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11. Februar 2010
Eine spielerische Existenz
Zwei Spieleerfinder wollen in Gottenheim mit dem eigenen Verlag wirtschaftlich durchstarten.
Pecunia non olet – Geld stinkt nicht – so rechtfertigte der Römische Kaiser Vespasian seine Latrinensteuer. Doch beim Strategiespiel "Kaivai" des Gottenheimer Pfifficus-Verlags beginnt die Spielwährung zu faulen, je länger der Spieler sie besitzt, wie Fisch, der täglich älter wird. Bei vielen anderen Gesellschaftsspielenist das Spielgeld oft lediglich das Mittel zum Erfolg. Doch nicht nur durch das andere Geldsystem steht "Kaivai" für das Motto des Pfifficus-Verlags, Spiele zum Umdenken entwickeln zu wollen.
"Der Mechanismus vieler Spiele von richtig und falsch ist ausgereizt", ist Anselm Ostertag überzeugt. Deshalb sei es von Beginn an für ihn und seine Brüder Helge und Malte wichtig gewesen, andere Spiele zu entwickeln – Spiele, die so konzipiert sind, dass keine Sackgassen entstehen. "Egal was die Spieler tun, es ist nie nur gut oder nur schlecht", erklärt er die lebendigen Prinzipien der Pfifficus-Spiele. Nur so bliebe das Spiel beweglich, kämen die Mitspieler wirklich in ein Spielen, das Selbstzweck sei und nicht aufs Gewinnen fokussiert.
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"Alles begann damit, dass mein älterer Bruder Helge in der Schule für eine Projektarbeit ein Spiel erfunden hat", erinnert Anselm Ostertag an den Start. Anfangs waren die Brüder auf der Suche nach einem Verlag für die danach weiter und neu entwickelten Spiele. Weil die Suche erfolglos blieb, entschieden sie sich, die Spiele selbst auf den Markt zu bringen. "2004 waren drei Spiele richtig marktreif", so Anselm Ostertag. Beruflich wollte er sich nach dem Grundstudium Medizin und der Ausbildung zum Waldorflehrer jedoch noch nicht auf eine reine Spiele-Existenz einlassen. Alles blieb noch "hobbymäßig". Doch der Zuspruch, nicht zuletzt auf den internationalen Spieltagen in Essen, zu der auch Spieler kommen, ermutigte zu mehr. Nach einer Kreativpause wurde dort im Oktober 2009 das vierte Spiel vorgestellt. "Galaktico" ist ein schachartiges Strategiespiel, das im Weltraum spielt.
"Die Grundidee ist schon zehn Jahre alt", so Anselm Ostertag. Doch den letzten Schliff habe das Spiel erst jüngst erhalten. Verbunden mit der Neupräsentation ist die Entscheidung, sich mit Schulfreund Marcus Geimer nun ganz aufs Entwickeln und Herausgeben von Spielen zu konzentrieren. Obwohl der 2004 gegründete Verlag bisher nebenher lief, war der Erfolg beachtlich. Bei Insidern ist Pfifficus längst ein Begriff. Das Strategiespiel "Kaivai" wurde weltweit mehr als 1000-mal verkauft, die Spielregeln sogar ins Chinesische und Japanische übersetzt.
Das nächste Spiel liegt schon in Rohform vor. Die bisherigen Spiele, neben "Kaivai" und "Galaktico" zwei Kartenspiele, werden aufgefrischt. Über eines davon, "Desperados", urteilte bereits 2005 ein Zeit-Autor: "Dieses Kartenspiel, bei dem wir Ganoven anheuern und diese verschiedentlich auf Raubzüge schicken, hat einen Grad an Komplexität, den man weder von einem Spiele-Erstling noch von einem Spiel in solch einer kleinen Schachtel erwarten würde"
Auf der Nürnberg Spielwarenmesse am Wochenende war Anselm Ostertag mit seinem Spieleverlag noch nicht vertreten. 2011 aber will der 30-jährige Spieleerfinder dort präsent sein – und zwar nicht nur mit den Brett- und Kartenspielen. Denn Bewegungsspiele, bei denen es auch ums Spielen und weniger ums Gewinnen geht, sollen bis dahin zum zweiten Standbein der Firma werden.
Autor: Markus Zimmermann-Dürkop
