Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
19. Januar 2012
"Die Wohnmobile werden sich andere Plätze suchen"
BZ-INTERVIEW mit dem Wohnmobilfachjournalisten und Stellplatzkenner Hans-Jürgen Hess zu den Verlegungsplänen in Freiburg.
Der Freiburger Wohnmobilstellplatz an der Bissierstraße soll nach den Plänen Stadtverwaltung an den Rand von Lehen verlegt werden. Über die möglichen Folgen sprach Rolf Müller auf der CMT in Stuttgart mit Hans-Jürgen Hess, bei der Zeitschrift "Promobil" zuständig für die Stellplatz-Redaktion und einer der besten Kenner von Wohnmobilstellplätzen im In- und Ausland.
BZ: Wie würden Sie den Stellplatz in Freiburg bewerten?Hans-Jürgen Hess: Der Stellplatz in Freiburg entspricht rundum den Bedürfnissen der Touristen mit dem Reisemobil und ist deshalb sehr beliebt. Er war bei promobil in der Mai-Ausgabe 2005 schon "Stellplatz des Monats"
BZ: Wie wichtig ist die Lage, etwa die Nähe zur Innenstadt?
Hess: Weil Reisemobilisten Städte besichtigen möchten, einkaufen, Gaststätten besuchen, muss ein Stellplatz zwingend zentrumsnah liegen. Diese Voraussetzungen erfüllt der Freiburger Platz voll.
BZ: Was sind nach Ihren Erfahrungen die Folgen einer Verlegung – vor allem, wenn der neue Platz am Stadtrand und an zwei stark befahrenen Straßen liegt?
Werbung
BZ: Sind dann die Nachbargemeinden die Nutznießer oder wird vermehrt wild übernachtet und entsorgt?
Hess: Selbstverständlich profitiert das Umland von einem weißen Fleck auf der Reisemobil-Landkarte. Die mobilen Gäste merken ganz schnell, wo sie willkommen sind und wo nicht. Sie haben ja die Wahl, sind mobil und sehr sensibel. Wenn sie schlechte Erfahrungen machen, spricht sich das unter ihnen schnell herum.
BZ: Welche Bedeutung hat ein Stellplatz für den Tourismus einer Stadt ?
Hess: Wohnmobilisten sind ausgeprägte Individualisten. Sie suchen Ziele abseits der ausgetretenen Pfade des Massentourismus und sind finanziell weitgehend unabhängig. Sie bevorzugen innerhalb von Deutschland vor allem Städte- und Kurzreisen und sind gerade deshalb für den Deutschlandtourismus ausgesprochen attraktiv. Außerdem nutzen sie nicht nur die Hochsaison für ihre Reisen. Damit ist auch eine Belebung der Nebensaisonzeiten verbunden.
BZ: Wie viel Geld lassen denn Wohnmobiltouristen in einer Gemeinde?
Hess: Da kursieren phantastische Werte. Richtig ist wohl folgende Tatsache: Die durchschnittlichen Ausgaben eines Wohnmobilisten liegen, zusätzlich zu den Stellplatzgebühren, bei 40 Euro pro Tag und Person. Zusätzlich zu den 20,8 Millionen Tagesauflügen der Wohnmobilisten errechnete das Bundeswirtschaftsministerium einen Gesamtumsatz der Wohnmobilisten von 1,335 Milliarden Euro.
BZ: Sind Wohnmobilstellplätze Konkurrenz für Campingplätze?
Hess: Nein. Campinganlagen können die Ansprüche dieser Klientel oft nur zum Teil erfüllen. Zum einen stört die große Mobilität der Wohnmobilisten Langzeitcamper, zum anderen sind viele Plätze auf die großen und schweren Mobile nicht vorbereitet. Wobei die Infrastruktur für Wohnmobile selbstverständlich auch von Campingunternehmern geschaffen werden kann. Heute präsentiert sich der Wohnmobiltourismus in Deutschland mit weit mehr als 3000 Stellplätzen vielfältiger und lebendiger denn je. Gerade deshalb bietet er für Kommunalpolitiker, Touristiker und Investoren eine große Chance.
Autor: rm
