Arbeitsmarkt

Die Jobmesse Regio Career in Freiburg stößt auf großes Interesse - auch bei Franzosen

Petra Völzing

Von Petra Völzing

Di, 28. Juni 2016

Freiburg

Schweizer Unternehmen waren auf der Messe für junge Ingenieure nicht vertreten, und nur eine französische Firma präsentierte sich. Doch das Publikum kam von beiden Seiten des Rheins.

Nach der Premiere 2014 hat der Verein Deutscher Ingenieure (VDI), Bezirksverein Schwarzwald, erneut die Jobmesse Regio Career auf die Beine gestellt. Mit im Organisationsteam waren die elsässische Partnerorganisation Arisal und der Freiburger Engineering- und IT-Dienstleister Ferchau. Die Veranstaltung versteht sich als Kontaktplattform für Unternehmen und potenzielle neue Mitarbeiter – insbesondere Ingenieure, Techniker und Informatikfachkräfte.

Im Foyer des Konzerthauses ist am Samstagmorgen schon vor dem offiziellen Messestart einiges los. Mehr als 25 Unternehmen aus der Region haben ihre Stände aufgebaut, und an vielen Stellen sind Standmitarbeiter und Messebesucher bereits in angeregte Gespräche vertieft, sodass die offizielle Eröffnung von den meisten nur am Rande wahrgenommen wird. Organisator Patrick Schmoll von Ferchau ist recht zufrieden. Nach seiner Einschätzung hat so eine Messe in der Region lange gefehlt. "Es gibt natürlich zahlreiche Absolventenmessen", sagt er, die Regio Career sei aber ausdrücklich auch eine Plattform für Fach- und Führungskräfte mit Berufserfahrung.

Vom grenzüberschreitenden Charakter der Messe, den Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer in ihrem Grußwort beschworen hatte, ist, zumindest von Unternehmensseite, nicht viel zu spüren. Aus Frankreich präsentiert sich nur ein einziges Unternehmen. Frima sitzt im elsässischen Wittenheim und stellt Geräte für Großküchen her. "Wir suchen hier vor allem Ingenieure für unsere Entwicklungsabteilung", sagt Mitarbeiter Bernd Grund, der selbst Deutscher ist. Gute Kräfte seien auch in Frankreich nicht so einfach zu finden. Er selbst ist relativ neu in der Firma und hat sich ganz bewusst für Frankreich entschieden: "Ich finde es wichtig, auch im Ausland Erfahrungen zu sammeln", meint er.

Schweizer Betriebe sparen sich einen Auftritt

Aus der Schweiz hat überhaupt keine Firma den Weg nach Freiburg auf sich genommen. "Die Schweizer Unternehmen haben es nicht nötig, Werbung für sich zu machen", sagt Richard Zahoransky, Vorsitzender des VDI-Bezirksvereins. Dass aber auch die Franzosen nicht kommen, liegt nach Einschätzung von VDI-Schatzmeister Dieter Schlegel unter anderem daran, dass diese sich auf Jobmessen in Frankreich kostenlos präsentieren könnten – was in Freiburg nicht der Fall sei.

Unter den Besuchern sind allerdings einige französische Stimmen zu hören. Vincent Mathieu ist mit seinem Onkel Louis Lang gekommen. Der junge Maschinenbauingenieur macht gerade ein Praktikum bei Schaeffler in Lahr. "Ich möchte gerne in der deutschen Automobilindustrie arbeiten", sagt er, deshalb hat er auch Deutsch gelernt. Sein Onkel ist Techniker. Er hat seinen Job in Frankreich verloren und sucht nun einen neuen Arbeitgeber. "In Deutschland sind Techniker höher angesehen als in Frankreich", sagt er – und man verdiene auch mehr.

Richard Zahoransky sieht das zum Teil anders: "Der Ingenieurberuf hat in Deutschland kein gutes Image", sagt er. Zudem würden erfahrene Ingenieure schlechter bezahlt als etwa Ökonomen und Juristen in Unternehmen. Nach Zahoranskys Einschätzung liegen hier die Gründe für die Nachwuchsprobleme.