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12. August 2010
Ein Weltmann unter Wasser
LEUTE IN DER STADT: Der Unterwasserfotograf Paul Munzinger hat sein Hobby zum Beruf gemacht.
"Ich war überall, nur noch nicht in der Antarktis." 12 000 Tauchgänge, mehr als 60 Auszeichnungen für seine Fotos, Reisen rund um den Globus: Paul Munzinger ist ein international gefragter Unterwasserfotograf und lebt doch am liebsten am Tuniberg.
"Unter Wasser fühl ich mich wohler als über Wasser", lächelt der 59-Jährige und wirkt dabei liebenswürdig und bärbeißig zugleich – möglicherweise ein Effekt seines grauen Seemannsbartes. Mit 14 bekam er "Unter Korallen und Haien" geschenkt, ein Buch des österreichischen Tauchpioniers Hans Hass – und war begeistert. Zunächst schnorchelte Munzinger in den Seen und Flüssen rund um Freiburg, später ging es mit dem Atemgerät hinaus in die weite Unterwasserwelt. Oft begleitete ihn seine Frau Anni, die Grundschullehrerin in Lehen ist. Er war 18, sie 17, als sie sich kennenlernten. Seine Faszination fürs Tauchen steckte an. Beide jobbten während des Studiums, um sich das Hobby leisten zu können. Danach arbeitete Munzinger 15 Jahre lang als Bauleiter und gründete das "Tauchcenter Freiburg", die "Tauchschule Freiburg" und das "Reisebüro Amphibia Tours". "Da sah ich ihn kaum noch", meint seine Frau. 1990 hängte er den Job als Bauleiter an den Nagel, sieben Jahre später verkaufte er "schweren Herzens" sein Unternehmen, um sich ganz der journalistischen Selbstständigkeit widmen zu können. Da war er schon ein gefragter Tauch-Reporter. "Ich liebe nicht nur das Tauchen, sondern auch das Berichten davon."Werbung
Als Munzinger mit der Unterwasserfotografie anfing, entwickelten sie die Bilder noch zu Hause im Badezimmer. "Da konnte man drei Tage nicht baden", lacht seine Frau. Heute ist alles auf der Festplatte gespeichert. Als seine Fotos nach "sieben Jahren Lehrgeld" die ersten Preise gewannen, folgten Auftragsarbeiten für Tauchzeitschriften, später dann Bücher und Fernsehdokumentationen. "So hab ich ein Ding nach dem anderem gemacht." Zwischen den Reisen schreibt er Artikel oder Bücher und plant die nächsten Projekte. Kürzlich ist sein neuestes Werk "100 Tauchplätze" erschienen.
Seit 22 Jahren lebt das Ehepaar am Tuniberg in Waltershofen, das Haus hat Munzinger selber entworfen. Dicke Ordner mit Aufschriften wie "West-Papua" oder "Altrhein" stehen in den Regalen, große, bunte Fotografien von Fischaugen zieren die Wände, ein schwerer, alter Taucherhelm hängt von einem Holzbalken. Munzinger engagiert sich für den Umweltschutz des "Amazonas in Südbaden" am Rhein. Warum er eigentlich nicht am Meer lebt? "Je mehr ich von der Welt gesehen habe, desto mehr ist mir klar geworden, was für schöne Sachen wir hier direkt vor der Nase haben."
Autor: Maximilian Vogelmann
