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29. August 2016 20:30 Uhr

Freiburg

Die Kettenhotels kommen – und könnten zur Bedrohung für kleine Betriebe werden

Vier neue Kettenhotels mit 1400 Hotelbetten eröffnen nächstes Jahr in Freiburg. Obwohl die Gästezahlen unverändert hoch sind, könnten die neuen Hotels eine bedrohliche Konkurrenz für die alteingesessenen werden – zumindest für die, die nicht genug fürs Geld bieten.

  1. Im Rohbau: „Hampton by Hilton“ belegt den Eckbau, „Super 8“ liegt direkt links daneben. Foto: Michael Bamberger

  2. So soll ein Zimmer im „Hampton by Hilton“ aussehen. Foto: Primestar

An der Ingeborg-Krummer-Schroth-Straße auf dem Güterbahngelände haben die Handwerker den Rohbau bereits hochgezogen, jetzt geht’s an den Innenausbau: Hier an der B 3 wird im Frühjahr nächsten Jahres ein "Hampton by Hilton"-Hotel mit 175 Zimmern eröffnen.

Wie das rund 16 Millionen Euro teure Mittelklassehotel gebaut und betrieben wird, ist typisch Kettenhotel. Bauherr des Gebäudes – zu dem direkt daneben auch ein günstiges "Wyndham Super 8"-Hotel gehört – ist das Hamburger Unternehmen Revitalis Real Estate AG; später wird die Patrizia Immobilien AG das Gebäude in einen ihrer Immobilienfonds übernehmen. Betrieben wiederum wird das Hotel vom Unternehmen Primestar, das es gepachtet und einen 20-jährigen Mietvertrag abgeschlossen hat.

In Freiburg gibt es bislang nur wenige Kettenhotels, anders als in den großen Städten

Primestar ist Franchisenehmer der Hotelkette Hilton – die betreibt also das Freiburger Hotel nicht selbst, sondern "vermietet" aus steuerlichen Gründen quasi nur ihren Namen und ihr Markenkonzept. Das heißt: Von der Klimaanlage bis zur Serviettenfarbe wird alles so sein, wie sich Hilton das wünscht. Zimmerpreise: unter 100 Euro für ein Doppelzimmer mit Frühstück.

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Wolfgang Gallas ist Geschäftsführer von Primestar und überzeugt, dass sich der Hotelmarkt Richtung Kettenbetriebe verschieben wird. Dieses Geschäftsmodell boomt – deutschlandweit und auch in Freiburg. "Wir kommen hierher, weil Freiburg einen interessanten Gäste-Mix bietet, weil es eine Messe hat und die Stadt attraktiv und gut zu erreichen ist", so Gallas. Auch das geplante neue SC-Stadion sei ein Standortfaktor. Und: In Freiburg gibt es bislang nur wenige Kettenhotels, anders als in den großen Städten.

Deshalb gehen neben "Hampton by Hilton" und "Super 8" auch das "Motel One" am Siegesdenkmal und das "Holiday Inn Express" an der Heinrich-von-Stephan-Straße 2017 an den Start – insgesamt 1400 neue Hotelbetten. Auch das geplante Hotel auf dem Volksbank-Gelände soll 300 Betten bekommen; derzeit sind es 100 im "Rheingold".

Familienhotels brauchen Unverwechselbares

All diese Betten kommen zu den bestehenden 5200 hinzu, und von diesen stehen mehr als die Hälfte in inhabergeführten Familienhotels. Eines davon ist das "Hotel Barbara" an der Poststraße. Geschäftsführer Josef Dold sieht die neue Konkurrenz eher gelassen, denn sein Haus, sagt er, biete Unverwechselbares: eine hervorragende Lage, einen der wenigen Innenstadtgärten und einen klaren Freiburg-Bezug, von dem Zimmernamen bis zum extra gefertigten Stadtführer für die Hosentasche. Um die Auslastung macht er sich weniger Sorgen, aber, so Dold, "die Zimmerpreise werden so nicht zu halten sein". Ein Doppelzimmer kann man im "Hotel Barbara" von 114 bis 156 Euro pro Nacht buchen, "mal schauen, wie sich das entwickelt".

Die neuen Kettenhotels bringen allerdings auch eigenes Publikum mit – vor allem Amerikaner und Engländer gelten als markentreu und buchen ihren Aufenthalt oft nach dem Hotelstandort. Zudem haben Kettenhotels Verträge mit Reiseagenturen, die wiederum Kunden bringen.

"Kleine Hotels mit Charme werden überleben." Wolfgang Gallas
Bernd Dallmann, Chef der Freiburg Wirtschaft Touristik Messe, rät den rund 40 Familienhotels in Freiburg, etwas Besonderes anzubieten und den persönlichen Kontakt zu den Gästen zu pflegen. Beispiele, wie das aussehen könnte, seien das "Hotel Victoria" an der Eisenbahnstraße mit seiner konsequent ökologischen Ausrichtung oder das "Park Hotel Post" gegenüber, das mit "Kunst und Literatur am Colombipark" wirbt. Hotelbetriebe mit weniger eindeutigem Profil müssten Konkurrenz vor allem von dem preisgünstigen Budget-Design-Hotel "Motel One" fürchten, bei dem ein Doppelzimmer für knapp 80 Euro zu haben ist. Das sieht auch Wolfgang Gallas, der neue Mitspieler am Markt, so: "Kleine Hotels mit Charme werden überleben." Und: "Am Ende entscheidet der Kunde."

Autor: Simone Lutz