Stadtentwicklung

Eine Bürgerinitiative will das Crash-Areal kaufen

Dora Volke

Von Dora Volke

Fr, 23. März 2018 um 16:19 Uhr

Freiburg

Das Crash-Gelände an der Schnewlinstraße 7 soll nicht zu einem Bürokomplex der Industrie- und Handelskammer werden – dafür kämpft "Flurstück 277", eine Anwohner-Initiative.

Der Anwohner-Initiative "Flurstück 277" geht es um Stadtentwicklung, Wohnungsbau und den Erhalt der Disco. Deshalb will die Initiative das Grundstück kaufen. Bei einem Frühlingsempfang stellte sie nun ihre Baupläne vor: Wo sonst die Bässe dröhnen, lauschten gut 30 Politiker und Interessierte, darunter auch OB-Kandidat Martin Horn, der Vorstellung der Pläne.

Vorgesehen ist eine Multifunktionshalle über dem Crashkeller

Flurstück 277 fand sich zusammen, nachdem 2015 öffentlich wurde, dass das Crash-Gelände an die IHK verkauft werden sollte. In Workshops der Initiative wurden Ideen entwickelt, aus denen das Architekturbüro ABMP dann zwei Modelle entwickelte. Inzwischen plant die IHK ihren Neubau auf einer anderen Fläche, der sogenannten Faulerpalette im Quartier "im Grün". Die Initiative hält trotzdem an ihrem Kaufinteresse fest.

Ursprünglich favorisiert war ein Stufenmodell mit mehreren Terrassen, bei dem jedoch die Belichtung schwierig wäre, so Hubert Burdenski, einer der Architekten. Das neue Modell sieht eine Multifunktionshalle über dem Crashkeller vor, über der wiederum eine Grünfläche angelegt werden soll. Diese soll geschützt werden von zwei etwas höheren Gebäuden auf der Straßen- und der östlichen Seite, in denen Kleingewerbe und Wohnraum unterkommen sollen. Die Multifunktionshalle über dem Crash könnte als Lärmschutz dienen, so Matthias Möller, einer der Sprecher von Flurstück 277.

Baukosten von knapp acht Millionen Euro

Gemeinsam mit dem Mietshäusersyndikat will die Initiative eine "Hausbesitz GmbH" gründen, die das Areal kauft. Laut Presseberichten sollte die IHK 1,3 Millionen Euro zahlen – die gleiche Summe würde auch die Initiative auf den Tisch legen. Die geplanten Baukosten werden auf knapp acht Millionen Euro beziffert. Finanziert werden soll das Projekt mit Bankkrediten, Gesellschafteranteilen an der geplanten GmbH und Direktkrediten in Form von privaten Nachrangdarlehen, also Geld, das erst nach der Ausbezahlung der anderen Geldgeber gezahlt werden muss.

Insgesamt entstünden 567 Quadratmeter Wohn- und 417 Quadratmeter Gewerbefläche in den drei oberen Geschossen sowie 1135 Quadratmeter im unteren Bereich durch die geplante Halle, weitere Gewerbeflächen und das erhaltene Crash. Die Mieten will die Initiative so niedrig wie möglich halten. Geplant sind 8,80 Euro pro Quadratmeter für den Wohnraum, 12 Euro für die Gewerbe im oberen Teil und 5,25 Euro im unteren Teil für Halle, Gewerbe und Crash.

Der Plan der Initiative sieht das Crash als das "pulsierende Herz" des Areals, so beschreibt es Christine Bosch von Flurstück 277. Viele Anwohner, jung wie alt, wollen den Keller erhalten: Wolfgang Daun erzählt, er sei in seiner Jugend häufig in dem "Urgestein der alternativen Kulturszene" gewesen. "Meistens am Ende eines Abends stand ich staunend und überwältigt, weil hier so ganz andere Musik lief", erinnert sich der Freiburger. Die 32-jährige Thea Glaser betont die gute Lage der Disco in Bahnhofsnähe: "Das Crash ist ein Segen für die Metal-Dorfjugend. Und es erfüllt einen subkulturellen Anspruch in Freiburg."

Doch Flurstück 277 geht es um mehr als den Erhalt des Crash, es geht auch um Stadtentwicklung und Partizipation: "Unser Hauptanliegen ist, dass das Gebäude in dem lebendigen Viertel eingebunden bleibt. Es stellt sich die Frage, wie man Stadtentwicklung gestalten will. Bürogebäude gibt es hier schon genug", findet Caterina Mesina von der Initiative. Und Matthias Möller sagt: "Die Workshops haben gezeigt, dass Planung von unten funktioniert." Der Kaufantrag ist gestellt, jetzt wartet die Gruppe auf eine Antwort von der Stadt. Bis 2024 laufen die Verträge der Disco noch – die Initiative könne aber früher mit der Bebauung anfangen, da sie sich mit dem Crash einig sei, so Möller: "Wir meinen es ernst."