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16. November 2010 18:13 Uhr
Spatenstich
Das neue Kunstdepot: "Ein Haus für äußerst sensible Bewohner"
Spatenstich in Freiburgs Stadtteil Hochdorf: Bis März 2012 soll dort das neue Kunstdepot der städtischen Museen in Passivbauweise fertiggestellt sein. Laut Tilmann von Stockhausen, Direktor der städtischen Museen, hat das neue Gebäude weltweit Vorbildfunktion.
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Entwurf des neuen zentralen Kunstdepots Foto: Architekturbüro Pfeifer.Kuhn, Freiburg/GD90 Markus Dold, Buchenbach
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Politprominenz beim Spatenstich Foto: Thomas Kunz
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Nach getanem Spatenstich Foto: Thomas Kunz
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Entwurf des neuen zentralen Kunstdepots Foto: Architekturbüro Pfeifer.Kuhn, Freiburg/GD90 Markus Dold, Buchenbach
"Es gibt Dinge, die man einfach machen muss, dieses Gebäude gehört dazu." Mit diesen Worten brachte Oberbürgermeister Dieter Salomon die Dringlichkeit und Bedeutung des neuen Kunstdepots für die städtischen Museen im Stadtteil Hochdorf auf den Punkt. Dienstagmittag war Spatenstich für den 6,9-Millionen-Euro-Bau an der Weißerlenstraße, der im März 2012 bezugsfertig sein soll. Das Besondere ist die Passivbauweise. "Das neue Depot", glaubt der leitende Museumsdirektor Tilmann von Stockhausen, "hat weltweit Vorbildfunktion für den Depotbau."
Derzeit werden diejenigen Objekte der städtischen Sammlungen, die nicht in den Museen zu sehen sind, an neun verschiedenen Standorten aufbewahrt – einer davon befindet sich sogar in Frankfurt am Main, einer ist die alte Kartaus, ein ehemaliges Altenpflegeheim. Für Salomon ist das neue Depot, das ein wichtiger Bestandteil des Museumsgutachtens der Firma Lord aus dem Jahr 2005 war, ein "Riesenmosaikstein" der Freiburger Museumslandschaft. Bei einigen derzeitigen Depots spricht er von einer "miserablen Situation". Jedes Jahr würden die Werke dort an Wert verlieren. "Man hätte längst handeln sollen." Der Direktor der städtischen Museen, Tilmann von Stockhausen, bedauert zudem, dass man zurzeit an viele eingelagerte Exponate gar nicht herankomme. Nach dem Einzug ins neue Haus könne endlich einmal der gesamte Bestand überprüft werden.Werbung
Orientiert habe man sich am Kunstdepot im dänischen Vejle, sagt von Stockhausen. Dort habe man bewiesen, dass man ein Kunstdepot preiswert bauen könne. Entworfen hat das schlichte zweistöckige Gebäude in Hochdorf mit mehrschichtigen Wänden das Freiburger Architekturbüro Pfeifer Kuhn. Die Architektur eines solchen Depots solle am besten unauffällig bleiben, "am besten unsichtbar", so Architekt Christoph Kuhn. Da es sich um "ein Haus für äußerst sensible Bewohner" handle, welche Licht überhaupt nicht mögen, gibt es Fenster nur im Erdgeschoss im Funktionsbereich.
Dort befinden sich außer Depotflächen eine Lastwageneinfahrt und Ateliers für Restauratoren sowie das Büro für den Depotverwalter, während es im ersten Stockwerk ausschließlich Lagerräume geben wird. Das gesamte Depot wird nach Sammlungsbereichen geordnet, von Stockhausen denkt an die Einführung eines Barcodesystems. "Dann muss nichts mehr handschriftlich gemacht werden." Im Schnitt einmal pro Woche werde ein Transport zwischen den Museen in der Innenstadt und Hochdorf verkehren.
Innen wird das Depot aus Kalksandstein und Beton bestehen. Dort wird die Temperatur bei leichten jahreszeitlichen Schwankungen zwischen 18 und 20 Grad liegen, die Luftfeuchtigkeit zwischen 45 und 55 Prozent. "Das ist ein Universalklima, in dem sich die Kunst wohlfühlt", sagt Museumsrestaurator Andreas Weißer. Es gibt im Gebäude extra zwei unterschiedliche Luftkreisläufe – für Räume, in denen durch Holzschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel kontaminierte Exponate aufbewahrt werden, und für solche mit schadstofffreien Objekten.
Da die Stadt eine so hohe Investitionssumme derzeit nicht aufbringen kann, wird die städtische Tochtergesellschaft Freiburger Stadtbau (FSB) Besitzer des Gebäudes im Gewerbegebiet Hochdorf sein. "Für uns ist das die sehr viel attraktivere Variante", räumt Salomon ein. Die FSB wird die 5100 Quadratmeter an die Stadt vermieten – in den ersten fünf Jahren für jährlich 426 000 Euro Miete, ab dem sechsten Jahr für 461 000 Euro und ab dem elften Jahr wegen der Instandhaltung für 509 000 Euro.
Die Stadt wiederum vermietet 23 Prozent der Fläche für insgesamt 100 000 Euro an die Stiftungsverwaltung (15,5 Prozent) und die Erzdiözese (7,5 Prozent) unter. Zieht man noch die Miete für die derzeitigen Ausweichquartiere und den Südflügel des Augustinermuseums ab, für dessen Ausstellungsstücke im dritten Bauabschnitt ebenfalls Lagerräume gefunden werden müssten (zusammen knapp 300 000 Euro), sind die Mietkosten für den Neubau lediglich 30 000 Euro teurer.
Die Stiftungsverwaltung wird ihren Sitz in der Deutschordensstraße aufgeben, wo es derzeit ein Depot gibt, das laut Stiftungsdirektor Lothar Böhler "den modernen Anforderungen nie und nimmer gerecht wird", und Ende 2012 oder Anfang 2013 in das dann renovierte Adelhauserkloster ziehen. Alle nicht ausgestellten Kunstwerke der Heiliggeistspital- und der Adelhausenstiftung – die Kunstbestände der Stiftungsverwaltung haben laut Böhler einen Gesamtwert in dreistelliger Millionenhöhe – kommen dann ins neue Depot nach Hochdorf. Dort wird auch die Erzdiözese große Gemälde, Statuen und Ausstattungsstücke aus Kirchen aufbewahren. "Das neue Kunstdepot wird für uns ein Ergänzungsstandort, aber ein wichtiger", sagt Johannes Baumgartner, Leiter der Immobilien- und Bauabteilung der Erzdiözese.
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Autor: Frank Zimmermann


