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23. Januar 2009

Die Wendung zum Positiven

ZU GAST IN FREIBURG: Bundestrainer Katsuaki Asai über die Kampfkunst Aikido.

Der Angreifer läuft auf Meister Asai zu und greift sein Handgelenk. Asai schwingt dessen Arm über den Kopf und wirft den Mann auf die Matte. Der rollt ab und startet den nächsten Angriff, den sein Lehrer mühelos abwehrt. Die Lektion ist beendet. Auf ein Zeichen erheben sich die etwa 140 weiß gekleideten Männer und Frauen in der Turnhalle und wenden sich ihren Übungspartnern zu. Bundestrainer Katsuaki Asai oder Meister Asai, wie er von seinen Schülern genannt wird, hat am vergangenen Wochenende einen Aikido-Lehrgang in der Karoline-Kaspar-Schule in Freiburg abgehalten.

Ai-Ki-Do – der Name dieser betont defensiven Kampfkunst bedeutet etwa so viel wie "der Weg zur Harmonie der Kräfte". Es gibt weder Wettkämpfe noch bestimmte Regeln, daher ist Aikido kein Kampfsport im eigentlichen Sinne. "Es geht nicht darum, dem Gegner zu schaden, sondern sich miteinander weiterzuentwickeln," sagt Asai. Darin liege der Schlüssel für die Popularität des Sports. Das Ziel ist die Verteidigung, nicht der erfolgreiche Angriff.

Neben der Bewegung spielt Meditation eine entscheidende Rolle. "Ich muss meine Gedanken kontrollieren, so wie ein Kreisel, der sich schnell auf einer Stelle dreht. Wenn mein Geist unruhig ist, kann ich keine klaren Bewegungen schaffen," erklärt Meister Asai. Die Bewegungen wirken im Aikido oft sehr harmonisch, da Angriffe des Gegners nicht geblockt, sondern umgelenkt werden. Auch für den Alltag lasse sich das Prinzip der Umleitung von Energie anwenden. "Es geht darum, das Negative zum Positiven zu wenden," sagt Asai. Wenn man 5 Euro im Portmonnaie habe, könne man sich darüber ärgern oder freuen – je nachdem.

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Wie er selbst zum Aikido gekommen ist? Meister Asai schmunzelt. "Das ist einfach." Als er 13 Jahre alt war, habe er in der Schule eine Schlägerei verloren. "Ich war der Kleinste in der Klasse! Da habe ich gedacht: So geht es nicht weiter, irgendwas muss ich lernen." Er lernte beim Gründer des Aikido, Morihei Ueshiba. 1965 wurde der gebürtige Japaner dann von seinem Meister nach Deutschland geschickt, um die Kampfkunst hier zu verbreiten. "In Deutschland gab es damals gar kein Aikido, das war sehr anstrengend," erinnert sich Asai.

Eigentlich gibt Asai nur ungern Interviews und lässt lieber seine Kunst für sich sprechen. Der 67-Jährige betreibt eine eigene Schule in Düsseldorf und gibt am Wochenende häufig Lehrgänge. Noch heute trainiert der Träger des höchsten Meistergrades, des sogenannten 8. Dan, jeden Tag: "Ich lerne immer noch dazu." Das größte Problem sei jedoch, dass er selbst keinen Lehrer mehr habe. Die Lehren und Bewegungen seines Meisters seien aber noch in seinem Kopf. "Der Gründer sagte: ,Wir stehen mitten im Universum.’ Früher hab ich nicht verstanden, was das bedeutet. Aber wenn ich heute die Augen schließe, gehört mir alles. Wenn ich die Augen wieder aufmache, fange ich an zu kämpfen, mich mit anderen zu vergleichen," sagt Asai. Das müsse er überwinden.

Ob er ein Lebensmotto habe? Katsuaki Asai legt seine Stirn in Falten und lacht dann. "Jeden Tag mit Freude leben! Sonst wäre es ja schlimm." Der Meister hat gesprochen.

Autor: Tina Srowig