Vereint im Verein

Die Freiburger Mundartgruppe will badischer Mundart eine Bühne bieten

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Do, 25. Oktober 2018 um 12:27 Uhr

Freiburg

Es gibt sie seit 1958: In diesem Jahr feiert die Freiburger Mundartgruppe 60. Jubiläum. Im Jubiläumsjahr spielen sie ihr neues Stück "Liebeslust statt Ehefrust".

Dass es sie gibt, verdanken sie dem damaligen Handharmonika- und Akkordeonclub: Zu dessen 30-jährigem Bestehen sollte 1958 ein Theaterstück aufgeführt werden. Als Elfriede Dierkes, deren Vater den Vorläufer der Alemannischen Bühne gegründet hatte, die Regie übernahm, entstand die Freiburger Mundartgruppe. Nun ist sie, die in der May-Bellinghausen-Halle probt, 60 Jahre alt und plant ein eigenes Stück für das Freiburger Stadtjubiläum.

Das blaue Sofa muss auf die Bühne, die Bilder und Regale sollen weg: Alle packen mit an, bevor es nach einer Pause mit dem dritten Akt weitergeht. Unten vor der Bühne sitzt der Regisseur Olaf Creutzburg, er schaut konzentriert zu und gibt manchmal Tipps: "Noch lauter!" ruft er und heult zur Untermalung extra übertrieben mit, als sich Vanessa Rauber als Rosa und Silvia Gerber als Gisela Eiermann weinend in die Arme fallen.
Freiburger Mundartgruppe

Gegründet: 1958.
Mitglieder: 25 konstant, rund 45 sporadische Helferinnen und Helfer.
Angebot: Proben in der May-Bellinghausen-Halle in Haslach; Aufführungen von Mundart-Stücken an verschiedenen Orten in Freiburg und Umgebung (siehe Info-Box rechts); außerdem Kontakte nach Colmar, Hamburg und zum Verein der Badener in Berlin, gelegentlich finden auch an diesen Orten Aufführungen statt.

Mitgliedsbeitrag: keiner.
Kontakt: Tel. 0761/4762378, freiburger-mundartgruppe.de

Ernsthaft traurig wird es im derzeitigen Stück "Liebeslust statt Ehefrust" von Hans Schimmel natürlich nicht, dafür gibt’s viele Verwicklungen und den für Boulevardtheaterstücke typischen Humor – und alles in Mundart. Ab und zu hat aber auch jemand, der den Dialekt nicht spricht, eine Chance auf eine Rolle: So ging’s Patrick Grober (29), als er vor sechs Jahren über die Tochter des Vorsitzenden Hansjörg "Hansi" Laufer erst als Helfer an der Theke bei Aufführungen und dann als Schauspieler dazu kam. Damals wurde ein junger Anwalt gesucht, der Hochdeutsch sprechen durfte.

Bald hatte Patrick Grober, der aus der Pfalz stammt, aber keine Probleme mehr mit den Mundart-Texten: Er lernt das Alemannisch auswendig, schwierig wird es höchstens bei spontanen Einlagen. Mittlerweile ist er der stellvertretende Vorsitzende und genießt es, als Ausgleich zu seinem Job im Vertrieb auf der Bühne zu stehen. Und er schätzt die Gemeinschaft in der altersmäßig sehr gemischten Truppe.

Zu den Ältesten gehören das Ehepaar Dieter (89) und Charlotte (83) Kottler, die in den 1980ern dazu kamen, eine Zeitlang auch ihren Sohn mit einspannten und nun seit vier Jahren durch ihren 26-jährigen Enkel Maximilian Kottler verstärkt werden. Und das, obwohl Dieter Kottler anfangs gar nicht selbst auf die Bühne wollte, sondern zunächst nur koordinierend einsprang. Durch eine kleine Rolle im Stück "Der selige Florian" fand er dann doch Geschmack am Schauspielern und hat damit nicht mehr aufgehört.

Die Mundart ist allen sehr wichtig

Charlotte Kottler ist meist fürs Soufflieren zuständig, aber auch sie musste mal einspringen, als es eine Notlage gab: Als am Morgen eines Aufführungstages bekannt wurde, dass Elfriede Dierkes wegen einer Erkrankung ausfiel, übernahm sie deren Rolle. "Ich war überhaupt nicht vorbereitet", erzählt sie, "danach sagten alle zu mir: So blass warst du noch nie."

Doch irgendwie ging es – immerhin kannte sie die Texte vom Soufflieren ziemlich gut und war bei allen Proben dabei gewesen. Ganz klar ist, dass allen die Mundart sehr wichtig ist. Das gilt auch für Daniele Gauger (59), die zum ersten Mal bei einer Produktion der Freiburger Mundartgruppe dabei ist: "Der badische Dialekt stirbt aus." Das will sie verhindern. Theatererfahrung bringt sie reichlich mit, sie ist seit 25 Jahren bei einer Laienspielgruppe in Bollschweil und war mehrmals Statistin im Fernsehen, bei "Tatort"-Krimis und in der Serie "Tiere bis unters Dach". Schauspielbegeistert ist sie, seit sie als Siebenjährige beim Märchen von den "Bremer Stadtmusikanten" die Katze gespielt hat. "Seitdem weiß ich, dass ich auf die Bühne muss."

Im Vergleich zum Fernsehen bevorzugt sie das Theater: "Das macht mehr Spaß, da geht alles spontan – beim Fernsehen dreht man stundenlang immer wieder dieselbe Szene." Von der Freiburger Mundartgruppe ist sie begeistert: "Es ist eine tolle Truppe."
Die Auftrittstermine

Noch bis Mitte März 2019 ist die Freiburger Mundartgruppe mit "Liebeslust statt Ehefrust " auf Tour. Der Eintritt kostet 13 Euro. Telefonische Vorbestellungen sind möglich unter  0761/ 4762378. Zudem gibt es in der Regel einen Vorverkauf in örtlichen Läden. Einlass und Bewirtung immer mindestens eine Stunde vor dem Start.
Landwasser: Sonntag, 28. Oktober, 16 Uhr, im Gemeindesaal von St. Petrus Canisius, Auwaldstraße 94 c (Bewirtung durch den Bürgerverein Landwasser).
Haslach: An den Samstagen 3., 10., 17. und 24. November, je 20 Uhr, sowie am Sonntag, 18. November, ab 16 Uhr in der May-Bellinghausen-Halle, Staufener Straße 3, sowie am Samstag, 9. Februar, 20 Uhr, und am Sonntag, 10. Februar, 16 Uhr (Bewirtung: Freiburger Mundartgruppe).
Zähringen: Samstag, 19. Januar 2019, 20 Uhr, im Bürgerhaus Zähringen, Lameystraße 2 (Getränke und kleine Speisen im Foyer).
March-Buchheim: Samstag, 2. Februar, 20 Uhr, in der Festhalle, Sportplatzstraße 9 (Bewirtung: Gemischter Chor Hugstetten).
Betzenhausen: Samstag, 16. März, 20 Uhr, im Bürgerhaus Seepark, Gerhart-Hauptmann-Straße 1 (Getränke und kleine Speisen im Foyer).