Der Herzschlag Europas

Assiyeah Joers

Von Assiyeah Joers

Sa, 04. März 2017

Freiburg

LEUTE IN DER STADT: Wolf Bütow hat für die Bewegung "Pulse of Europe" einen Song geschrieben.

Wolf Bütow, 46, Politik- und Musiklehrer an der Freien Waldorfschule St. Georgen hat für die Bürgerbewegung "Pulse of Europe" eigens einen Europa-Song geschrieben, den er mit zwei Schülern bei einer Kundgebung auf dem Augustinerplatz uraufgeführt hat. Eine spontane Aktion, die großen Anklang fand.

"Jeder Song hat eine Vorgeschichte", erzählt Bütow, der auch als freischaffender Musiker arbeitet. Als einer der Initiatoren der proeuropäischen Bewegung ihn um Noten für die Europahymne bat, die er bei der Veranstaltung mit den Teilnehmern singen wollte, hatte Bütow eine Idee: Er bot an, eine eigene Hymne zu schreiben.

Sich für Europa zu engagieren, liegt ihm am Herzen, da er und seine Familie selbst die europäische Idee leben. Seine Frau ist Spanierin, sie haben zwei Söhne, 4 und 8, die beide Spanisch sprechen und in zwei Kulturen aufwachsen. Als Lehrer, sagt er augenzwinkernd, habe man ja viel Ferien, da fahre er mit seiner Familie häufig nach Spanien. Seit vier Jahren wohnt Wolf Bütow in Freiburg, seine Frau hat er in Heidelberg während seines Politik- und Jurastudiums kennengelernt. Lange war Bütow in der Politik aktiv, hat für den Bundestagsabgeordneten der SPD, Hermann Scheer, gearbeitet und ihn 1998 im Wahlkampf unterstützt. "Irgendwann habe ich gemerkt, dass die offizielle Politik nicht mein Platz ist und dass ich lieber mit jungen Menschen arbeiten möchte, bei denen noch nicht alles so festgefahren ist", erzählt Bütow, der mit seinen Turnschuhen, Jeans und Rucksack selbst noch jugendlich wirkt. Bütow ist auch studierter Musiker, hat in einem Orchester Geige gespielt und wollte anfangs Orchestermusiker werden. Das schien ihm dann jedoch zu einseitig.

Seit 15 Jahren ist er Lehrer. Die Waldorfschule in St. Georgen stellte ihn vor vier Jahren zunächst als Musiklehrer ein, die Politik kam später hinzu. "Die Schülerschaft ist sehr politisch. Sie hat sich stark dafür eingesetzt, dass die Schule Politikunterricht anbietet".

Für die Aufführung des Songs hat Bütow engagierte Schüler seiner Schul-Bigband gefragt, von denen er wusste, dass sie zur Kundgebung auf den Augustinerplatz gehen wollten. "Die waren gleich begeistert." Die Jungs haben ihn am Klavier sowie mit Trompete und Percussion begleitet, Bütow sang und spielte Ukulele. Beim nächsten Auftritt am kommenden Sonntag werden Keyboarder und Schlagzeuger dabei sein.

"Und auch die Teilnehmer sollen mitsingen", sagt Bütow, der sein Lied mehrstimmig angelegt hat. Die Strophen thematisieren die aktuellen Bedrohungen Europas auseinander: "Es tönt aus Dresden und Paris, es lärmt in Holland – besonders fies – und dröhnt in London und Budapest, gestern Amerika, morgen der Rest?" Der englische Refrain besingt die europäische Integration. Vor jedem Refrain symbolisiert eine Bodypercussion den Herzschlag Europas. Dazwischen eingestreut ist die Europahymne: Freude schöner Götterfunken. "Die sollen dann alle mitsingen".

Ein Zeichen für die Demokratie setzen

Der Pädagoge möchte ein Zeichen für Europa und die Demokratie setzen. Als freier Musiker, der mit einem Freund den Musikverlag Spezial Edition gegründet hat, komponiert er regelmäßig politische Protestsongs, die er auch in seinem Unterricht behandelt. "Ich möchte, dass die nächste Generation in Frieden leben kann", sagt Bütow. Vor allem die Lage in Frankreich beunruhigt ihn. Seine Frau unterstützt sein Engagement, auch wenn er nach so mancher kreativen Nachtschicht im Familienalltag schwächelt. Sein vierjähriger Sohn singe derzeit ständig den "Pulse of Europe"-Song auf dem Spielplatz, erzählt Bütow. "Da wusste ich, okay, der Song funktioniert."

"Pulse of Europe" – Kundgebung für Europa auf dem Augustinerplatz am Sonntag, 5. März, ab 14 Uhr