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30. Juni 2015

Embex-haus erhält Zertifizierung

Wie Öko sind Öko-Büros?

Embex-Haus erhält Nachhaltigkeitszertifikat, FWTM erntet Kritik für ihre Neubau-Pläne.

  1. Freudige Gesichter vor dem Embex-Haus (von links): Christine Lemaitre (DGNB), Martin Lauble (Strabag), Annette und Jürgen Wiegand (Embex) und Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag. Foto: Ingo Schneider

Das Embex-Haus an der Bahnhofsachse – benannt nach dem Hauptmieter, der Firma Embex – hat kräftig vorgelegt, was den Ökostandard angeht. Das Bürogebäude, entwickelt und gebaut von Strabag Real Estate und nun im Besitz der Bayer-Pensionskasse, hat von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) als erstes Gebäude in Freiburg die Zertifizierung in Silber erhalten. Dafür waren viele Vorgaben zu erfüllen. Dass die städtische Wirtschaftsförderung FWTM bei ihrem geplanten Neubau an der Messe nicht derart öko bauen will, sorgt beim Grünen-Stadtrat Eckart Friebis für Entrüstung.

Weniger kritisch als Friebis scheint Baubürgermeister Martin Haag. Der sagte beim Festakt anlässlich der Embex-Auszeichnung, dass sich die Stadt in puncto ökologisches Bauen weiterhin als Vorbild sehe, auch wenn sie zurzeit keine Zertifizierung anstrebe. Um so erfreuter sei er, dass auch Projektentwickler und Unternehmen, wie in diesem Falle die Strabag, Nachhaltigkeitsaspekte bei ihren Bauvorhaben ernst nähmen und umsetzten.

Dem Embex-Haus sieht man nicht gleich an, was in ihm steckt. Für den Bau wurden die üblichen Materialien verwendet – ein moderner Block aus Glas, Beton und Stahl, auf den ersten Blick ziemlich konventionell. "Wir haben nur zertifizierte Materialien verwendet, die emissions- und geruchsarm sind und außerdem eine gute Ökobilanz haben", betont jedoch Martin Lauble, Bereichsleiter Freiburg bei Strabag Real Estate. Gekühlt und geheizt wird ressourcenschonend mit Grundwasser und einer Wärmepumpe.

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Für die Vergabe des Zertifikats spielen nicht nur ökologische Aspekte eine Rolle. "Wir wollen, dass Ökologie und Wirtschaftlichkeit sinnvoll und ausgewogen berücksichtigt werden", erläutert Christine Lemaitre, Geschäftsführerin der DGNB.

In Sachen Wirtschaftlichkeit punktet das Embex-Haus vor allem mit einer hohen Flächeneffizienz. "Das bedeutet, dass es zum Beispiel sehr wenig Dunkelbereiche gibt und dass alle Flächen sehr flexibel nutzbar sind", erklärt Lauble. Geschulte Auditoren des DGNB haben das Projekt bereits während der Planungsphase begleitet. "Wir schreiben keine Maßnahmen vor", betont Lemaitre. Vielmehr baue man auf die Planungsqualität. Und dabei sei es wichtig, Freiraum zu lassen. "Natürlich bewerten wir es ökologisch höher, wenn in einem Gebäude viel Holz verwendet wird", erklärt sie, aber es müsse natürlich schon in der Planungsphase sichergestellt werden, dass dies im Einzelfall auch sinnvoll sei und zum Beispiel den Betrieb des Hauses nicht unangemessen verteuere.

"Hier schießt Herr Friebis

doch ein bisschen weit über das Ziel hinaus."

FWTM-Chef Bernd Dallmann
Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ist als Verein mit Sitz in Stuttgart organisiert und besteht seit 2007. Bislang hat sie weltweit um die 900 Häuser zertifiziert. Dabei spielen sechs Themenfelder eine Rolle: Ökologie, Ökonomie, soziokulturelle und funktionale Aspekte, Technik, Prozesse und Standort. Um den Gedanken des nachhaltigen Bauens auch in die Breite zu tragen, ist inzwischen auch die Zertifizierung von ganzen Quartieren möglich, für die noch andere Kriterien gelten.

Dass die FWTM bei ihrem geplanten 20-Millionen-Euro-Neubau an der Messe (die BZ berichtete) nicht nach so hohen Ökostandards bauen will, wurmt Grünen-Stadtrat Eckart Friebis enorm. "Und dies sogar, obwohl seitens der Grünen-Aufsichtsratsmitglieder nachdrücklich darauf gedrängt wurde", so Friebis in einer Pressemitteilung zum Thema.

FWTM-Chef Bernd Dallmann zeigte auf Anfrage der BZ kein Verständnis für die Vorwürfe und den Appell von Friebis, die Ökostandards doch noch zu erhöhen. "Hier schießt Herr Friebis doch ein bisschen weit über das Ziel hinaus", so Dallmann. Das neue FWTM-Gebäude mit 7300 Quadratmetern Nutzfläche, das 2017 fertig sein soll, sei ein "Haus der ökologischen Vernunft". Es erfülle alle Freiburger Standards für Bürogebäude, etwa den Effizienzhaus-Standard 70. "Das Ganze muss wirtschaftlich noch darstellbar sein, zumal schon Mietverträge unterschrieben sind." Die FWTM favorisiere stattdessen den geplanten "Green City Tower" auf dem Güterbahnhof-Areal als neuen Vorzeige-Bürokomplex.

Autor: Petra Völzing und Holger Schindler