BZ-Interview

Motel-One-Gründer: "Mit neuen Hotels kommen auch zuätzliche neue Übernachtungsgäste"

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Sa, 14. Oktober 2017

Freiburg

Seit September ist das Motel One in Betrieb, am Donnerstag war die offizielle Eröffnung. Holger Schindler hat sich mit Firmengründer und Geschäftsführer Dieter Müller über die Hintergründe dieser Entwicklung unterhalten.

Seit September ist das Motel One in Betrieb, am Donnerstag war die offizielle Eröffnung. Holger Schindler hat sich mit Firmengründer und Geschäftsführer Dieter Müller über die Hintergründe dieser Entwicklung unterhalten.

BZ: Herr Müller, mit 252 Zimmern und 380 Betten betreiben Sie nun das größte Hotel in Freiburg. Fast zeitgleich sind vier große neue Kettenhotels entstanden, weitere werden noch dazu kommen. Der Hotel- und Gaststättenverband befürchtet Überkapazitäten. Wie sehen Sie das?
Müller: Dieser Ansicht bin ich nicht. In Freiburg hat sich über längere Zeit bei der Zahl der Hotelbetten wenig getan, während die Übernachtungszahlen laufend gestiegen sind. Dass nun mehrere neue Häuser quasi gleichzeitig eröffnen, hat sich eben so ergeben. Im Übrigen bin ich sicher, dass der Markt den Bettenzuwachs spätestens mittelfristig absorbieren wird. Mit den neuen Hotels kommen auch zusätzliche neue Übernachtungsgäste hinzu. Insgesamt belebt sich die Angebotsseite, während man sich in der Branche zuletzt vielleicht etwas ausgeruht hat. Die Gäste kamen ja ohnehin.
BZ: Ihre Hotelierkollegen sind also träge geworden?
Müller: Das könnte man durchaus so ausdrücken. Erfahrungsgemäß geht die Neigung zu investieren in einem Marktumfeld, wie es in Freiburg über längere Zeit geherrscht hat, zurück. Ich hoffe, dass wir mit unserem Konzept auch zur Inspiration beitragen. Es gab in Deutschland offenbar eine Lücke im Budget-Bereich. Dabei übernachtet jeder gerne günstig.
BZ: Sie setzen auf ein Konzept, das niedrige Preise mit Design kombinieren soll. Wie halten Sie die Preise niedrig?
Müller: Der entscheidende Faktor ist die Zimmergröße. Unsere Doppelzimmer sind im Schnitt 16 Quadratmeter groß, weniger als bei vielen anderen Anbietern. Aber wir sagen: Für einen Kurzaufenthalt ist das ausreichend. Zudem verzichten wir beispielsweise auf Telefone und Minibars in den Zimmern, denn jeder hat ein Handy und unsere Hotelbar ist für Gäste durchgehend geöffnet. Das senkt die Kosten. Dennoch achten wir auf gutes Design.
BZ: Der Frühstücksraum wirkt etwas klein. Gibt’s genug Platz für die Gäste?

Müller: Wir rechnen je Zimmer mit 1,4 Quadratmetern öffentlicher Fläche, wozu auch der Frühstücksbereich gehört. Zu Stoßzeiten kann es da leider ausnahmsweise mal vorkommen, dass die Stühle nicht für alle reichen. Aber kein Hotel hat so viele Stühle wie maximal Gäste beherbergt werden können.
BZ: Sparen Sie auch beim Personal?
Müller: Wir bezahlen unsere Mitarbeiter in Deutschland mindestens gemäß Branchentarifvertrag. Hinzu kommen Prämien von bis zu 30 Prozent, die an positive Gästebewertungen gekoppelt sind. Das trifft auch für unsere 25 Mitarbeiter in Freiburg zu. Das Reinigungspersonal kommt allerdings von einem Dienstleister, was aber in der Branche nicht unüblich ist. Den finalen Check der Zimmer machen aber anschließend die Hausdamen von Motel One.
BZ: Ihre Eigenkapitalrendite lag zuletzt, ohne Sondereffekte, bei rund 18 Prozent, ihre Eigenkapitalquote bei 72 Prozent. Beides ist ungewöhnlich hoch.
Müller: Als wir im Jahr 2000 das Unternehmen gegründet haben, konnten wir auf Mittel aus dem Verkauf der Astron-Hotelkette zurückgreifen, die wir davor aufgebaut hatten. Hinzu kamen weitere Eigenkapitalgeber, wie etwa SAP-Mitgründer Dietmar Hopp, dessen Anteile seither an seine Söhne übergegangen sind. Wir sind also relativ unabhängig von Krediten. Stattdessen finanzieren wir das Wachstum aus den laufenden Erträgen und verzichten in diesem Umfang auf Gewinnausschüttungen. Alle unsere Häuser werfen derzeit Geld ab.
BZ: Wie lange soll das Wachstum noch so weitergehen?
Müller: Wie haben keine quantitativen Wachstumsziele. Neue Häuser eröffnen wir nur dann, wenn wir Standorte finden, die unsere hohen Anforderungen erfüllen. Dazu prüft ein sechsköpfiges Team laufend Angebote, von denen wir vielen absagen. Der Fokus liegt nun zunächst auf der Entwicklung in Europa. Aber auch in Deutschland wachsen wir weiter. In Karlsruhe steht zum Beispiel eine Eröffnung bevor. Langfristig ist auch eine Expansion in Asien und Amerika denkbar.

Dieter Müller (63) hat bei BMW eine kaufmännische Ausbildung absolviert. Es folgte eine Anstellung bei der französischen Accor-Hotelgruppe. 1987 war er Mitbegründer der Astron-Hotelgruppe, die er an die NH-Gruppe veräußerte. Im Jahr 2000 gründete Müller die Motel-One-Gruppe.