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17. August 2009
Leute in der Stadt
Bruno Walter Köbele packt weiter mit an
LEUTE IN DER STADT: Bruno Walter Köbele packt weiter mit an
Für einen, der sich schon vor Jahren zur Ruhe setzen wollte, ist Bruno Walter Köbele viel in Bewegung. Vor wenigen Tagen feierte er seinen 75. Geburtstag, und gerade wurde er in Berlin für zwei weitere Jahre zum Präsidenten des Internationalen Bundes (IB) gewählt. Er bleibt damit Chef des Bildungsträgers, von dessen gemeinnütziger Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit deutschlandweit mehr als 350 000 Menschen profitieren.
Ein Anruf von Georg Leber, dem ehemaligen SPD-Bundesminister, den alle nur "Schorsch" nannten, machte 1997 einen Strich durch Köbeles Pläne, in seinem Geburtsort Freiburg einen ruhigen Lebensabend zu verbringen. "Hallo Bruno, wie geht’s? Kennst Du den Internationalen Bund?", fragte Leber scheinheilig. Köbele sollte den IB noch gründlich kennenlernen. Kurz nach dem Telefongespräch unter Parteigenossen saß Köbele im IB-Vorstand, wurde 1999 zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden, 2001 Vize- und 2003 dann schließlich Präsident. Nichts war es mit dem geruhsamen Rentnerleben in dem Haus mit Hanglage in Littenweiler. Dabei hatte sich der gelernte Maurer seinen Altersruhesitz gerade selbst gebaut, gemeinsam mit seiner Frau, einer Bauingenieurin.Werbung
Köbele ist es gewohnt zuzupacken: Er hat eine kräftige Statur, große Hände, und trotz seiner hohen Ämter wirkt der 75-Jährige noch immer bodenständig. Auf seinen Karrierebeginn als Handwerker ist er stolz. Als Maurer brachte er es schnell zum Polier und war weisungsberechtigt für andere Mitarbeiter auf der Baustelle. Früh begann er auch, sich politisch zu betätigen: Er trat der SPD bei und engagierte sich in der Industriegewerkschaft (IG) Bau-Steine-Erden (seit 1996: IG Bauen-Agrar-Umwelt). So war Köbele immer in Bewegung, kontinuierlich stieg er in der Gewerkschaft auf, "alles ,learning by doing’, wie man heute sagt", lacht er.
Georg Leber war es bereits gewesen, der ihn nach Frankfurt in den IG-Bundesvorstand geholt hatte, 1982 wurde Köbele stellvertretender Bundesvorsitzender, 1985 zudem Präsident der Europäischen Föderation der Holz- und Bauarbeiter. Da war er richtig viel unterwegs, wechselte mehrmals in der Woche zwischen Brüssel, Genf und Frankfurt, wo Gewerkschaft und Familie residierten. 1991 wurde er Vorsitzender der IG Bau-Steine-Erden und baute die Vertretungen in den neuen Ländern auf. 1995 – zu dem Zeitpunkt hatte er mehrere Bundesverdienstkreuze samt des "Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" umgehängt bekommen – fand er, es sei genug. Von Frankfurt zog er zurück nach Freiburg.
Gerade war also das Haus gebaut, die Märklin-Eisenbahn unterm Dach aufgebaut und der Garten einigermaßen ansehnlich, da kam besagter Anruf von Genosse Schorsch. Er habe zugesagt, erzählt Köbele, "weil ich mit beruflicher Ausbildung schon immer viel zu tun hatte." Einst habe er als Gewerkschafter den Lehrplan für das Restauratorenhandwerk mit ausgearbeitet, habe sich immer für die überbetriebliche Ausbildung eingesetzt : "Im Handwerk brauchten wir dafür keinen Staat", betont Köbele.
Auch heute fühlt er sich noch als Gewerkschafter. Das werden die Kollegen von Verdi und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) eher verwundert zur Kenntnis nehmen. Denn der IB hat vor zwölf Jahren den Manteltarifvertrag gekündigt. Die dortigen Lehrerinnen und Lehrer würden schlechter bezahlt und müssten mehr arbeiten als anderswo, ein Drittel werde nur noch befristet eingestellt, lautet die Kritik.
Trotzdem, Köbele hat den IB "aufgestellt wie ein modernes Unternehmen", wie er sagt, und zum Beispiel um Kindergärten erweitert. Gerade hat er sich bei der Eröffnungsfeier einer IB-Kita mit Bundespräsident Horst Köhler getroffen. So was, sagt Köbele, sollte die Menschen viel mehr interessieren: "Bei dem Fest habe ich keine Kamera gesehen, aber wenn der Boris Becker heiratet, dann kommen sie", schnaubt er. Er will noch etwas bewegen, etwas verändern in der Gesellschaft.
Deshalb wird sein Ruhesitz in Littenweiler so schnell wohl nicht als solcher genutzt.
Autor: unserem Mitabeiter Stefan Merkle
