppers, der sie betreut, neue Wege überlegt: Die Frau mit Rollstuhl hat demnächst ein Bewerbungsgespräch in einem Callcenter – das ist zwar inhaltlich weit weg von ihrer Ausbildung, entspricht nach Norbert Cüppers’ Einschätzung aber ihren sonstigen Fähigkeiten. Die andere Frau mit Depression und Autismus ist inzwischen schon ein gutes Stück weiter: Geholfen hat da zum einen Norbert Cüppers’ Rat, ihre Diagnosen nicht mehr wie bisher geheim zu halten, sondern sie bei der Bewerbung gezielt zu thematisieren. Zum anderen war es hilfreich, dass er durch die vielfältigen Kontakte des BBQ ein Unternehmen kannte, das eine passende Stelle frei hatte. Es folgte ein erfolgreiches Praktikum, inzwischen wurde sie übernommen.

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Das Projekt läuft seit Februar, bisher gab’s sechs Vermittlungen. Neun Sozialpädagogen in sechs Vollzeitstellen kümmern sich um die 30 Menschen mit Schwerbehinderung, die von der Arbeitsagentur zu BBQ geschickt werden, bilanziert die BBQ-Niederlassungsleiterin Angelika Weber. Dadurch ergebe sich ein hoher Betreuungsschlüssel: Ein Vollzeitmitarbeiter kümmert sich um fünf Arbeitslose. Das Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren und kostet 1,4 Millionen Euro, die vom Bund finanziert werden – die Freiburger Arbeitsagentur hatte sich auf einen Aufruf der Bundesregierung beworben, sagt Theresia Denzer-Urschel von der Arbeitsagentur.

Ziel sei, die Arbeitssuchenden und die Arbeitgeber zu begleiten und öffentlich für Inklusion einzutreten. Wichtig sei auch Informationsarbeit: Manche Unternehmen seien zunächst abgeschreckt, sagt Stephan Wilcken, der Geschäftsführer des Verbands der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg – sie dächten nur an besondere Kündigungsschutz- und Urlaubsansprüche. Ihnen müsse man klarmachen, dass sie vielfältige – auch finanzielle – Förderungsmöglichkeiten durchs Jobcenter und Integrationsamt nutzen können. Und vor allem: dass sie qualifizierte Mitarbeiter bekommen.

Autor: anb