"Einfach ein gutes Praxisbeispiel"

Sigrun Rehm

Von Sigrun Rehm

So, 09. September 2018

Freiburg

Der Sonntag Wie der Freiburger Stadtkaffee Freinica dazu beiträgt, das Leben der Kleinbauern in Nicaragua zu verbessern.

17 Jahre ist es her, dass Freiburg mit "Freinica" einen eigenen Stadtkaffee auf den Markt gebracht hat. Genau wie viele andere Kommunen in und außerhalb der Region verfolgten die Initiatoren damit das Ziel, globale Ideen lokal zu verwirklichen: Im Rahmen des "Agenda 21"-Prozesses sollten die Leitziele der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung, die 1992 in Rio de Janeiro stattfand, vor Ort umgesetzt werden. "Am Anfang gab es viel Begeisterung, doch die ist nach und nach abgeflaut", berichtet Projektleiterin Dagmar Große vom Freiburger Netzwerk "Eine Welt Forum" bei einer Tasse aromatischen "Freinica naturmild"-Kaffees im Weltladen Freiburg-Herdern, der von Stefanie Osten geführt wird. "Inzwischen ist die Nachfrage stabil und wächst sogar leicht", so Große. Wurden 2002 erst 1,5 Tonnen im Jahr abgesetzt, so waren es fünf Jahre später 3,8 Tonnen, heute sind es 4,6 Tonnen.

Neben den Kunden der vier Weltläden in den Vierteln Herdern, Gerberau und Littenweiler sowie in Kirchzarten sind vor allem die kleinen Kantinen und Kaffeeküchen von Firmen und Vereinen sowie Institutionen wie Waldhaus oder Ökostation die Hauptabnehmer des Kaffees. Rund 50 dieser Stammkunden werden von Dagmar Große mit dem ökologisch angebauten und fair gehandelten Kaffee beliefert. Wer den Kaffee aus hochwertigen und langzeitgerösteten Arabica-Bohnen, den es in vier Sorten gibt, noch nicht probiert hat, sei oft skeptisch, berichtet Stefanie Osten: "Fairer Kaffee hat noch immer zu Unrecht mit dem Vorurteil zu kämpfen, er sei bitter und sauer."

Wie der Kaffee tatsächlich schmeckt, vor allem aber auch, wie er angebaut und gehandelt wird und wie er das Leben der Menschen in der Kooperative Cosatin im Städtchen Boaco in Nicaragua seit 2001 positiv verändert hat, können Interessierte am Mittwoch, 19. September, erfahren. Da machen Cosatin-Chefin Maribel Rosales Soto und Kleinbäuerin Esmeralda Martinez auf ihrer Deutschlandtour, die im Rahmen der "Fairen Woche" von der Fairhandelsgenossenschaft DWP organisiert wird, in Freiburg Station. "Es ist beeindruckend, was sich dort entwickelt hat", sagt Osten und berichtet, dass die rund 600 Kleinbauern inzwischen neben Kaffee auch Honig, Ingwer und Kurkuma für den Export produzieren sowie Mais, Bohnen und Bananen für den Eigenbedarf. Der gerechte Lohn, den sie erhalten, ermögliche ihren Kindern den Besuch von Schule und Universität, aus einem Fonds werden Kleinkredite vergeben. "So sorgt der faire Handel für Gleichberechtigung und Teilhabe", sagt Stefanie Osten. Dies sei auch der Grund, weshalb trotz der aktuellen Krise in Nicaragua bisher keiner der Cosatin-Kleinbauern ausgewandert ist.

Die Faire Woche 2018 soll nun den Auftakt bilden für eine kleine Offensive, den "Freinica"-Kaffee bekannter zu machen. Die neue Webseite ist fast fertig, frische Etiketten mit Freiburg-Motiven sind in Arbeit, Gespräche mit der Stadt, ob der Kaffee in die Liste der offiziellen Gastgeschenke aufgenommen wird, sind im Gange. Wie also will sich "Freinica" gegen andere faire Bio-Kaffees durchsetzen? "Das ist nicht unser Ansatz", sagt Dagmar Große, "wir sehen andere Anbieter nicht als Konkurrenten, sondern als Partner, die für dasselbe Ziel arbeiten." Beim Stadtkaffee gehe es einfach um ein gutes Praxisbeispiel, wie nachhaltiger Konsum und fairer Handel möglich sind. Sigrun Rehm
Bildvortrag mit Maribel Rosales Soto und Esmeralda Martinez zur "Fairen Woche" am Mittwoch, 19. September, 19.30 Uhr, im Gemeindesaal von St. Martin, Rathausplatz 5, Freiburg. Eintritt frei