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29. Juli 2009

Dekane und Politikerinnen bei Mietern

Zum zweiten Mal hat eine Besuchergruppe die Mängel der Gagfah-Wohnungen im Auggener Weg besichtigt.

Was tun mit der Gagfah? Am Montagnachmittag kam zum zweiten Mal eine große Besuchergruppe in den Auggener Weg 6 in Weingarten. Nach der Besichtigung von zwei Gagfah-Wohnungen wollen der katholische Dekan Claudius Stoffel, seine evangelischen Kollege Markus Engelhardt und Wolfgang Schmidt, die grüne Bundestagsabgeordnete Kerstin Andreae und die grüne Stadträtin Lioba Grammelspacher nun auf Bundesebene auf das Immobilienunternehmen einwirken. Denn bisher haben sie ihr Ziel nicht erreicht, die Gagfah zu einem anderen Umgang mit den Mieterinnen und Mietern zu bewegen.

Im März hat Claudius Stoffel das alles schon gesehen: Die überlastete Steckdose in der Küche der Familie Yassine, die zu Kurzschlüssen führt. Die maroden Fenster, die mit Klebestreifen und Schlössern gesichert sind, weil die Eltern Angst haben, dass sich Fenster aus den Rahmen lösen und ihre sieben Kinder verletzen. Jetzt geht Claudius Stoffel mit Wolfgang Schmidt, der den erkrankten evangelischen Dekan Markus Engelhardt vertritt, wieder kopfschüttelnd von Zimmer zu Zimmer, von Wohnung zu Wohnung.

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Bei Mona Maarouk löst sich der wellige Boden in der Küche, in den Kinderzimmern ihrer vier Kinder klebt die Tapete wegen der Feuchtigkeit teilweise nicht mehr – in der Ecke sind große Schimmelflecken, auch hinter den Schränken sei alles schimmlig, erzählt Mona Maarouk. In einem Kinderzimmer habe sie im vergangenen Winter minus fünf Grad Celsius gemessen – bei aufgedrehter Heizung. Kerstin Andreae fragt irritiert, warum sich Wohnungen in einem solchen Zustand am Mietspiegel orientieren. Doch der gilt immer, die einzige Chance der Mieter wäre es, Mietminderungen durchzusetzen. Das ist ein Schritt, zu dem die Dekane und Politikerinnen den Mietern nun Mut machen wollen. Vielleicht mit Unterstützung des Gemeinderats, überlegen sie – vielleicht in Zusammenarbeit mit der Arge, die für viele Mieter, die mit Arbeitslosengeld II leben, die Miete bezahlt. Und weil es längst nicht nur in Freiburg Probleme mit der Gagfah gibt, die seit 2004 mehrheitlich dem amerikanischen Finanzinvestor Fortress gehört, verspricht Kerstin Andreae, das Thema auf Bundesebene anzupacken. Sie war am Montag erstmals dabei, um sich ein Bild zu machen. Davor hatte sie der Gagfah geschrieben und – nachdem ihr wie allen anderen mit den immer gleichen Textbausteinen geantwortet wurde – angerufen. Die Gagfah sagte ihr zu, sich um alle Mängel zu kümmern.

Tatsächlich seien Handwerker vorbeigekommen, sagt El Abed Yassine, allerdings hätten sie nur Kleinigkeiten gemacht – wie die Balkontür mit einem Klebestreifen abgedichtet, der sich jetzt wieder löst. "Das ist ja ein Witz", sagt Kerstin Andreae, die Lage stelle sich nicht so dar, wie die Gagfah behauptet habe. Es sei erschreckend, wie die Gagfah auf dem Rücken der Mieter "nur Rendite ’rausholen" wolle, sagt Wolfgang Schmidt – "eine erkennbare Politik" gegenüber Menschen, denen es schwer falle, für ihre Rechte zu kämpfen, ergänzt Claudius Stoffel.

Autor: Anja Bochtler