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14. Dezember 2011 20:18 Uhr

Neue Beleuchtung

Das Freiburger Münster wird mit LED-Strahlern erhellt

Advent, Advent – seit Mittwoch leuchtet das Münster sanft im Schein von 110 LED-Leuchten. Damit ist es nicht nur optimal ausgeleuchtet, sondern künftig auch ein besonders stromsparendes Gotteshaus – passend zur Green City.

  1. Der Hauptturm in neuem Glanz. Foto: Thomas Kunz

Möglich wird dies durch den bundesweiten Wettbewerb "Kommunen in neuem Licht", durch den Freiburg seine Schmuckstücke des Nachts ansprechend präsentieren kann.

Es war dunkel und zugig Mittwochabend auf dem Münsterplatz, als die Premiere stattfand. Baubürgermeister Martin Haag und Dompfarrer Wolfgang Gaber waren es, die einen dicken roten Knopf drücken durften – und dann gingen die Lichter an. Es ist keine spektakuläre Beleuchtung, die da zu sehen ist, kein großes Gefunkel, kein Strahlen oder Blenden. Doch das Münster ist so plastisch wie noch nie mit seiner historische Sandsteinfassade, dem Maßwerk, den Winkel und Gesimsen.

"Hätte man den Turm nur von vorn angestrahlt, würde er flach erscheinen, nun strebt er nach oben" Walter Bamberger
"Wir wollten mit möglichst wenig Licht Licht machen", erklärt Lichttechniker Walter Bamberger, der auch die Innenbeleuchtung des Münsters plante. Dezent sollte es draußen auf Freiburgs zentralem Platz sein, warm und einladend, und doch sollte als Kontrast die unmittelbare Umgebung im Dunklen bleiben. Und das Münster sollte natürlich so ansprechend wie möglich präsentiert werden.

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Deshalb wird zum Beispiel der 116 Meter hohe Hauptturm mit 17 speziellen Strahlern von unten nach oben angestrahlt, die Spitze noch extra von Strahlern, die auf einem gegenüberliegenden Hausdach montiert sind. "Hätte man den Turm nur von vorn angestrahlt, würde er flach erscheinen, nun strebt er nach oben", erklärt Bamberger. 55 Bodenstrahler sind nun in einem Meter Abstand rund ums gesamte Bauwerk eingelassen, weitere 55 Strahler auf den umliegenden Dächern installiert.

750 000 Euro haben die eigens fürs Münster entwickelten 110 LED-Strahler und ihre Montage gekostet. Geld, das die Stadt vor gut einem Jahr gewonnen hat: Beim deutschlandweiten Wettbewerb "Kommunen in neuem Licht", den das Bundesforschungsministerium ausgeschrieben hatte und an dem sich Freiburg zusammen mit der Firma Hess aus Villingen-Schwenningen beteiligte, gehörte die Stadt zu den Gewinnern.

Weitere Projekte sollen folgen

140 Kommunen hatten sich beworben, zehn wurden ausgewählt – und Freiburg war dabei. Den Zwei-Millionen-Euro-Preis kann die Stadt nun für ein neues Lichtkonzept verbauen; das Münster ist jetzt das erste und größte Projekt. Folgen sollen unter anderem die Beleuchtung des Rathausplatzes, des Stadtgartens, die Umrüstung der historischen Leuchten in der Innenstadt und die Anstrahlung der Stadttore.

Dabei ist die neue Beleuchtung nicht nur stimmungsvoll, sie spart auch ordentlich Strom. Für das gesamte Münster braucht man nun noch 3800 Watt, "so viel wie drei Bügeleisen und weniger als zwei Heizlüfter", sagt Bamberger; bislang waren es 6400 Watt. Beim Hauptturm allein spart man 60 Prozent Energie; er wird statt mit 1100 nur noch mit 400 Watt angestrahlt.

Mit dem Geld aus dem Wettbewerb schlägt man jetzt drei Fliegen mit einer Klappe: "Wir können die Architektur in Szene setzen, die Straßenbeleuchtung erneuern und Energie sparen", so Haag. Damit könnte Freiburg zu einer Art Modellstadt für andere deutsche Kommunen werden, denn noch mehr Städte sollen dazu animiert werden, ihre veralteten Lampen durch energieeffiziente LED-Leuchten zu ersetzen. Übrigens: Der Mann, der vor 15 Jahren die weiße Leuchtdiode erfunden und damit das Fundament für das Projekt gelegt hat, war Mittwochabend ebenfalls da: der Physiker und Freiburger Materialforscher Jürgen Schneider. Und was sagt der Hausherr? Dompfarrer Wolfgang Gaber, der schon bei den Beleuchtungsproben dabei war, ist begeistert: "Damit geht uns allen ein Licht auf, wie schön das Münster ist."

Vorher-Nachher: Die Stadtverwaltung möchte wissen, wo es Ihrer Meinung nach zu hell oder zu dunkel ist. Dafür hat sie Fragebogen ausgearbeitet, die man im Internet beantworten kann, und zwar unter http://www.freiburg.de/led-fragebogen. Die Ergebnisse sollen bei der künftigen Lichtplanung berücksichtigt werden.

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Autor: Simone Lutz