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15. Januar 2016 18:32 Uhr

Public Viewing

Debat-O-Meter: Wie gut waren Wolf und Kretschmann?

Die Landeszentrale für politische Bildung hat beim Public Viewing der Debatte zwischen Guido Wolf und Winfried Kretschmann eine neue Politik-App getestet. Mit Debat-O-Meter konnten die Zuschauer die Politiker live bewerten.

  1. Live-Voting per App: Wer gewinnt hier an Zustimmung? Foto: Thomas Kunz

Die Landeszentrale für Politische Bildung (LpB) und Teams um den Freiburger Politikprofessor Uwe Wagschal und Marko Bachl von der Uni Hohenheim haben zum ersten Mal ihr "Debat-O-Meter" an echten Wahlberechtigten ausprobiert. "Wahrscheinlich unser spannendster Termin des Jahres", hieß es in der Einführung am Donnerstag.

Kretschmann, Wolf oder irgenwo dazwischen

Mehr als 200 Teilnehmer hatten sich im großen Physik-Hörsaal im Institutsviertel eingefunden, um das Fernsehduell zwischen Winfried Kretschmann und Guido Wolf im Public Viewing zu verfolgen und zu bewerten – eine Gruppe per App auf dem Smartphone oder dem Tablet, die andere per Drehregler. Das eigens erweiterte Hörsaal-WLAN funktioniert einwandfrei, aber der Server war kurzzeitig nicht erreichbar – 10 Minuten vor Beginn des Duells. Die Debat-O-Meter-App ist sehr einfach gestaltet: mit einem Schieberegler (Slider) wird angegeben, wo die Zustimmung gerade liegt: Kretschmann, Wolf, oder irgendwo dazwischen.

Mit Beginn der Sendung sind die Server wieder da. Als Wolf zum ersten Mal in Großaufnahme gezeigt wird, lacht der Saal. Die Mehrheiten sind klar verteilt: "Verhältnisse wie im Vauban", sagt Wagschal später. 11 Teilnehmer würden Wolf direkt wählen, 100 Kretschmann.

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Selbst als er den belehrenden Landesvater gibt, erntet Kretschmann fast Szenenapplaus beim jungen Publikum. Spätestens jetzt wandern etliche Regler ganz auf Kretschmanns Seite. Vereinzelt stehen sie dauerhaft dort. "Ausreißer sehen wir in der Auswertung und können entscheiden, ob wir sie rausrechnen", sagt Thomas Waldvogel von der LpB, der am Lehrstuhl von Professor Wagschal promoviert und das Projekt betreut. "Wir wissen ja nicht, ob es eine Fehlfunktion ist."

Was kommt an, was nicht?

Die Server zeichnen jede Slider-Änderung auf und damit, welcher Satz, welche Bemerkung, vom Publikum wie aufgenommen wird. Als Wolf Kretschmann dafür zu kritisieren versucht, dass die Grünen in ihrem Wahlprogramm eine bessere Gesundheitsversorgung für "illegalisierte Menschen" fordern, zeigt der unerschütterliche Gelassenheit: "Wenn jemand krank ist, muss er zum Arzt."

Ein klarer Ausschlag Richtung Kretschmann ist hinterher in den Diagrammen zu sehen – über die vorab abgefragten Partei- und Kandidatenpräferenzen hinweg. Als es um den Umgang mit der rechtspopulistischen AfD geht, gewinnen beide an Zustimmung bei ihren Anhängern: die Kurven gehen auseinander.

Die Auswertung der App-Messung, präsentiert von Uwe Wagschal, ist fast spannender als das Fernsehduell. "Es war cool, besonders weil es so ausführlich ausgewertet wurde", sagt der Student Felix Göttler, 23, hinterher. "Man versucht, dem Gespräch genauer zu folgen." "Zuhause hätte ich eher weggezappt", wirft der Student Andreas Haßmann, 23, ein. Bei beiden habe Kretschmann an Sympathie hinzugewonnen, Wolf hatte es eher schwer, die Tendenz vorher war klar. "Ich wollte objektiv sein, aber das ist schwer", sagt Felix abschließend.

Der erste Test war ein Erfolg, findet Thomas Waldvogel. Jetzt werden die Nachher-Fragebögen ausgewertet. Dann zeigt sich, ob Kretschmann auch beim Freiburger Testpublikum an Sympathie gewonnen hat. Und es wird der nächste Test vorbereitet. Am 28. Januar ist es soweit: bei einer Live-Debatte mit den Kandidatinnen und Kandidaten aus Freiburg – und einer neuen Version der App.

Autor: kmg