Gedenkkultur

Drei Gemeinderatsfraktionen wünschen sich Infotafeln für den Platz der Alten Synagoge

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Sa, 05. August 2017

Freiburg

Drei Fraktionen im Gemeinderat – SPD, JPG und Unabhängige Listen – haben gefordert, Hinweistafeln am Gedenkbrunnen auf dem Platz der Alten Synagoge aufzustellen. Inwieweit ein würdiges Gedenken dort möglich ist, müsse dringend diskutiert werden.

Die CDU-Fraktion hat inzwischen angekündigt, einer möglichen Umbenennung in "Platz der zerstörten Synagoge" nicht zuzustimmen.

Am Mittwoch wurde der Platz der Alten Synagoge "in Betrieb" genommen, seitdem geht es rund: Tagsüber, abends und nachts sind dort Menschen zu finden. Immer wieder für Diskussionen sorgt, dass die Gedenkstätte – das Wasserbecken mit dem Grundriss der 1938 zerstörten Synagoge – von vielen Menschen als Spiel- und Planschbecken genutzt wird.

"Den Besucherinnen und Besuchern ist es nicht möglich, den mahnenden Charakter des Brunnens zu erkennen", schreiben nun SPD und JPG (Junges Freiburg/Die Partei/Grüne Alternative), unterstützt von den Unabhängigen Listen. "So können diese keine Haltung zu dem Mahnmal einnehmen." Die Stadtverwaltung solle dort Tafeln aufstellen, die in mehreren Sprachen darauf hinweisen, warum dieser Brunnen so dort entstanden ist. Die Unabhängigen Listen wünschen sich zudem eine historische Abbildung der Alten Synagoge.

Bislang dient theoretisch die im Boden des Wasserbeckens versenkte Gedenktafel als Hinweistafel. Allerdings: Bei bewegtem Wasserspiegel ist sie praktisch nicht zu erkennen, zudem wird darauf recht unkonkret von einer "Herrschaft der Gewalt und des Unrechts" gesprochen, der die Synagoge zum Opfer gefallen sei. In der letzten Gemeinderatssitzung vor den Ferien wurde zudem beschlossen, für die bei den Bauarbeiten gefundenen Mauerreste des Kellerfundaments der Synagoge über ein "ergänzendes Mahnmal" oder ein Kunstwerk zu diskutieren. Dies könnte auf dem Platz selbst, in oder vor der Neuen Synagoge an der Nußmannstraße, in einem Museum oder an anderer Stelle stehen.

Die Fraktionen wollen jedoch Hinweistafeln "unabhängig von weiteren Überlegungen bezüglich eines Gedenkkonzeptes". Sie schlagen vor, alle Platz-Themen zusammen im Hauptausschuss zu diskutieren und dabei auch die Umbenennung zu thematisieren. Dazu hat sich jetzt die CDU-Fraktion gemeldet: Sie möchte den Namen "Platz der Alten Synagoge" beibehalten. Die kulturpolitische Sprecherin Carolin Jenkner erklärte, dass die Gestaltung nicht für das Vergessen stehe, sondern ausreichend würdevolle Anreize zum Gedenken gebe: "Dafür braucht es keinen neuen Namen."