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31. Oktober 2011
Demo-Marathon in der Innenstadt
Protestmärsche durch die Stadt, Infostände auf zentralen Plätzen – in der kleinen Großstadt wurde am Wochenende wieder mal groß demonstriert. Begleitet von einem Großaufgebot an Polizei gingen unterschiedliche politische Aktionen über die Bühne. Eine kleine Rückschau.
Protestmärsche durch die Stadt, Infostände auf zentralen Plätzen – in der kleinen Großstadt wurde am Wochenende wieder mal mächtig demonstriert. Begleitet von einem Großaufgebot an Polizei gingen unterschiedliche politische Aktionen über die Bühne. Eine kleine Rückschau.
DER AUFTAKTDas Demo-Wochenende beginnt früh (am Freitagabend) und gleich mit einem Klassiker (Kurden). "Panzer raus aus Kurdistan", skandieren Männer, andere schwenken grüne Flaggen mit rotem Stern in goldener Sonne. Etwa 300 Menschen ziehen gegen 18.30 Uhr über die Kreuzung am Bertoldsbrunnen. Auf Flyern fordert der "Demokratische Kulturverein" eine Lösung der kurdischen Frage mit demokratischen Mitteln statt mit türkischem Militär. Die Demo ist angemeldet. Der Auftakt ist laut und friedlich.
DER AKTIONSTAG
Samstag ist der bundesweite Aktionstag gegen die Castor-Transporte, auch in Freiburg. Mit Strohballen für ein Ruhepäuschen und Gratiskaffee werben einige Aktivisten des Bundes für Umwelt und Naturschutz am Bertoldsbrunnen für Solidarität mit dem Wendland. Mittags gegen halb zwei Irritation am Stand: Jede Menge Polizisten in Zweierreihen, ausgerüstet mit Arm- und Beinschonern, Schutzwesten und Helmen, rücken an. Dabei sieht der Infostand doch harmlos aus: Gefährlicheres als heißen Chili-Eintopf, auch vegan, gibt es nicht. Soll es auch nicht: "Wir möchten bunt und einladend auftreten und um Verständnis und Interesse werben", sagt Ellen Koppitsch, die die "symbolische Sitzblockade" bei der Stadt angemeldet hat. Die Reaktion der Passanten: meist freundlich.
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Derweil formieren sich die Polizisten um den Bertoldsbrunnen. Wechsel im städtischen Demo-Fahrplan: Während die Castor-Leute einpacken, sammeln sich linke Initiativen unter dem Motto "Wem gehört die Stadt?" zur Kundgebung "gegen Mietwahnsinn und Verdrängung". Ein Tänzchen beginnt: Zwar wird so eine Demo nicht angemeldet, doch sprechen sich Veranstalter und Polizei vor Ort über die Route ab – ein, wie sich herausgestellt hat, zwar heikles, aber durchaus praktikables Verfahren. Am Samstag geht alles gut. Stadtrat Coinneach McCabe, von beiden Seiten als Verbindungsmann ausgeguckt, meldet: "Läuft gut." Etwa 700 Menschen ziehen zu luxussanierten Straßenzügen und Flüchtlingswohnheimen, am größten ist das Passanten-Interesse an der Kritik des "grünen Kapitalismus" in der Haupteinkaufsstraße.
DIE LAUTSTARKE
Ein Meer an roten Nationalfähnchen, die in der Türkei geordert wurden, rund 400 Menschen – dass der Demozug türkischer Aktivisten kurz nach 15 Uhr auf dem Kartoffelmarkt warten muss, bis beim "Mietenwahnsinn" eine Rede vor dem Regierungspräsidium zu Ende ist: egal. Organisator Veli Cuhadar, der persönlich bei türkischen Vereinen Werbung gemacht hat, hatte zwar auf 1000 Teilnehmer gehofft, doch die rund 400 Türkinnen und Türken, die da sind, machen ordentlich Lärm. Sie skandieren gegen die verbotene kurdische Partei PKK, die verantwortlich sein soll für den Tod von 24 türkischen Soldaten im Nordirak. Die Namen der Toten werden verlesen, ein Statement tönt durchs Megaphon – doch wer des Türkischen nicht mächtig ist, bleibt uninformiert zurück. Dann ist die Mietendemo weitergezogen zum Siegesdenkmal und die Türken können los – begleitet von der Polizei, die noch die Pro-Kurdistan-Demo vom vergangenen Abend im Kopf hat.
DIE BEHARRLICHEN
Am Platz der Alten Synagoge verteilt Irina Butschek seit halb elf Handzettel für die Greenpeace-Kampagne gegen VW und CO2-Emissionen: "Wir haben schon über 100 Unterschriften zusammen." Auf dem Augustinerplatz wirbt Dieter Schneyinck vom Antiatomforum an seinem Infostand für den Ausstieg. In der Ferne skandieren jetzt wohl die Türken. Die Polizei meldet irgendwann gegen Abend: Im Großen und Ganzen gab’s keine Probleme. Das Protest-Wochenende ist geschafft. Übrigens: Heute um 17.30 Uhr ist auf dem Rathausplatz wieder Montagsdemo.
Autor: Simone Lutz


