Jubiläum

Das Architekturbüro Sacker wird 25 Jahre alt

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Di, 11. Juli 2017 um 22:21 Uhr

Freiburg

Freiburgs neue Messe brachte einst den Durchbruch für den Architekten Detlef Sacker – dabei gelangte er damals nur mit Glück in den Wettbewerb und war noch als Einzelkämpfer unterwegs.

Nun wird das Architekturbüro Sacker 25 Jahre alt. Es zählt zu den größten in Südbaden. Wie bei der Branche insgesamt herrscht an Arbeit kein Mangel, wohl aber an passendem Personal.

1997 war Detlef Sackers Schicksalsjahr. "Damals hab’ ich auf einen Schlag drei Aufträge bekommen, die entscheidend für meine weitere Laufbahn als Architekt waren", berichtet der 58-Jährige – die Kunsthalle Phleps in Zähringen, die Sparkasse Rheinfelden und die neue Messe in Freiburg. "Davor hatte ich, seit ich mein Büro 1992 an der Goethestraße eröffnet hatte, nur an Architektenwettbewerben teilgenommen und von Preisgeldern für gut Platzierungen gelebt", erinnert sich Sacker, der aus Freiburg stammt und in Karlsruhe Architektur studiert hat.

Herausforderung Neue Messe Freiburg

Besonders der Messeauftrag hatte es in sich. Schon das Baukostenvolumen von 27 Millionen Euro für den ersten Bauabschnitt war ein Wort – speziell für ein Ein-Mann-Büro wie Sackers. Hinzu kam ein ambitionierter Zeitplan: 26 Monate für Planung und Bau. "Ich war wie im Flow und habe quasi die ganze Zeit, während ich wach war, gearbeitet – Pläne machen, den Bau in Gang bringen, mehr Mitarbeiter einstellen", sagt Detlef Sacker. Am Ende habe alles gut geklappt – und der Messeneubau sei ein Türöffner für weitere Aufträge geworden. "Dabei war ich damals beim Wettbewerb für die neue Messe nur ein Nachrücker mit meinem Entwurf – eigentlich war ich gar nicht eingeladen", berichtet er schmunzelnd. Man brauche auch Glück.

Seither sind viele weitere Bauprojekte hinzugekommen, darunter sehr bekannte, etwa der Testo-Neubau in Titisee, das Radon-Revital-Bad in Menzenschwand – für den es sogar einen Preis vom Internationalen Olympischen Komitee gab – sowie die Sanierung des Freiburger Eugen-Keidel-Bads (bei laufendem Betrieb). Das Büro wuchs auf 33 Mitarbeiter an und zog an die heutige Adresse in der Oltmannsstraße 3. Als Mitgeschäftsführer und nun auch Mitgesellschafter sind seit 1998 Jens Pasche (55) und seit 2012 Christopher Höfler (41) an Bord. Derzeit arbeite das Büro an mehreren Aufträgen in Südwestdeutschland mit Bauvolumina über 50 Millionen Euro – darunter der Neubau der Staudinger-Gesamtschule in Freiburg.

Wie viele in der Branche sucht Sacker dringend nach Personal

"Unser Ziel ist stets, die Vorstellungen der Bauherren in bester Qualität umzusetzen – und dabei auf die eigentlich selbstverständlichen Lösungen zu kommen, die aber zunächst gar nicht so klar auf der Hand liegen", sagt Detlef Sacker – wie damals bei der neuen Messe die Ausrichtung einer durchgängigen Glasfassade nach Westen, welche das Panorama der Stadt mit Schwarzwald, Kaiserstuhl und Vogesen gleichsam als Kulisse in die Veranstaltungen dort hereinholt.

An Arbeit mangelt es dem Büro Sacker nach eigenen Angaben nicht. Bei Architektenwettbewerben habe man eine hohe Erfolgsquote und die Baukonjunktur brumme. Die Herausforderung sei, passendes Personal zu finden – aber das geht nicht nur Sacker so.
Architekten in Freiburg

In Freiburg gibt es derzeit nach Angaben der Architektenkammer 885 Architektinnen und Architekten – das schließt die freiberuflich Tätigen, angestellten und verbeamteten mit ein. Insgesamt sind in der Stadt 309 Architekturbüros am Markt aktiv. "Dazu muss man wissen, dass etwa die Hälfte aller Büros Ein-Personen-Betriebe sind", sagt Manfred Sautter, der seit 2014 Vorsitzender der Freiburger Kammergruppe ist. "Auf der anderen Seite wetteifern eine kleine Reihe an Büros, darunter auch Sacker, um die Rolle des regionalen Platzhirsches, was die Größe angeht", so Sautter. Die Branche sei durch starke Schwankungen geprägt, denn nach Abschluss großer Projekte könne Unterauslastung drohen. Hinzu komme die generelle Konjunkturabhängigkeit. "Bis zur Finanzkrise 2007/08 hatten wir eine Flaute, seither boomt es", sagt Sautter. Während damals Kollegen angeboten hätten, auch mal ein halbes Jahr kostenlos zu arbeiten, weil sie unbedingt einen Fuß in die Tür kriegen und einen Job wollten, sei es heute enorm schwierig, offene Stellen mit Architekten zu besetzen. "Die Arbeitslast in vielen Büros ist entsprechend hoch. Aber dennoch ist die jetzige Situation besser als die Phase davor."