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01. Oktober 2011

Bürgerbeteiligung ist eine Qualität der Gesellschaft

Das "Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung" in Freiburg feiert seinen 15. Geburtstag.

"Freiburg ist in Fragen der Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern eine hochinteressante Werkstatt", sagt Thomas Klie. Hier kämen "unterschiedliche Spielarten der Demokratie" zusammen: etwa die Mitsprache bei Flächennutzungsplänen, der Beteiligungshaushalt oder auch Bürgerentscheide wie zum Stadtbau-Verkauf, sagt Klie.

Der Jurist ist Professor an der Evangelischen Hochschule und Leiter des "Zentrums für zivilgesellschaftliche Entwicklung" (zze) in Freiburg, das am Mittwoch seinen 15. Geburtstag feierte. Zum Jubiläum diskutierten Mitarbeiter und Gäste die Idee der Zivilgesellschaft als "eine der großen Hoffnungen des 21. Jahrhunderts", so die Überschrift des Podiums. Aber was genau meint der Begriff "Zivilgesellschaft" überhaupt? Er dreht sich um ein Engagement, das über die Privatsphäre hinausreicht. "Dahinter steht die Vorstellung einer gelungenen Gesellschaft", sagte der Soziologieprofessor Baldo Blinkert von der Universität Freiburg.

Die Vorstellungen der Bürger sind oft sehr unterschiedlich

Wie unterschiedlich solche Vorstellungen sein können, belegte er mit einem Freiburger Beispiel: In einer Studie erforschte Blinkert die Wünsche von Eltern für Kinderspielplätze. Die Stadtverwaltung nahm diese Wünsche auf und gestaltete einige Plätze um. In der Folge kamen mehr Eltern mit ihren Kinder – worauf sich Anwohner gestört fühlten und den Spielplatz wieder zurückbauen wollten.

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"Es reicht nicht aus, nur von engagierten Bürgern zu sprechen", sagt Blinkert. Dem Projekt einer Zivilgesellschaft müssten auch Werte zugrunde liegen: Neben Rechtsstaatlichkeit etwa demokratische Teilhabe, zivilisierter Umgang, Gerechtigkeit und Offenheit.

Um zivilgesellschaftliches Engagement zu fördern, "brauchen wir eine andere Gestalt von Lebensläufe", forderte Cornelia Helfferich, Soziologieprofessorin an der Evangelischen Hochschule: In den jungen und mittleren Jahren drängten sich Berufseinstieg und Familiengründung, so dass kaum Zeit bleibe für Engagement. Das solle aber nicht allein den Älteren überlassen bleiben.

Hierzu könne die Wirtschaft viel beitragen, ergänzte Rudolf Kast, Berater für Personalmanagement und ehemaliger Personalleiter der Sick AG in Waldkirch – und machte noch einen weiteren Vorschlag: "Ich wünsche mir, dass für 14- oder oder 15-Jährige die Schule ausfällt und sie zum Beispiel auf dem Bauernhof, im Kindergarten oder im Pflegeheim mitmachen." Die Medien stünden vor der Herausforderung, Engagement und Erfahrungen von Bürgern "erzählbar zu machen" und so auch die Diskussion vor Ort zu verbreitern, sagte BZ-Chefredakteur Thomas Hauser. Er finde wichtig, bürgerschaftliches Engagement nicht nur als eine Art Lückenfüller darzustellen, der staatliche Rückzüge ausgleicht – "sondern auch als Qualität einer Gesellschaft".

Freiburg spielt nach Einschätzung der Jubiläumsgäste bei der Bürgerbeteiligung im Mittelfeld. Auch mit Blick auf Konflikte wie Stuttgart 21 sei die Frage spannend, so Institutsleiter Thomas Klie, ob sich in Kommunen "eine neue Kultur der Konfliktaustragung auf Grundlage unterschiedlicher Beteiligungsformen entwickelt". Diese könnte "zu einer Akzeptanz unterschiedlicher Positionen und der politischen Entscheidungen" führen.

Autor: Thomas Goebel