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17. November 2008

Die südbadische Währungsreform

Seit Samstag kann man in Freiburg und Umgebung mit der Alternativwährung Freitaler zahlen – aber nur in ein paar Geschäften.

Der Euro hat einen Kollegen bekommen – oder einen Konkurrenten, wie auch immer man es sieht. Am Samstag um 11 Uhr fiel der Startschuss für die regionale Zweitwährung Freitaler, die in Zukunft in Freiburg und im Umland zusätzlich zum Euro zirkulieren wird. Im Café Domino an der Konviktstraße feierten die Verantwortlichen des Freitaler-Vereins, der das neue Regiogeld erdacht hat und in Umlauf bringt, mit rund 30 Unterstützern und Gewerbetreibenden die südbadische Währungsreform.

Zunächst kamen rund 1200 Freitaler in Umlauf, und zwar in Form von blauen 1-Freitaler-Scheinen (Motiv: Martinstor), gelb-orange 5-Freitaler-Scheinen (Motiv: Rathaus) sowie grünen 10-Freitaler-Scheinen (Motiv: Historisches Kaufhaus). Weitere Noten sind in Vorbereitung. Diese Freitaler entsprechen im Wert zwar genau dem Euro, haben aber zwei besondere Eigenschaften, die sie nach Auskunft von Jens Mannheim vom Freitaler-Verein für die regionale Wirtschaft und Menschen in der Region besonders förderlich machen. Erstens: Freitaler verschwinden nicht aus der Region. Weil nur Gewerbetreibende, Freiberufler und Unternehmen aus Freiburg und dem Umland Freitaler annehmen, fließt die neue Freitaler-Kaufkraft nicht in Form von Gewinnen, Zinsen, Steuern oder sonstigen Zahlungsvorgängen woandershin ab. Solange Freitaler nicht in Euro zurückgetauscht werden, was allerdings jederzeit möglich ist, bleiben die Freitaler stets der Region als Zahlungsmittel erhalten. "Das stärkt die Wirtschaftskreisläufe hier vor Ort", so Jens Mannheim. Zweitens: Anders als Euro weisen Freitaler eine Art Verfallsdatum auf. Die am Samstag ausgegebenen 5-Freitaler-Scheine etwa müssen erstmals zum 1. April 2009 mit einer 10-Cent-Klebemarke wieder "aktiviert" werden, damit sie weiter nutzbar sind, und danach alle drei Monate. Jens Mannheim: "Das erhöht die Umlaufgeschwindigkeit und damit die wirtschaftliche Aktivität." Die CDU-Stadträtin Ellen Breckwoldt nannte den Freitaler ein "interessantes Projekt", das vor allem den kleinen und mittleren Firmen zu Gute komme, und will im Gemeinderat ausführlich davon berichten."

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Anreiz zum Umtausch ist ein zehnprozentiger Bonus. Für zehn Euro gibt es also elf Freitaler. Bei einem eventuellen Rücktausch gibt es allerdings für zehn Freitaler auch nur neun Euro. Die erste Freitaler-Ausgabestelle ist das Café Domino, bald schon sollen in allen Stadtteilen weitere hinzukommen. Bisher nehmen rund drei Dutzend Unternehmer die Zweitwährung als Euro-Ersatz an, unter anderem die Café-Domino-Wirtin Gudrun Johner, der Gastronom Toni Schlegel (mit Webers Weinstube), die Betreiberinnen des Black-Forest-Hostels Corinna Schusser und Tania Rittershaus, der Friseur Andreas Sturm, die Firma Elektro-Müller und die Akkordeon-Werkstatt Maurer.

Weitere Unternehmer als Teilnehmer seien hochwillkommen, sagte Johannes Weiermann, der Chef des Freitaler-Vereins. Laut Ralf Becker vom Regiogeld-Bundesverband, dem 60 Regiogeld-Initiativen im deutschsprachigen Raum angehören, könnte fast ein Drittel der Wirtschaftsleistung mittels Regiogeldern abgewickelt werden.

Infos: http://www.freitaler.org www.regiogeld.de.

Autor: Holger Schindler