Protest

Dietenbach-Bauern gründen Bürgerinitiative

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Sa, 28. Januar 2017 um 11:44 Uhr

Freiburg

Jetzt haben sich die Dietenbach-Landwirte offiziell formiert. Mit einer Bürgerintiative wehren sie sich gegen die Bebauung ihrer Felder für Freiburgs neuen Stadtteil. Sie sehen ihre Existenzen bedroht.

Bereits Ende 2016 hatten die Bauern auf sich aufmerksam gemacht, mit einer stillen Kundgebung und einer Schlepperdemo (die BZ berichtete). Nun würden sich immer mehr Landwirte dem Protest anschließen, sagt Sprecherin Monika Falkner. Gegründet worden sei die BI von 16 Landwirten, inzwischen seien es 22. Und es hätten sich schon eine Reihe anderer Unterstützer gemeldet, die selbst keinen bäuerlichen Betrieb hätten, aber das Anliegen der Bürgerinitiative unterstützten.

Der Anlass für den Protest der Bauern ist zwar der geplante Stadtteil Dietenbach – aber dieser hat im Grunde nur das Fass zum Überlaufen gebracht. Seit langem klagen die Landwirte, dass es für sie immer schwieriger wird. Denn auch durch andere Baugebiete haben sie bereits viel Ackerfläche verloren. Ganz aktuell sollen auch noch gut zwei Hektar im Stadtteil St. Georgen anders genutzt werden: Das Rathaus möchte dort eine Kleingartenanlage um rund 70 Parzellen erweitern – als Ersatz für Gärten, die im Stadtteil Stühlinger wegfallen.

Notfalls gehen sie vor Gericht

Diesen fortschreitenden "Flächenfraß" möchte die Bürgerinitiative verhindern, für die Wohnungsnot in Freiburg gebe es andere Lösungen, meint die BI. Den Bauern gehe es um ihre Existenz und nicht ums Geld, betont Monika Falkner. Deshalb spiele auch der von der Stadtverwaltung gebotene Preis für die Äcker im Dietenbachgelände keine Rolle. Juristische Schritte, so sagt Monika Falkner, seien "bei Enteignungsversuchen der Stadtverwaltung nicht auszuschließen." Den Landwirten gehören nach Aussage der BI rund 15 Prozent der dort landwirtschaftlich genutzten Flächen, der Rest ist gepachtet. Insgesamt geht es um 76 Hektar.

Stadtverwaltung zeigt Verständnis

Die Stadtverwaltung kann die Ängste der Landwirte durchaus nachvollziehen, wie Annette Schubert von der "Projektgruppe Dietenbach" sagt. Deshalb habe das Rathaus auch ein aufwändiges Verfahren entwickelt, damit die Bauern Ersatzflächen bekommen und keine Existenzen gefährdet würden. Doch der Ankauf von neuen Äckern gestaltet sich schwierig: Da überall in der Region gebaut wird, ist der Markt leergefegt. Bislang habe die Verwaltung erst wenige Hektar kaufen können, sagt Schubert, aktuell gebe es aber Verhandlungen für eine große Fläche, "die uns ein gutes Stück voranbringen würde". Das Rathaus will zudem umschichten: Die Stadtverwaltung besitzt selbst 574 Hektar landwirtschaftlicher Flächen – die derzeitigen Pächter sollen Äcker zugunsten der Dietenbach-Bauern abgeben. Im Moment sind 29,7 Hektar im Pool.

Die neue Bürgerinitiative hält davon gar nichts. "Ein Dominoeffekt", meint Monika Falkner: Dadurch würden anderen Bauern Flächen fehlen. Das Rathaus betont indes, auch hierbei darauf zu achten, keine Existenzen zu gefährden. Einige Landwirte würden sowieso aus Altersgründen in absehbarer Zeit aufhören.

Mehr zum Thema: