Ein Labyrinth mit Warzen

Gerhard M. Kirk

Von Gerhard M. Kirk

Fr, 31. Oktober 2008

Freiburg

Zwei Dutzend Kleine und Große zwischen sieben und 70 Jahren entdecken miteinander Zeiträume

Ziemlich chaotisch sieht’s aus im Werkraum des Stadttheaters. Was ganz natürlich ist. Denn hier geht es um Zeit, um Wünsche, um ein Labyrinth – und an all dem arbeiten auch noch mehrere Generationen gleichzeitig. Genau so soll es sein bei diesem Mehrgenerationen-Kunst-Projekt "Zeiträume". Sie zu entdecken, dazu haben zum ersten Mal miteinander die Jugendkunstschule und das Theater eingeladen. Und jetzt haben sie das Durcheinander.

Die sieben Jahre jungen Lilli Götz und Hanna Pöschel mantschen aus Zeitungen, Butterbrotpapier und Kleister faustgroße Warzen. Die pappen sie dann an zwei Wände des neun Meter langen und 7,50 Meter breiten Labyrinths, die den Gegenwartsraum begrenzen, der eben auch als Gegenwarzraum zu verstehen sein könnte. In ihm wird auch eine große Sparkasse stehen, an der Erika Emersleben hingebungsvoll arbeitet. "Die Bankenkrise ist gerade das Wichtigste", erklärt die 67-Jährige, "also bauen wir eine Kasse, in die oben Geld reinkommt, auf der vorne Sicherheit und Stabilität versprochen werden, und an der man hinten sehen kann, dass alles am Arsch ist."

Es ist offensichtlich: Die Beschäftigung mit Zeiträumen macht Spaß. Maren Gärtner (zwölf Jahre) und Ruth Petersen (13) schneiden unermüdlich Bilder von Essen und Trinken aus Zeitschriften aus – für die Puppenküche in der Abteilung Vergangenheit. In ihr hängen schon Kinderbilder der Zeitreisenden, Kuscheltiere liegen herum, eine alte Schallplatte. "Das Thema Zeit hat eben in verschiedenen Lebensphasen unterschiedliche Bedeutungen", sagt Edith de Wachter. Rund ums Labyrinth erlebt die 57-Jährige die Zeit in diesem Projekt jedenfalls sehr intensiv und viel zu schnell vergehend.

Damit haben Henrik Fehr (acht), Kai Nipken (neun) und Philipp Temmes (zehn) kein Problem. Sie bauen eifrig an einer Zeitmaschine, in der eine Reise zur Burg des Zähringer-Herzogs Berthold um 1200 ebenso möglich ist wie eine in die Welt der Dinosaurier. Nicht ohne Grund hat das Projekt denn auch mit dem Wunschbaum angefangen, erzählen die Bildenden Künstlerinnen Katja Wüstehube und Katharina Gehrmann, die durch die Zeiträume begleiten. An ihm hängen Wünsche, die so unterschiedlich sind wie die zwei Dutzend Beteiligten zwischen sieben und siebzig Jahren: "Mehr ungeplante Zeit" und "ein Merschweinchen" und "dass meine Oma nicht schtirbd".

Einen Wunsch jedoch haben alle gemeinsam: Dass möglichst viele am 15. November um 15.30 Uhr zur Vernissage des Labyrinths kommen. Das dann natürlich auch einen Zukunftsraum haben wird – und in dem selbstverständlich der Minotauros aus der klassischen Sage herumgeistert. "Ein bisschen ist das Ganze" strahlt Katharina Gehrmann, "wie ein Bühnenbild ohne Stück."