Jubiläum

Ein Bad, ein Traum: Das Lorettobad wird 175 Jahre alt

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Fr, 12. Mai 2017 um 14:19 Uhr

Freiburg

Früher war es "Herren- und Gartenbad" und gleichzeitig Eisfabrik – heute ist es das älteste Freibad Deutschlands mit dem einzigen Damenbad bundesweit: das Lorettobad, genannt Lollo.

Er muss ein geschäftstüchtiger Mann gewesen sein, der Johann Nepomuk Stadler. Nicht nur, dass er vor genau 175 Jahren vor den Toren der damaligen Stadt Freiburg ein Schwimmbad mit einem Becken eröffnete. Nein, er nutzte das Becken des Lorettobads sogar im Winter – als Eisfabrik. Das Eis wurde in Stangen und Blöcken herausgesägt, im nahe gelegenen Lorettoberg gelagert und verkauft.

Heute ist das Lollo, wie es liebevoll genannt wird, das älteste Familienfreibad Deutschlands und auch das einzige Damenfreibad – und das, wo anfangs nur Männer Zutritt zum "Herren- und Gartenbad" hatten. Zum Jubiläum hat der Förderverein "Freunde des Lorettobades" eine Ausstellung zur Geschichte des gutbürgerlichen Jugendstil-Kleinods zusammengestellt.

Das Bad hat eine bewegte Geschichte

Da rauschen die Zahlen und Geschichten nur so vorbei – hier einige davon im Zeitraffer:

1842: Eröffnung. Das Badewasser speist sich aus dem Hölderlebach, der wiederum kommt von den Hängen des Schauinsland – es ist also äußerst erfrischend.

1886: Das zweite Becken und damit das Damenbad wird eingeweiht.

1914 bis 1920: Es ist der Erste Weltkrieg, das Lollo wird landwirtschaftlich genutzt.

1932: Das große Becken wird zum Familienbad erklärt, die katholische Kirche befürchtet eine Verwilderung der Sitten.

1935: Schande: Juden wird der Zutritt untersagt.

1945: Das Bad ist für die französischen Streitkräfte reserviert.

1978: Ein Jurastudent versucht, sich ins Damenbad zu klagen und verliert.

1993: Weil an allen Ecken und Enden Geld fehlt, gründet sich der Förderverein.

1990er Jahre: Das jährliche Streichen der Betonbecken mit blauer Farbe wird zum Event, danach gibt’s Kaffee und Kuchen.

2000: Das Lollo wird nach größeren Umbauten schick saniert wiedereröffnet. Die Becken sind jetzt mit Edelstahl verkleidet. Die Wassertemperatur bleibt erfrischend.

2007: Schiffstaufe im Lorettobad, mit einem vier Meter langen Dinghy.

2010: Stammbadegäste, darunter zwei 70-Jährige, klettern an einem sonnigen Sonntagmittag über den Zaun und besetzen das geschlossene Bad – als Protest gegen das ihrer Meinung nach zu frühe Saisonende.

2016: Streit im Damenbad zwischen verschiedenen Gruppen inklusive Polizeieinsätzen.

2017: Das Lorettobad wird 175 Jahre alt und startet mit neuen Hausregeln in die neue Saison.

Unterm Strich bleibt: Das Lollo ist nicht nur Freibad, es ist ein Lebensgefühl, der Traum eines immerwährenden Sommertags. Wer sich selbst überzeugen will: Das Buch zur Ausstellung gibt es ab Samstag für 10 Euro im Lorettobad sowie in einigen Wiehremer Geschäften wie der Buchbinderei Bock, der Buchhandlung Schwanhäuser, der Zasius-Apotheke, der Sanitär- und Heizungsfirma Stather sowie bei "Gut und Schön".
"175 Jahre Lorettobad"

Die Ausstellung ist von Montag, 15. Mai, bis Montag, 29. Mai, in der Meckelhalle der Sparkasse, Kaiser-Joseph-Straße 186-190, zu sehen.

Öffnungszeiten:
Montag und Donnerstag
9 bis 18 Uhr
Dienstag, Mittwoch und Freitag
9 bis 16 Uhr

Eintritt frei

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