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22. Januar 2013

Einst WG-Zimmer, heute auch mal Villen

1988 gründete Thomas Hertle die Mitwohnzentrale, jetzt wird seine "Home-Company" 25 Jahre alt.

  1. Mit der Mitwohnzentrale fing für Thomas Hertle alles an. Foto: Schneider

Als im Januar 1988 alles anfing, war Thomas Hertle gerade mal 22 Jahre alt, hatte sein Abi gemacht und mit Videokunst herumexperimentiert. In dem Haus in der Schwarzwaldstraße, wo er lebte, zog unten ein Laden aus. Kurz davor hatte er im "Spiegel" von den ersten Mitwohnzentralen in Hamburg, Berlin, Köln gelesen. Das genügte als Inspiration: Mit einem Freund mietete er die Räume und gründete die Freiburger Mitwohnzentrale.

Und heute? Auch 25 Jahre später vermittelt Thomas Hertle noch Wohnungen auf Zeit – allerdings kaum noch an Studierende, sondern an mobile, flexible Unternehmens- oder Uni-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter, die für begrenzte Dauer hier arbeiten oder sich orientieren wollen, bevor sie langfristig Wohnungen suchen. Manchmal sind auch ausländische Patienten der Kliniken dabei, viele aus arabischen Ländern, erzählt Jutta Grieshaber, die vor 15 Jahren einstieg und nun Geschäftsführerin ist. Insgesamt arbeitet ein sechsköpfiges Team für die "Home-Company", wie das 25 Jahre alte Unternehmen heute heißt. Ähnliche Angebote gibt’s unter gleichem Namen in rund 50 anderen Städten, alle arbeiten bei Bedarf zusammen. Aus dem Mini-Büro für Thomas Hertle und seinen Freund wurden großzügige Räume in der Oberau 79.

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Fast alles hat sich geändert: Während anfangs Studierenden-WGs vorübergehend freie Zimmer zu günstigen Preisen anboten, sind heute nur noch vereinzelt Zimmer im Angebot. Sonst gibt’s alles, von der Einzimmerwohnung bis zur Villa, mit Monatsmieten von 300 bis zu 3000 Euro. Die meisten der 300 bis 400 Vermittlungen im Jahr laufen über rund 200 Stamm-Anbieter. Manche haben Wohnungen geerbt und wollen sie möbliert vermieten, bis sie sich entschieden haben, ob sie verkaufen. Manche Mieter brauchen mehr als eine Wohnung: Wenn nötig, werden Kitas, Schulen, Reinigungs- und Handwerkerservice vermittelt.

Was aber ist aus den Studierenden-WGs geworden – und aus Thomas Hertles Anfangsmotivation, ein "Alternativmakler" zu sein? Die Studierenden, sagt er, sind ins Internet abgewandert, wo sie ihre WG-Zimmervermittlung selbst organisieren. Diejenigen, die bei der "Home-Company" auftauchen, haben höhere Ansprüche als Studierende früher. Und sie bezahlen mehr, auch für die Vermittlung: Waren es einst 20 Prozent des Mietpreises für einen Monat, so sind es mittlerweile 35 Prozent. Die Provision orientiert sich jeweils an der Mietdauer, wer eine Wohnung für länger als ein Jahr mietet, bezahlt zwei Monatsmieten.

Als "Alternativmakler" versteht sich Thomas Hertle, der parallel ein auf langfristige Vermietungen angelegtes Immobilienunternehmen betreibt, immer noch: Und zwar deshalb, weil für ihn manche gängigen Methode undenkbar ist – zum Beispiel, 30 Interessierte gleichzeitig zum Besichtigungstermin einzuladen. Künftig will er vielleicht selbst Wohnungen kaufen und "gemeinschafliches Wohnen" etablieren – abgetrennte Wohnungen, mit Gemeinschaftsräumen für alle: egal, ob sie kurz oder auf Dauer bleiben.

Autor: Anja Bochtler