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30. November 2011 07:00 Uhr
Sanierung
Ein Wahrzeichen verschwindet: Haus Weingarten wird abgerissen
Es ist so etwas wie ein Wahrzeichen im Stadtteil: das Haus Weingarten in Freiburg. Für die Bewohner der nahen Sinti-Siedlung war es Festsaal, Schule, Kindergarten – kurz: Heimat. Jetzt soll es abgerissen werden.
Seit fünf Jahren wird in Weingarten-West in großem Stil saniert. Möglich macht’s das Stadterneuerungsprogramm "Soziale Stadt". Bislang haben Bund, Land und Stadt knapp 9 Millionen Euro investiert, unter anderem ins Passivhochhaus Bugginger Straße 50 oder den neuen Else-Liefmann-Platz; nächstes Jahr werden es mehr als 23 Millionen Euro an Fördermitteln sein. Bislang ging es eher um die Mitte Weingarten-Wests, künftig geht es um die Planungen für den Rest des Stadtteils. Nächstes Frühjahr sollen möglichst viele der rund 6000 Bewohner ihre Wünsche und Vorschlage für die weitere Entwicklung ihrer Nachbarschaft äußern; dafür lädt die Stadtverwaltung zur Bürgerbeteiligung ein.
Eins steht allerdings jetzt schon fest: Das der Stadt gehörende Haus Weingarten wird 2015 abgerissen. Der 70er-Jahre-Betonbau bröckelt seit längerer Zeit vor sich hin, eine Sanierung wäre mit 4 Millionen Euro zu teuer. Deshalb soll der dortige Schulkindergarten bis Anfang des Jahres 2015 in einem Neubau auf dem Gelände der Adolf-Reichwein-Schule untergebracht werden. Auch das Nachbarschaftswerk muss dann umziehen, eventuell in die frei werdenden Räume des Polizeipostens im Haus Binzengrün 34a. Doch wohin mit der Sinti-Kirchengemeinde? Und wo werden die Sinti in Zukunft Familienfeste feiern oder sich treffen können?
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"Das Haus zu verlieren ist für die Sinti sicherlich schwer", sagt Dietmar Müllensiefen. Der ehemalige Professor der Evangelischen Hochschule wohnt selbst in Weingarten und hat guten Kontakt zu den Nachbarn: "Hier ist der Gottesdienstraum der Sinti-Mission, hier findet soziales Miteinander statt, hier war ihre Schule. Wenn das Haus weg muss, braucht man auf jeden Fall Ersatz." Ein Vertreter der Sinti war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
"Das Herz der Sinti hängt an ihrer ehemaligen Schule", hat auch Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach erkannt. Vergangene Woche hat er sich mit Sinti-Vertretern getroffen und mit ihnen vereinbart, dass bis Mitte nächsten Jahres eine Arbeitsgruppe gebildet wird: Man will sich alternative Treffpunkte für die Sinti überlegen. Im Herbst 2012, wenn der Rahmenplan für die weitere Sanierung Weingarten-Wests im Gemeinderat beschlossen wird, wird auch das aufs Tapet kommen.
Was mit dem frei werdenden Gelände des Hauses Weingarten passiert, ist noch offen. Das Stadtplanungsamt schlägt vor, hier Reihenhäuser wie an der Bugginger Straße oder am Dietenbachpark zu bauen. "Aber auch das ist ein Diskussionspunkt im Rahmen der Bürgerbeteiligung", so Roland Veith vom Amt für Projektentwicklung und Stadterneuerung.
Darüber hinaus wird auch die Sinti-Siedlung selbst renoviert oder saniert werden müssen. Dort sind die Fenster undicht, geheizt wird noch mit Holz und Kohle – energetisch ein Unding. Befürchtungen der Bewohner, die Sinti-Siedlung werde "runtergewohnt und dann plattgemacht" tritt von Kirchbach entgegen: "Niemand denkt daran, die Sinti-Siedlung aufzulösen."
- Freiburger Vision: Klimaneutrale Stadt im Jahr 2050
Autor: Simone Lutz


