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14. Oktober 2009 18:21 Uhr
Rundfahrt
Die lautesten Stellen in Freiburg
Über 65 Dezibel kann Lärm die Gesundheit schädigen. Das zeigte sich bei einer Rundfahrt durch die Stadt. Nach zwei Stunden klingelten den Teilnehmern die Ohren.
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Laut: Der Autobahnzubringer Mitte. Foto: Michael Bamberger
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Gut 70 Dezibel werden beim Freiburger Konzerthaus gemessen. Foto: Michael Bamberger
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Gut 70 Dezibel werden beim Freiburger Konzerthaus gemessen. Foto: Michael Bamberger
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Die Teilnehmer der Lärmfahrt. Foto: Michael Bamberger
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Die Schwarzwaldstraße ist für 75 Dezibel gut. Foto: Michael Bamberger
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B 31 Richtung Autobahn. Foto: Michael Bamberger
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Laut: Die B31 bei der Brauerei Ganter. Foto: Michael Bamberger
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Straßenverkehr ist auch in Freiburg eine zentrale Lärmquelle. Foto: Michael Bamberger
"Fortissimo: Eine Rundfahrt zu den lautesten Orten der Stadt" fand im Rahmen der Reihe "Nachhaltigkeit als Lebenskunst" statt. Und fortissimo, also "sehr laut", war es wirklich: Mit einem Bus fuhren Theo Lais, Lärmschutzingenieur des Garten- und Tiefbauamts, und Thomas Dresel vom Umweltschutzamt der Stadt lärminteressierte Besucher an drei ausgesprochen laute Straßen. Den Fahrgästen sollte so ein Gefühl für Lärm vermittelt werden, den sie sonst im Auto nicht mitbekommen würden.
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Los ging die Lärmfahrt vor dem Konzerthaus an der Bismarckallee, die es auf dem Messgerät von Theo Lais auf gute 70 Dezibel brachte. Das ist laut. Ab einer Dauerbeschallung von 65 Dezibel kann es gesundheitsschädigend werden, erklärte Lais. "Hier hält sich niemand freiwillig auf," rief Thomas Dresel den Besuchern über den Lärm hinweg zu, "außer Skateboardern an der Wiwilibrücke."
Lange wollten die zehn Besucher der Fahrt hier auch nicht bleiben und forderten, dass weitere Erklärungen zur Messung von Straßenlärm im Bus und nicht auf der Straße vorgetragen werden sollten. Dem wurde zähneknirschend stattgegeben, auch wenn es Dresels pädagogischem Konzept der Fahrt widersprach. Denn die Besucher sollten bewusst mit Lärm genervt werden: "Es geht bei dieser Veranstaltung ja auch darum zu lernen, dass Verkehrslärm nicht nur die anderen machen, sondern auch wir selbst."
Und im Bus wurde klar – der Mensch macht nicht nur Straßenlärm. Auf dem ersten Fahrtabschnitt spielte Dresel den Mitreisenden als weiteren Teil seines pädagogischen Konzept lautstarke Basler Narrenmusik vor: "Die ist locker so laut wie der Verkehr, aber absichtlich gemacht." Die Besucher, von denen sich einige als "sehr lärmempfindlich" beschrieben, bekamen aber auch nach Verlassen des Busses Einiges auf die Ohren. An der Schwarzwaldstraße (ungefähr 75 Dezibel) erklärte Theo Lais vor vorbei strömendem Verkehr die unterschiedlichen Möglichkeiten zum Schallschutz und wie der aufmerksame Bürger selbst Lärm vermeiden könne: "Ein Auto, das mit einer Drehzahl von 4000 fährt, ist so laut wie 32 Autos, die mit einer Drehzahl von 2000 fahren. Also: In Tempo 30-Zonen immer in den dritten Gang schalten!"
Am dritten Lärmpunkt, dem Zubringer Mitte, machten sich beim Publikum erste Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Im Herbst- und Fahrtwind fröstelnd stand die Gruppe auf dem Betzenhauser Steg und lies sich bei 74 bis 77 Dezibel und unter den Blicken irritierter Jogger das Pro und Contra von Flüsterasphalt erklären (der frisst drei Dezibel – genau den Lärmunterschied, den das menschliche Ohr ausmachen kann). Danach wollten alle nur noch nach Hause. Auf die Frage, ob man nun zum Abschluss dem Lärm der Basler Straße lauschen oder lieber zurück zum Konzerthaus wolle, entschied sich die Gruppe geschlossen für die zweite Option. Zwei Stunden Straßenlärm und Narrenmusik waren dann doch zu viel.
"Ich hatte vorher gedacht, Freiburg sei eine eher leise Stadt", so Mitfahrerin Jutta Weidener. "Das möchte ich jetzt revidieren." Im bundesweiten Vergleich sei Freiburg aber schon eher leise, betonte Theo Lais auf der Rückfahrt und fasste noch einmal die Botschaft des Ausflugs zusammen: "Lärm ist auch immer eine Frage der Einwirkzeit und der persönlichen Verfassung." Der Rest ist Schweigen.
Interaktiver Stadtplan: Lärmbrennpunkte zum Anklicken
Autor: Friederike Reussner


