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11. Juli 2012

Eine Lochkamera und "Fotozeug"

Kindergartenkinder machen beim Projekt "Starke Köpfe" mit.

  1. Migel, Cedric und Berkan sind Drei der Fotografen, die bei dem Projekt mitgemacht haben. Foto: Ingo Schneider

  2. Foto: Ingo Schneider

  3. So sehen Fotos der Lochkamera aus. Foto: Ingo Schneider

Dass man mit Telefonen Fotos machen kann, weiß heute jedes Kindergartenkind. Dass das aber auch mit schlichten Pappkartons geht, wissen 115 Freiburger Vorschüler erst seit kurzem. Sie haben über ihre Kitas oder Kindergärten teilgenommen am Projekt "Starke Köpfe" der Freiburger Künstlerin Brigitte Liebel, bei dem Kinder lernen konnten, mit Lochkameras zu fotografieren. Die fertigen Bilder gibt es seit vergangenem Montag im Glashaus in Rieselfeld zu besichtigen.

Liebel arbeitet selbst seit Jahren mit Lochkameras, und das simple Grundprinzip eignet sich gut für die Arbeit mit Kindern: Auf der Innenseite einer Pappschachtel klebt lichtempfindliches Fotopapier, auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich ein winziges Loch, das abgedeckt ist. Um ein Foto zu machen, ein Negativbild des Motivs, nimmt man die Abdeckung vom Loch. "Und dann haben wir bis fünf gezählt und das Loch wieder zugemacht", erklärt Migel Bühler, 5, den Belichtungsprozess. Migel und seine Mit-Vorschüler Cedric Krieger und Berkan Kaya, beide 6, gehen in den Melanchthonkindergarten in Haslach, eine der zehn Einrichtungen, in denen Liebel zwischen März und Juni ihre Workshops anbot. "Ziel war es, die Kinder zu animieren sich gegenseitig zu fotografieren, um die Kommunikation anzuregen", so Liebel. Das sei aber oft gar nicht nötig gewesen, sagt Steffi Philipp, Erzieherin im Kindergarten von Migel, Berkan und Cedric. "Die Kinder haben ganz schnell verstanden, was sie machen müssen, wie sie posieren."

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Auch beim nächsten Schritt waren die Kinder komplett involviert. Cedric erzählt: " Wir sind dann reingegangen, haben mit einer Decke alles dunkel gemacht und sie erscheinen lassen." Migel ergänzt: "Mit Fotozeug!" Gemeint sind die Chemikalien, mit denen jedes Kind sein eigenes Bild entwickel konnte, in den Turnhallen, Legoecken oder Materialräumen der jeweiligen Kita als improvisierten Dunkelkammern.

Spaß gemacht hat es auf jeden Fall, das finden alle drei der jungen Fotografen – "am meisten das mit dem Zählen!", sagt Berkan, vielleicht ein Fan der eleganten Kombination von Kunst und eher klassischer Vorschulbeschäftigung. Spaß gemacht hat es auch Brigitte Liebel. "Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, das in etwas veränderter Form weiterzuführen", sagt sie, "die Pläne liegen schon auf meinem Schreibtisch."
Bis es soweit ist, kann man die Ergebnisse dieses Projekts begutachten – neben der Ausstellung im Glashaus werden zwischen 17. und 26. Juli zehn der fotografierten Motive auch auf 180 Litfaßsäulen verteilt über das Stadtgebiet zu finden sein.

Fotoausstellung im Glashaus Rieselfeld, Maria-von-Rudloff-Platz 2, Öffnungszeiten: Mo 9 bis 13. Uhr, Di bis Fr 9 bis 18 Uhr. Podiumsdiskussion "Kunst und Integration/ Integration und Generationenwandel", unter anderem. mit Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach: 12. Juli, 20 Uhr, Glashaus Rieselfeld; Plakataktion auf Litfasssäulen im Freiburger Stadtgebiet vom 17. bis zum 26. Juli.

Autor: Theresa Martus