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25. Juni 2010 19:52 Uhr

Unvollständiges Gutachten

Doch Klimawandel durch neuen Platz der Alten Synagoge

Die Stadt muss sich korrigieren. Auf dem Platz der Alten Synagoge wird sich nach der geplanten Umgestaltung das Mikroklima verschlechtern. Am stärksten betroffen dürfte die Bertoldstraße sein.

  1. Wie ändert sich das Klima in der Bertoldstraße, wenn der Platz der Alten Synagoge wie geplant umgestaltet wird? Foto: www.gd90.de

Dieses Ergebnis eines Gutachtens fehlt bislang in den Informationsunterlagen des Gemeinderats. Die Stadtverwaltung räumt das Versäumnis ein. Allerdings habe die neue Erkenntnis keine großen Auswirkungen im Lebensalltag. Anderer Ansicht ist Helmut Mayer, Leiter des Meteorologischen Instituts der Universität: "Flapsig gesagt, das wird ein kleiner Backofen."

"Klimatisch im grünen Bereich" hatte die BZ am 17. Juni getitelt. Diese Nachricht basierte auf der Drucksache für den Gemeinderat. Als Anlage anbei: die Zusammenfassung eines Gutachtens des renommierten Freiburger Fachbüros "Richter und Röckle". Darin zieht das federführende Garten- und Tiefbauamt (GuT) das Fazit, dass an einigen Stellen höhere Temperaturen zu erwarten sind, an anderen niedrigere. Beide Effekte glichen sich aus, heißt es in der Studie. Und: Der Umbau wird keine Auswirkungen aufs Klima der Stadt haben.

Gutachten war noch nicht fertig

In nicht-öffentlicher Sitzung haben sich bislang Umwelt- und Verkehrsausschuss mit dem Thema befasst. Was bislang niemand wusste: Das Gutachten war noch gar nicht fertig, die Information nicht vollständig. Dass das nicht klar herausgestellt wurde, sei ein "handwerklicher Fehler", räumt Georg Herffs ein, oberster Verkehrsplaner im Garten- und Tiefbauamt.

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Das wichtigste Ergebnis wird er nachliefern: eben jenes zur thermischen Belastung. Die beschreibt nämlich besser, wie sich der Mensch fühlt. Dazu bilden die Wissenschaftler Indices aus verschiedenen Größen, wie Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Strahlungswärme.

Nachholbedarf in der Bertoldstraße

PMV (Predicted Mean Vote) heißt der Index, den das Freiburger Büro anwandte – und danach zeige der neue Platz zwischen Theater und Uni deutliche Unterschiede im Vergleich zu heute. "Diese haben wir anfangs so nicht gesehen", sagt Planer Hendrik Schmitt. Die Gutachter haben simuliert, wie es einem luftig bekleideten Menschen geht, der an einem heißen Augusttag in einer Hitzewelle über den Platz bummelt: Auf dem Rasen, wo es heute schon heiß ist, käme es ihm künftig sehr heiß vor. "Aber auch heute hält sich bei solchen Verhältnissen niemand dort auf", sagt Schmitt. Auch auf der Platzmitte, wo heute der Rotteckring verläuft, wäre es deutlich wärmer, weil der Granit die Wärme stärker reflektiert. Gravierend würde sich der Verlust der Bäume an der Bertoldstraße auswirken. Dort sehen die Gutachter Nachholbedarf.

Den sieht auch Meteorologe Helmut Mayer: "Ich glaube, die Pläne haben eine Verschlechterung der lokalen stadtklimatischen Situation zur Folge." Angesichts des Klimawandels müsse es das Ziel sein, solche städtebaulichen Projekte für Verbesserungen zu nutzen. "Hitze wird ein Problem dieser Region werden." Mayer soll nun auf Drängen von Grünen-Stadtrat Eckart Friebis in die Diskussion eingebunden werden. Und die wird im Gemeinderat am 6. Juli beginnen, mit einer Info-Veranstaltung am 13. Juli weitergeführt, von einer Wanderausstellung sowie Informationen im Internet begleitet. Dort wird sich auch das Gutachten nachlesen lassen.

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Autor: Uwe Mauch